27.03.2014 10:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
AP 14–17
Zwei Betriebe, die Mut machen
Vergangene Woche lud die Agrotreuhand Rütti AG zu ihrer traditionellen Treuhandtagung. Das Thema war die Agrarpolitik 2014– 2017. Doch es sollte gerade nicht nur um die Direktzahlungen gehen.

Ruedi Fankhauser, Mitglied der Geschäftsleitung der Agrotreuhand Rütti AG, erklärte zu Beginn: «Das Ziel des heutigen Abends ist es, Ihnen zwei Betriebe vorzustellen, die ihren Schwerpunkt nicht auf die Direktzahlungen legen und die im Zusammenhang mit der AP 14– 17 Mut machen sollen.» Über 150 Bäuerinnen und Bauern waren zur Treuhandtagung auf der Rütti BE erschienen.

Spezialholzerei aufgebaut

Zuerst sprach Daniel Winzenried aus Niederwangen BE. Er ist verheiratet, seine Frau Andrea und er haben drei kleine Kinder. Die Grosseltern wohnen im Stöckli und helfen immer noch mit. Daneben beschäftigen Winzenrieds, die 18 ha LN und 25 ha Wald im Eigentum haben, zwei Angestellte. 2011 übernahmen Andrea und Daniel Winzenried den Betrieb, vorher hatte er mit seinen Eltern 14 Jahre lang eine  Generationengemeinschaft gehabt.

«Unser Ziel war, Einkommen für zwei Parteien zu erwirtschaften», erklärte Winzenried. «Unsere Interessen, unsere Freude und unsere Stärken sahen wir in der Forstwirtschaft.» So bauten sie diesen Bereich aus: Auftragsholzerei in privaten Wäldern, Spezialholzerei bei Privaten und im Auftrag der öffentlichen Hand entlang von Strassen, Cheminéeholz- und Schnitzelverkauf. Dieser Bereich sei von der AP 14–17 nicht tangiert. In den beiden anderen Bereichen – Ackerbau und Milchwirtschaft – erwarte er jedoch einen leichten Rückgang der Direktzahlungen.

Neu Direktsaat und GMF

Mit Direktsaat und graslandbasierter Milch- und Fleischproduktion (GMF) hofft er, einen Teil des Ausfalls kompensieren zu können. «Uns ist wichtig, dass wir am Abend zufrieden sind.» Er gab aber auch zu: «Es ist nicht nur gut und schön, so wie wir unseren Betrieb verändert haben.» Denn: «Jetzt, wo wir kleine Kinder haben, bin ich weniger zu Hause.» Mit seiner Frau zusammen, die 50% als Rettungssanitäterin arbeite, die Landwirtschaft, die Holzerei und die Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, sei schwierig.  

Ebenfalls über 18 ha verfügen Stefan Brunner und seine Frau Lorena auf dem Eichhof in Aarberg BE. Und auch sie haben drei kleine Kinder. 2010 übernahmen sie den Betrieb von Stefans Eltern, die seither extern wohnen. («Wir hatten und haben ein sehr gutes Verhältnis und wollten, dass es so bleibt.») Im Stöckli wohnen Stefans Grosseltern.

Zum Event-Hof geworden

«Unter dem Einfluss meiner Frau», schmunzelte Stefan Brunner, hätten sie 2010 auf Bio umgestellt. Den Betrieb übernahmen sie viehlos mit Ackerbau und etwas Gemüsebau. Letzteren gleisten sie in der Folge neu auf und bauten jedes Jahr neue Kulturen an. Sie erstellten eine  Beerenanlage, begannen mit Direktvermarktung und der Verarbeitung auf dem Hof (Konfitüre, Trockenfrüchte, Sirup u.a.). Sie fahren auf den Markt und liefern in Hotels.

Vor allem aber entwickelte sich der Event-Bereich sehr stark: Apéros, Brunches, Hochzeiten, Bauernhof-Olympiade. «Die Nachfrage von  grossen Gruppen ab 50 Personen für Feste und Events ist riesengross», berichtete Brunner. 2010 stellten sie drei Lohnausweise aus, 2014 werden es über 20 sein. Brunners mussten auch bremsen. «Am Sonntag gibt es keine Events, höchstens für Gottesdienste machen wir eine Ausnahme.» Er wolle vom Bauern leben können, und zwar richtig, nicht nur überleben. «Das war am Anfang hart, das haben auch wir gespürt, wir sind immer noch in dieser Phase, aber das Ziel ist ganz klar, die Lebensqualität muss ihren Platz haben», sagte Brunner sichtlich zufrieden. Von Direktzahlungen möchte er möglichst unabhängig sein.

AP 18 verschoben?

SBV-Präsident Markus Ritter hielt im Anschluss an die Betriebsvorstellungen ein fulminantes Referat. Er betonte: «Aus dem Produkteerlös nehmen die Landwirte 9,5 Mrd. Fr. ein, über die Direktzahlungen sind es 2,8 Mrd. Fr.» Die Fremdkosten von total rund 10 Mrd. Fr. seien aber höher als der Produkteerlös. «Entweder haben wir also viel zu tiefe Erlöse aus der Produktion oder zu hohe Kosten.» Ritter erzählte, wie er Detailhändlern und Verarbeitern vorrechne: «Der Bauer muss langfristig seine Kosten decken können, sonst gibt es keine Produktion mehr.» Er sagte auch, dass Diskussionen darüber liefen, ob die nächste Runde der AP schon 2018 starten soll oder erst später. sal

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