31.03.2016 16:53
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Österreich
Wien: Milchbauern demonstrieren
In der österreichischen Hauptstadt haben am Donnerstag Milchbauern demonstriert. Sie wollen auf die schwierige Lage auf dem Milchmarkt aufmerksam machen. Aus verschiedenen Orten fuhren sie mit den Traktoren nach Wien.

Die Lage auf dem Milchmarkt ist in Europa und in der Schweiz mehr als angespannt. In Österreich haben sich Milchbauern unter der Federführung der IG Milch nach Wien begeben. Mit drei Kundgebungen haben sie die Politik und Verbände zum Handeln aufgefordert und die Konsumenten auf die Probleme am Markt sensibilisiert. Mit Traktoren-Hupen, Glocken und Transparenten haben sie vor dem Haus der Europäischen Union und  beim Verband der österreichischen Milchverarbeiter (VÖM) demonstriert. Mit Butterbroten und Milch suchten sie das Gespräch mit den Konsumenten.

Politisch gewollte Überproduktion

Pro Kilo Milch erhalten die Bauern momentan rund 27 Cent (29,7 Rp.). Für das Überleben seien aber 47 Cent (51,7 Rp.) notwendig, sagten Teilnehmer der Demo gegenüber dem österreichischen Fernsehen ORF. Die Bauern wollen von der Politik keine Almosen, sondern eine Milchmengensteuerung.

Es laufe viel falsch in der Milchpolitik. Es gebe eine „politisch gewollte Überproduktion in der EU“, betonten die Bauern. In den grossen EU-Milchländern würden Milchkühe mit GV-Soja aus Südamerika gefüttert, um schlussendlich so viel Milch zu produzieren, dass Milchpulver bis nach Indien exportiert werde. Dies wiederum führe dazu, dass diese Milchbauern ebenso sterben würden, da sie auch preislich unterboten würden.

Bauern und Verarbeiter müssen gemeinsam handeln

Die IG Milch sieht das Problem ebenfalls in der Produktion verortet. Weil sich die Politik durch die Abschaffung der Milchquote aus der Mengensteuerung zurückgezogen hat, liegt es nun an den Verarbeitungsbetrieben durch verbindliche Vereinbarungen mit den Milchbauern die Milchmenge zu reduzieren, betont die IG.

Auch die Bevorzugung grosser Betriebe habe wesentlich die Überschüsse „wesentlich“ mitverantwortet. „Da 95 Prozent der österreichischen Milchmenge über Genossenschaften abgesetzt wird und diese Genossenschaften im Verband österreichischer Milchverarbeiter unter dem Dach von Raiffeisen organisiert sind, liegt hier der Schlüssel für die notwendige Korrektur“, so die IG.

Die IG fordert deshalb eine Reduzierung der Milchmenge durch eine gemeinsame Initiative zwischen Milchbauern und Verarbeitungsbetrieben. Diese müsse flächendeckend umgesetzt werden, damit sich die Bauern nicht gegenseitig ausspielen können, erklären Demoteilnehmer dem ORF.

EU soll Exporte nicht mehr stützen

Vor der Europäischen Union wird gefordert, dass keine weiteren Gelder für den Export oder Einlagerungen eingesetzt werden. Exportstützungen zerstörten den einheimischen wie ausländischen Markt, so der Tenor der Demonstrierenden. Zudem soll die EU keine Gelder mehr für Investitionen zur Verfügung stellen, die zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen.

Das von der IG Milch veröffentlichte Milch-Manifest umfasst zehn Punkten. Dieses fordert unter anderem eine Reform der landwirtschaftlichen Ausbildung und einen Bürokratieabbau.

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