29.05.2019 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Ausbildung
Erfolgreich mit Nebenerwerbskurs
Der Bundesrat will, dass der Nebenerwerbskurs (NEK/NELA), auch bekannt als Direktzahlungskurs nicht mehr direktzahlungsberechtigend ist. Dagegen wehrt sich die Kleinbauern-Vereinigung. An ihrer Medienkonferenz waren auch zwei Bauern, die den NEK/NELA gemacht haben und heute erfolgreiche Betriebe führen. -> Mit Videos

Thomas Urech aus Hallwil LU ist der typische Quereinsteiger. Er ist kein Bauernsohn und hat sich zunächst für ein Studium der Sozialanthropologie, Ökologie und Geschichte entschieden. Danach arbeitet er als Gemüsegärtner und begann auf 40 Aren Gemüse und Beeren anzubauen. Die verkaufte er im eigenen Gemüseabo. Das Land bekam er von einem Bauer zur Verfügung gestellt.

Von einander profitieren

Als er überraschend einen Betrieb übernehmen konnte, wollte er sich aber weiterbilden. Aus zeitlichen Gründen und aus finanzieller Sicht kam für ihn der Abschluss eines Fähigkeitszeugnisses nicht in Frage. Er entschied sich deshalb, den NELA zu machen. 

„Das war eine sehr gute Erfahrung“, sagt er. Der Kurs habe im ein kompaktes Basiswissen vermittelt. Da die Mitschülerinnen und -schüler aus ganz unterschiedlichen Berufsfelder gekommen seien, konnten sie von einander profitieren. Zudem habe er gerade im Bereich Betriebsführung und Betriebsausrichtung viel gelernt. Heute führt er den Pachtbetrieb mit ca. 16 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Er arbeitet 100 Prozent auf dem Betrieb, seine Freundin hat er zu 20 Prozent angestellt, einen Bekannten zu 60 Prozent. 

Bauernsohn kehrt heim

Anders als Thomas Urech ist Stephan Koch aus Root LU kein klassischer Quereinsteiger. Er ist Bauernsohn, wollte aber als junger Mann nicht in die Landwirtschaft einstiegen. Er hat Maschinenmechaniker gelernt und sich zum Wirtschaftsinformatiker weitergebildet. Als sein Vater pensioniert wurde, entschied er aber, zurück auf den Hof zu kehren. „Es war mein Herzenswunsch den Familienbetrieb weiterzuführen“, sagt er. Auch für ihn kam eine mehrjährige Lehre zum Landwirt EFZ nicht in Frage. Und er entschied sich ebenfalls für den NEK. 

Alte Mutterkühe

Heute führt er den 6,8 Hektaren grosse elterliche Betrieb in der Bergzone I als Mutterkuhbetrieb. Er ist in der Umstellung auf Bio und hat mit seinem „Herbstzeitlosen-Projekt“ einen Betriebszweig, der Landwirtschaft und Konsumenten näher zusammenbringt. 

In diesen Projekt kauft er Mutterkühe der ProSpecieRara-Rasse Rätisches Grauvieh, die eigentlich geschlachtet werden sollten. Jedes Kalb, das sie gebären, erhält acht Paten. Jeder Pate bezahlt zwei Jahre lang einen Franken pro Tag und erhält nach zwei Jahren seinen Fleischanteil am Herbstzeitlosen-Beef. An Bauernhoftagen können Patinnen und Paten aktiv auf dem Bauernhof mitarbeiten und so einen Einblick erhalten, wie die Tiere bei Koch leben.

„Eigentliche Brückenbauer“

Solche Geschichten wären ohne den NEK/NELA nicht möglich, wie Regina Furrer, Präsidentin der Kleinbauernv-Vereinigung, und Barbara Küttel, Geschäftsführerin an ihrer Medienkonferenz sagen.  Dabei seien gerade solche Personen wichtig für die Schweizer Landwirtschaft. „Viele Quer- und Späteinsteiger können denk dem Kurs noch in die Landwirtschaft einsteigen. NELA-Absolventen ergänzen die Schweizer Landwirtschaft neben den klassischen Ausbildungsabgängern und schliessen damit eine wichtige Lücke“, sagte Küttel.

Die oftmals starken Kontakte zur übrigen Bevölkerung würde den NELA-Absolventen bei der Vermarktung ihrer Produkte helfen. „Ausserdem leisten sie als eigentliche Brückenbauer einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige Verständnis zwischen Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerungen“, sagte Fuhrer an der Medienkonferenz.

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