6.07.2016 13:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Einkommen
Verdienste krass überschätzt
Einkommen und Verdienst der Schweizer Bauernfamilien wurden bisher zu hoch geschätzt. Dies das Resultat der neuen Schätzmethode von Agroscope. Das hat auch Einfluss auf die Agrarpolitik und kann höhere Beiträge auslösen.

Wirtschaftlich arbeitende Landwirte sollen gleich viel verdienen wie die übrige Bevölkerung. Das sagt das Schweizer Gesetz. Bisher problematisch dabei war, dass ein Teil der Berechnung für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation der Bauern nicht wissenschaftlichen Standards entsprach. Das wurde nun korrigiert, eine bessere Methode entwickelt und letzte Woche vorgestellt. Das Ergebnis: Man lag bis anhin ziemlich daneben.

Ergebnis hochbrisant

Laut neuer Schätzung sind das landwirtschaftliche Einkommen 7 Prozent und der Arbeitsverdienst gar 21 Prozent tiefer als angenommen. Die Forschungsanstalt Agroscope hatte die neue Stichprobenerhebung testweise für das Jahr 2014 angewandt und mit bisherigen Zahlen verglichen. Festzuhalten bleibt, dass Landwirte wegen dieser rein rechnerischen Anpassung zwar nicht weniger Geld im Sack haben, das Ergebnis aber dennoch hochbrisant ist.

Denn sowohl Einkommen als auch Verdienst sind wichtige Indikatoren, um die Lage der Landwirtschaft zu beurteilen, um daraus politische Massnahmen abzuleiten. Sinkt etwa das Einkommen von ökonomisch leistungsfähigen Betrieben wesentlich unter das vergleichbare Einkommensniveau der übrigen Bevölkerung einer Region, ist der Bundesrat verpflichtet, befristete Massnahmen zu ergreifen, um die Situation zu verbessern.

Kurzfristig keine höheren Direktzahlungen

Können Bauern also bald mit höheren Direktzahlungen rechnen? Kurzfristig kaum. «Der Vergleich wird nicht aufgrund einzelner Jahre, sondern aufgrund des Durchschnitts von drei Jahren vorgenommen», schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) auf Anfrage. 2014 sei einkommensmässig ein sehr gutes Jahr gewesen, das sich positiv auf das Dreijahresmittel der Jahre 2012 bis 2014 ausgewirkt habe.

«Daran ändert auch die neue Stichprobe nichts», erklärt BLW-Mediensprecher Jürg Jordi. Und danach? «Bilanz gezogen wird erst im Herbst, wenn die Zahlen fürs Jahr 2015 und erste Schätzungen der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung für 2016 vorliegen. Dann wird der Moment sein, um aufgrund einer umfassenden Beurteilung der Einkommenssituation zu schauen, ob allenfalls Massnahmen ergriffen werden müssen», so Jordi.

SBV: Kürzungen zurückweisen

Für den Schweizer Bauernverband (SBV) ist aufgrund der neuen Situation bereits klar, dass die agrarpolitischen Ziele bei den Einkommen weit verfehlt worden sind. «Vor diesem Hintergrund sind die vom Bundesrat beantragten Kürzungen der Direktzahlungen mit aller Deutlichkeit zurückzuweisen», fordert SBV-Präsident Markus Ritter.

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