20.02.2020 12:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Agrarpolitik
«Wir müssen uns verbessern»
Mit Spannung haben die Besucherinnen und Besucher der Tier&Technik auf die Rede von Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), gewartet. Hofer ging auf die Agrarpolitik 2022+ ein. Die Botschaft dazu hat der Bundesrat in der vergangenen Woche präsentiert. -> Mit Video

«Liebe Bäuerinnen und Bauern.» Mit diesen Worten begann Christian Hofer seine Rede. Er sei gerne nach St. Gallen gekommen, betonte er.  Nun sei er seit knapp drei Monaten Direktor des BLW. «Wir müssen uns als kompetentes Amt weiterentwickeln, damit wir Mehrwerte für alle schaffen können», wünschte er sich. Bezüglich agrarpolitischer Weiterentwicklung hoffe er, dass neben den wirtschaftlichen auch die ökologischen Elemente nicht zu kurz kämen. 

Hohe Erwartungen

Die Erwartungen der Bevölkerung an die Agrarpolitik 2022+ (AP22+) seien hoch, ist sich Hofer bewusst. Gewisse Produktionsformen würden infrage gestellt, dem müssten sich die Bauern stellen. Die Initiativen zur Massentierhaltung und die Trinkwasserinitiative hängen auch für Hofer als Damoklesschwert über der Landwirtschaft. Zu ersterer will der Bundesrat einen Gegenvorschlag erarbeiten, zweite lehnen Bundesrat und Parlament ab. Doch ist in der Botschaft zur AP22+ ein Massnahmenpaket enhalten, das Bezug nimmt auf die Anliegen der Initiative und das die Verwendung der Pestizide einschränkt.

«Die Landwirte wollen die Landschaft pflegen, die Landwirte wollen ökologisch arbeiten, sie wünschen sich konsequente Konsumenten und sie wollen weniger administrativen Aufwand», fasste Hofer zusammen. Grössere Baustellen ortet er im Bereich der Nährstoffüberschüsse und der Ammoniakemissionen, die sich nicht massgebend reduziert hätten. «Im Bereich Umwelt gibt es Themen, bei denen wir besser werden müssen. Mit der AP22+ reduziert die Landwirtschaft ihren ökologischen Fussabdruck weiter und leistet einen Mehrwert für die Konsumenten.»

Fünf Handlungsfelder

Hofer nennt fünf Handlungsfelder:

  • Umweltfreundlichere Landwirtschaft
  • Tierwohl und Tiergesundheit stärken 
  • Betriebsentwicklung fördern
  • Soziale Absicherung
  • Mehr Wertschöpfung am Markt

Zum Thema «Senken des ökologischen Fussabdrucks» erwähnte Hofer das Massnahmenpaket zur Trinkwasserinitiative. Mit diesem will der Bund Einträge von Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer reduzieren. Weiter sollen Toleranzgrenzen in der Suisse Bilanz gestrichen werden. Der ÖLN soll regional angepasst werden können. Und die heute erlaubten 3 Düngergrossvieheinheiten pro Hektare werden auf 2,5 gesenkt. Der Bundesrat verpflichte sich zudem zu einen Absenkpfad von Nährstoffüberschüssen. 

Ein weiteres Handlungsfeld sei die Stärkung der Betriebsentwicklung, so Hofer. Man wolle helfen, Technologien, die heute zur Verfügung stünden, zu den Bauern zu bringen. Drittes Handlungsfeld: die soziale Absicherung – nicht nur für den Bauern, sondern auch für die Bäuerin. Deshalb ist eine obligatorische Sozialversicherung für mitarbeitende Ehegatten eingeplant.

Raus- und GMF-Programm erweitern

Tierwohl und Tiergesundheit sind das vierte Handlungsfeld. «Die Tierproduktion soll bezüglich Tiergesundheit und Tierwohl gefördert werden, damit sich die Schweizer Landwirtschaft vom Ausland abgrenzen kann. Dies etwa mit einer Erweiterung des Programms Raus (Regelmässiger Auslauf ins Freie) mit mehr Weideanteil, aber auch mit der Weiterentwicklung des Programms zur graslandbesierten Milch- und Fleischproduktion (GMF). Neu soll die Rohproteinversorung als Massstab dienen. 

Auch die Tiergesundheit soll im Fokus stehen. Die Teilnahme an diesbezüglichen Programmen und Netzwerken soll gefördert werden. Ein wichtiges dabei Element ist die Vernetzung von Beratung, Forschung und Praxis. Ein Netzwerk Tiergesundheit ist auch geplant, um Antibiotikaproblematik anzugehen. 

Letztes Handlungsfeld: Mehr Wertschöpfung am Markt, das Ziel jedes Landwirts. Höhere Standards sollen am Markt zu Vorteilen und Mehrwerten führen. Swissmilk Green (neuer Branchenstandard bei der Milch) sei ein Beispiel dafür, so Hofer.

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