29.03.2013 06:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
SBV-Vizepräsidium (1/3)
Hans Frei befürchtet Importzunahme wegen AP 2017
Am 26. April wählt die Landwirtschaftskammer des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) einen neuen Vizepräsidenten. Hans Frei, Präsident des Zürcher Bauernverbandes (ZBV), ist einer der drei Kandidaten.

Wenn man auf den Lindenhof in Watt ZH in der Nähe von Regensdorf fährt, dann stechen zwei Dinge ins Auge. Zum einen verdient der Anfang der Achtzigerjahre gebaute Hof seinen Namen, weil die Gebäude um einen Innenhof gruppiert sind. «Das kommt von daher, dass ich einmal in Nordfrankreich gearbeitet habe und fasziniert war von den dortigen Hofgruppen», erklärt  Meisterlandwirt Hans Frei. Da sein Bruder Architekt sei, habe dieser damals die neue Siedlung nach dem Auszug des Betriebs aus dem Dorfkern geplant.

Neuer Stall mit Roboter

Damit sind wir beim zweiten, was auffällt: Es wird wieder gebaut auf dem Lindenhof. Der alte Anbindestall für 24 Kühe wird durch einen Laufstall für 60 Kühe mitsamt Melkroboter ersetzt. «Wir bauen mit Roboter, um auch diese Bestandesgrösse als Familienbetrieb bewirtschaften zu können», begründet Frei. In seinem Dorf seien alleine im  letzten Jahr vier Betriebe gezwungen gewesen, die Milchwirtschaft aufzugegeben. «Nicht zuletzt deshalb, weil sie aufgrund ihrer Lage im Siedlungsgebiet grosse Hürden für Neubauten hatten», fügt er an. Einen Teil der Lieferrechte dieser aufgegebenen Betriebe habe seine Familie übernehmen können: «Mehrmengen konnte ich zu keinem Zeitpunkt verantworten.»

Da die Hofnachfolge mit dem 23-jährigen Sohn Matthias bereits geregelt ist, sei klar gewesen, dass der Betrieb den Anforderungen der Zeit angepasst werden solle.  Wirtschaftlich sei es sicher nicht einfach. «Sicher ist aber , dass die wachsende Bevölkerung auch in 30 Jahren mit Nahrungsmitteln versorgt werden muss», betont er aber.  Da der  Lindenhof in  einem Landschaftsschutzgebiet liege, sei der Neubau eine Herausforderung gewesen.   Auch dieses Mal plante Freis Bruder den Neubau, während er zusammen mit seinem Sohn die Bauführung selber durchführt. «Wir haben auch versucht, eigene Ideen zu realisieren. Zentral ist das Tierwohl. Dazu gehört ein einfaches Aufstallungssystem, in dem die Tiere die grösstmögliche Freiheit haben, sich im Stall zu bewegen», betont er. Und sein Amt als Präsident der Zürcher Bauern, das er seit letztem Jahr bekleidet, bedeutet auch, dass er eine Vorbildsfunktion wahrnehmen will. «Für mich die grösste Herausforderung ist, in Distanz zu 5 Kilometern vom Stadtrand von Zürich die Wichtigkeit der produzierenden Landwirtschaft aufzuzeigen», argumentiert er.

Das Bestmögliche für Schweizer Bauern erreichen

Und nun will der 59-Jährige, der seit 1996 für die SVP im Kantonsrat politisiert, wovon vier Jahre gar als Fraktionschef,  neuer SBV-Vizepräsident werden. «Ich möchte meine Nomination als Chance verstanden haben, um als Vizepräsident das Bestmögliche für die Schweizer Bauern zu erreichen», argumentiert er. Als Vertreter des Agrarkantons Zürich kann diese Funktion auch als Brücke zwischen Zentral- und Ostschweiz verstanden werden. Schon aufgrund seines Alters stehe für ihn eine spätere Übernahme des SBV-Präsidiums nicht zur Diskussion. Er könne sich deshalb ohne Rücksicht auf weitere Karriereschritte für die Bauern einsetzen.

AP 2017 gescheitert

Und hier sieht er in naher Zukunft Handlungsbedarf. «Die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017)  ist eine rigorose politische Kursänderung in Richtung Ökologisierung, die es heute volkswirtschaftlich nicht verträgt», betont er. Die AP 2017 sei aus Bauernsicht grossmehrheitlich gescheitert, weil die Ökologisierung den Bauern den Handlungsspielraum zur Wettbewerbsfähigkeit entzieht. «Die Inlandversorgung wird weiter abnehmen, die Importe schlagartig zunehmen. Die Folge ist der Verlust an Wertschöpfung und einer professionellen Ausbildung im Berufsfeld Landwirtschaft», so Frei. Einem allfälligen Referendum gegen die AP 2017 sieht er gelassen entgegen: «Wenn die Bauern hier geschlossen auftreten, haben wir absolut realistische Chancen, bei der Bevölkerung Verständnis für unsere Anliegen zu ernten.» Es ertrage es allerdings nicht, dass sich die Landwirtschaft uneins sei. Deshalb müsse die Referendumsfrage gründlich mit der Basis diskutiert werden.

Betriebspiegel

Betriebsleiter: Hans und Hermine Frei mit Sohn Matthias
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 2 Lernende in Landwirtschaft, 1 Lernende in Hauswirtschaft.
Fläche: 38ha, wovon 18 ha offene Ackerfläche und 5 ha Wald
Tiere: 60 Braunvieh-Herdebuchkühe plus Jungvieh
Lieferrecht: 400000kg (Industriemilch PMO Mimo)

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