16.05.2014 07:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
AP17
Über 1000 Fr. Stundenlohn für Brache
Bauernverbandspräsident Markus Ritter kritisiert die Anreize, die durch hohe Biodiversitätsbeiträge entstehen. Als Beispiel dafür nennt er die Buntbrache. Er fordert bessere Kennzahlen als die heutigen Deckungsbeiträge.

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV), sprach im März an der Treuhand-Tagung der Agrotreuhand Rütti AG auch über die AP 14–17. Nachdem er den leicht erhöhten Zahlungsrahmen als positiven Aspekt der Reform gewürdigt hatte, sagte er: «Die Gefahr bei diesem System, der Höhe der Direktzahlungen für gewisse ökologische Leistungen und der Höhe der jetzigen Marktpreise ist, dass die Anreize für eine extensive Betriebsführung extrem hoch geworden sind.»

Über 1000 Fr./h möglich

Vor über 150 Bauern fuhr er fort: «Eine Hektare Buntbrache gibt 3800 Fr. Direktzahlungen. Ihr wisst selbst, wie viel Arbeitsaufwand man für eine Hektare Buntbrache im Jahr braucht, und ihr könnt die Rechnung so machen, damit ihr wisst, welchen Stundenlohn man für diesen Arbeitsaufwand erwirtschaften kann.» 

Wie sieht diese von Ritter angestossene Rechnung aus? Wer eine Buntbrache bloss einmal im Jahr zur Hälfte mulcht, kann dies in weniger als zwei Stunden erledigen. Er käme damit auf einen Stundenlohn von gegen 2000 Fr. Eine Buntbrache muss aber mindestens zwei Jahre bestehen, und mindestens wer sie darüber hinaus behalten will, muss sich mit der Unkrautbekämpfung (Nesseln, Disteln, Quecken) befassen, wenn er bei der Kontrolle keine Abzüge riskieren will.

Auch Pferdeheu-Produktion sehr lukrativ

Für eine sehr gepflegte Buntbrache kann sich der Aufwand für die Unkrautbekämpfung laut Ackerbauexperten auf zehn bis fünfzehn Stunden belaufen. Vielleicht müssen auch noch Mäuse bekämpft werden. Bei einer sehr grosszügigen Annahme von fünfzehn Stunden resultiert aber immer noch ein Stundenlohn von rund 250 Fr. Wenn die Buntbrache zusätzlich in ein Vernetzungsprojekt eingebunden ist, sieht die Rechnung noch besser aus. Denn dann gibt es pro Hektare nicht 3800, sondern 4800 Fr. Beiträge.

Auf der Rütti fuhr Ritter fort: «Da müsst ihr ganz viel Weizen haben, bis ihr da nur in die Nähe kommt. Das Gleiche gilt für Zuckerrüben und Kartoffeln.» Auch bei der Produktion von Pferdeheu auf extensiven Wiesen mit Qualität und Vernetzung könne man mit tiefem Aufwand «extrem hohe Arbeitserlöse erzielen». Branchenkenner sprechen beim Pferdeheu von bis zu 115 Franken Stundenlohn.

Kosten, Arbeit zuweisen

Ritter bezeichnete es auf der Rütti als «grossen Fehler», dass heute die Zahlen in den einzelnen Betriebszweigen auf der Stufe Deckungsbeitrag erhoben würden und als solche in die agrarpolitischen Entscheide einflössen. Der SBV-Präsident kam richtig in Fahrt: «Buntbrache, Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen sind auf Stufe Deckungsbeitrag praktisch gleich hoch, die Struktur- und Arbeitskosten werden ja nicht verteilt. Und wenn unsere grossen Agronomen dies anschauen, sagen sie: Das ist tipptopp, das ist alles etwa gleichwertig. Aber für den Bauer natürlich nicht! Denn er muss auch schauen, welche Kosten er dafür hat: arbeitsmässig und auch entsprechend Maschinen und Gebäude. Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen fähig sein, eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf den einzelnen Kulturen auszuführen. Sonst werden die agrarpolitischen Entscheide nie besser!»

Gegenüber dem «Schweizer Bauer» zeigte sich Ritter überzeugt: «Mit den aktuellen Anreizen wird sich die nächste Generation anders ausrichten, wenn sich die Marktpreise nicht positiv entwickeln.» Gerade in der Westschweiz gebe es solche Beispiele. «Da werden die Arbeitskosten gesenkt, ebenso die Kosten für Betriebsmittel, die Direktzahlungen für ökologische Leistungen maximiert – und wenn dann noch genügend Zeit bleibt, gehen Mann und Frau in den Nebenerwerb. Das macht mir Sorgen.»

Meisterlandwirt und Wirtschaftsingenieur Ritter engagiert sich bereits seit Jahren dafür, dass die Strukturkosten (Maschinen und Gebäude) und  der Arbeitsaufwand den einzelnen Produktionszweigen zugewiesen werden. Er hofft, dass in zwei Jahren in Zusammenarbeit mit Agroscope solche Daten vorliegen.

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