29.05.2016 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Zürich
Weniger CO2, mehr Wertschöpfung
Geringerer CO2-Ausstoss, tiefere Kosten und mehr Wertschöpfung: Bauern aus dem zürcherischen Flaachtal gehen mit ihrem Klimaprojekt neue Wege. Der Bund erhofft sich davon Erkenntnisse, wie die Landwirtschaft klimafreundlicher werden kann.

Rund zehn Prozent der Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Für Biobauer Toni Meier aus dem zürcherischen Flaach ist deshalb klar: Die Landwirtschaft muss einen Beitrag zugunsten des Klimas leisten und den Ausstoss von Treibhausgasen senken. Meier hat deshalb die Initiative ergriffen und den Anstoss zu einem Projekt gegeben, das der WWF als „Keimzelle einer klimafreundlichen Landwirtschaft in der Schweiz” lobt.

CO2-Ausstoss um 20 Prozent reduzieren

Im Jahr 2012 gründete Meier zusammen mit Berufskollegen aus dem Flaachtal den Verein„AgroCO2ncept“. Gemeinsam mit zwei Beratungsbüros arbeiteten sie ein Konzept aus, wie die Landwirtschaft ihren Ressourcenverbrauch senken kann.

Die Flaachtaler Bauern wollen künftig ihren CO2-Ausstoss um 20 Prozent reduzieren. Um dies zu erreichen, müssen sie aus einem 18-Punkte-Katalog diejenigen Massnahmen auswählen und umsetzen, welche für ihren Betrieb am meisten Sinn machen. Beispiele für solche Massnahmen sind etwa: Eine Treibhausgas-arme Fütterung, Optimierung des Düngereinsatzes oder Einbringung von Pflanzenkohle, um CO2 dauerhaft der Atmosphäre zu entziehen.

Bessere Vermarktung der Produkte

Die Flaachtaler Bauern wollen mit ihrem Projekt nicht nur etwas fürs Klima tun, sie erhoffen sich auch eine Reduktion der Produktionskosten und eine bessere Vermarktung ihrer Produkte. Angedacht ist, dass die Lebensmittel dereinst als klimaschonende Lebensmittel vermarktet werden. Man wolle die erste Klimaregion werden, betonte Meier bei der Präsentation am 11. Mai.

Bund will klimafreundlichere Landwirtschaft


Der Bund unterstützt die Anstrengungen der Flaachtaler Bauern finanziell (siehe Textbox). Die Landwirtschaft müsse klimafreundlicher und nachhaltiger werden, betonte Caroline Amsler vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Jahr 1990 um mindestens ein Drittel gesenkt werden. Das BLW erhofft sich vom Flaachtaler Projekt Erkenntnisse, wie die Landwirtschaft künftig klimafreundlicher gemacht werden kann.

Unterstützt wird das Projekt auch vom Kanton Zürich. François Bouquet vom Amt für Landschaft und Natur lobte die Flaachtaler Bauern, dass sie die Initiative zum Klimaprojekt ergriffen haben. Laut Bouquet sei das Projekt einzigartig, weil der ganze Betrieb mit einbezogen werde. Bislang seien meist nur Einzelmassnahmen im Mittelpunkt gestanden.

Weitere Klimabauern gesucht

Derzeit machen 11 Betriebe beim Flaachtaler Klimaprojekt mit. Ziel sind 30 Höfe. Willkommen sind sämtliche Betriebe, ungeachtet ihrer Ausrichtung. Zu Beginn wird für jeden Betrieb eine Energie- und Klimabilanz erstellt, danach werden die Massnahmen definiert, welche umgesetzt werden sollen. Die Bauern werden dabei von Fachleuten beraten und gecoacht. Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt und wird von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Das Budget liegt bei knapp 2 Mio. Franken, wovon der Bund rund 80 Prozent trägt.

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