8.10.2014 15:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder/blu
Bern
«Wir sagen einfach nur Danke»
Die Bilder des 24. Juli sind noch gegenwärtig: Ein Unwetter verwüstet den Schangnauer Ortsteil Bumbach. Die Lobag betrieb eine Futtermittelbörse, die Agrisano-Stiftung sponsert den Transport. Die Bauern sind dankbar.

«Ds Gröbscht isch düre», meint der Schangnauer Landwirt und Gemeinderat Christian Wüthrich. Er sei beeindruckt von der Solidarität und der guten Zusammenarbeit, die seine Wohngemeinde nach dem verheerenden Unwetter vom 24. Juli erfahren habe. Selber von vier Hangrutschen auf seinem Land betroffen, koordiniert er die Verteilung von Futterspenden an 43 Emmentaler Bauern.

Unbürokratische Hilfe

«Da muess me öppis ungernäh», hatte sich Heinz Kämpfer von der Emmentaler Lobag-Sektion gesagt, als er die Bilder sah. Mithilfe von Franziska Zurbrügg von der Lobag-Geschäftsstelle in Ostermundigen wurde eine Plattform für Futtermittelspenden eingerichtet. Unbürokratisch und unkompliziert. «Das Echo war überwältigend, bis weit über die Lobag-Grenzen hinaus», so die beiden.

Wie viel das sei, könne nicht genau gesagt werden, man habe die Waren nicht gewogen. Von über hundert Spendern seien Gaben von einem Rundballen Heu bis zu zwei Lastenzügen zugesagt worden. Im Oberaargau beispielsweise sei ein Landwirt von Hof zu Hof gegangen, sodass ein schöner Sammeltransport organisiert werden konnte.

«Wir haben ja genug»

Auch Matthias und Sonja Hadorn aus dem aargauischen Uerkheim hätten mitgelitten, als sie diese Bilder sahen. «Wir haben uns in die gleiche Situation versetzt, und wir haben ja genügend Futter für unsere 30 Kühe und die 100 Muttersauen», erklärt Sonja Hadorn. Interessant sei auch, dass der Sohn der Familie Graf vom Buembächli – die sie bisher noch nicht kennengelernt haben – bei ihnen in der Landi Zofingen arbeite.

Für Andreas Bürgi von der Agrisano-Geschäftsstelle Ostermundigen und für Christian Scharpf, Geschäftsführer der Agrisano-Stiftung und -Krankenkasse AG, war ebenfalls klar, dass sie für die Betroffenen einen Beitrag leisten wollten. «Im Stiftungszweck ist enthalten, dass die Gelder auch zur Schadensverhütung in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen. Wir haben entschieden, mindestens 20 Transportfuhren zu übernehmen», sagt Scharpf. «Das betrifft die Prämienzahler jedoch nicht», präzisiert er.

Am vergangenen Donnerstag war die Firma Traveco aus Sursee LU mit einem Lastenzug im Einsatz. Auch hier: Sie habe den Eindruck, dass die Unternehmen nicht immer den üblichen Preis in Rechnung stellten, stellt Franziska Zurbrügg fest. «Die besten fünf Hektaren des Hofs waren mit Geröll übersät, nur ein Schnitt davon ist auf dem Stock», sagt Alfred Graf, der Hadorns Futter entgegennehmen durfte. Dreck und Wasser verwüsteten ihr Wohnhaus auf allen Stockwerken. Bald wird es wieder bewohnbar sein. Die 16 Kühe habe er einen Monat bei anderen Bauern unterbringen können.

1944 war auch schlimm

Sein betagter Vater Hans Graf kann sich nicht an ein vergleichbares Unwetter erinnern. «1944 war es auch schlimm, aber damals auf der anderen Bachseite», erinnert er sich. Die hintersten Höfe am Emmeoberlauf im Bumbach seien erst seit etwa 1850 ganzjährig bewohnt.

Ein riesiger Damm oberhalb von Grafs Hof schützt nun vor weiteren Schäden. Christian Wüthrich dazu: «Ohne die grosse Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen. Für das Dorf mit 930 Einwohnern wären die Schäden an Franken im zweistelligen Millionenbetrag unmöglich zu tragen.»
Die Schangnauer Bauern machen gewöhnlich keine grossen Worte. Aber ihre ehrlichen Worte des Dankes für alle Hilfe kommen von Herzen. Die äusseren Narben beginnen zu verheilen, bereits grünt es wieder. «Aber dieses Jahr werden wir nie mehr vergessen», sagen Grafs nachdenklich.

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