25.03.2020 16:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Verbessert sich Image der Bauern?
Das Coronavirus hat die Schweiz fest im Griff. Die Krise zeigt die Wichtigkeit zahlreicher Wirtschaftsbereiche, darunter auch die Landwirtschaft. Was denken Sie, wird sich das Bild der Bauern in der Öffentlichkeit durch die Krise verbessern? Abstimmen und mitdiskutieren

In den vergangenen Monaten wurde die Schweizer Landwirtschaft heftig kritisiert. So wurden von einigen Kreisen postuliert, die Landwirtschaft vergifte Wasser und Boden. 

«Landwirtschaft ist zu teuer»

Die Initianten der Trinkwasser- und Pestizidverbotsinitiative verlangen von der Schweizer Landwirtschaft, auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika zu verzichten. 

Andere wiederum wie die Denkfabrik Avenir Suisse warfen der Schweizer Landwirtschaft vor, dass sie viel zu teuer produziere. Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Kraft des Sektors, hiess in einer Studie. Avenir Suisse fordert deshalb eine Grenzöffnung, eine Aufgabe von strukturerhaltenden Transfers und einen Abbau der Regulierungsdichte. Damit sollen die Kosten der Landwirtschaft deutlich gesenkt werden.

Bei Freihandelsabkommen wurde Druck auf die Landwirtschaft ausgeübt. Stelle sie sich quer, werde die Wirtschaft eingeschränkt. Zudem müsse sich der Agrarsektor nicht vor dem Wettbewerb zu fürchten. Es gebe zahlreiche Hebel zur Abfederung der Folgen beim Abbau von tarifären Handels-Hemmnissen, hiess es aus Wirtschaftskreisen.

Virus stellt alles auf den Kopf

Ein unscheinbares Virus hat nun aber innert kürzester Zeit alles auf dem Kopf gestellt. Das chinesische Wuhan schien so weit weg. Doch nun hat das Coronavirus über die ganze Erde ausgebreitet. Viele Staaten fahren den Betrieb herunter und schliessen die Grenzen. So auch die Schweiz.

Der Bundesrat hat vergangene Woche den Notstand erklärt. Das hat einschneidende Massnahmen auf das Alltagsleben, aber auch auf die Wirtschaft. Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wie Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzert- und Theaterhäuser, Sportzentren, Schwimmbäder und Skigebiete sind ab sofort geschlossen.

Ebenso werden Betriebe geschlossen, in denen das Abstand halten nicht eingehalten werden kann, wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios. Nur Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen bleiben offen. Die Massnahmen gelten vorerst bis am 19. April 2020.

Bauern systemrelevant

Wegen dem Lockdown ist das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben also stark eingeschränkt. «Die aktuelle Coronakrise macht die kritische Bedeutung der Land- und Ernährungswirtschaft sichtbar», sagte die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner vergangene Woche. 

Alle Beschäftigten in der Lebensmittelversorgung, vom Landwirt bis zum Kassierer, seien systemrelevant, so Klöckner weiter. Die Landwirtschaft- und Ernährungsbranche müsse zur kritischen Infrastruktur gezählt werden. Es werde immer so schnell daher gesagt, «das seien alles Subventionsempfänger.» Doch man merke jetzt, wie wichtig es ist, in Deutschland eine Landwirtschaft zu haben, die nach sehr hohen Qualitätsanforderungen arbeitet.

Als systemrelevant werden Unternehmen oder Bereiche bezeichnet, die eine derart bedeutende wirtschaftliche Rolle spielen, dass ihre Insolvenz vom Staat oder der Weltgemeinschaft nicht hingenommen werden kann. Droht diese dennoch, wird sie in der Regel mit öffentlichen Mitteln durch eine Rettungsaktion abgewendet.

Versorgungsengpässe werden zu Risiko

Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft Nordwestschweiz, hat in einem Beitrag im «Schweizer Bauer» auf die Auswirkungen der Krise hingewiesen. «Die Globalisierung der Wirtschaft bringt nicht nur Wohlstand, sondern führt auch zu erheblichen Risiken. Plötzlich erkennen wir, dass die Wirkstoffe für wichtige Medikamente knapp werden, weil wir diese nicht mehr selbst herstellen, sondern aus China importieren», schreibt Binswanger.

Die Schweiz sei für die Herstellung von Standardprodukten mittlerweile ein viel zu teures Pflaster. Deshalb sei die Produktion in andere Länder ausgelagert worden. «Diese Produktionsverlagerungen ins Ausland haben zur Folge, dass die Wertschöpfung in der Schweizer Wirtschaft immer weniger mit Produktion zu tun hat, denn damit verdient man ausser bei hochspezialisierten Produkten kaum Geld», fährt er fort.

Versorgungsengpässe würden zu einem umso grösseren Risiko, je globalisierter die Wertschöpfungsketten organisiert seien. «Und ein Land wie die Schweiz, in dem kaum noch produziert wird, ist von diesem Risiko ganz speziell betroffen. Das ist eine wichtige Lektion, die uns das Coronavirus derzeit vor Augen führt», macht Binswanger deutlich.

Bauern wird gedankt

In den sozialen Medien ist der Zuspruch für die Bauern gross. Viele Menschen danken den Landwirtinnen und Landwirte für ihre Arbeite und das Produzieren von Nahrungsmitteln. Vielen Personen wollen sich auch als Helfer auf den Höfen engagieren.

Die Hofläden erleben einen grossen Ansturm auf ihre Waren. Viele Personen decken sich direkt bei den Bauern mit Lebensmitteln ein. Oder Bauern liefern die Waren an die Haustüre der Kundschaft. Damit eröffnen sich für Bauern auch neue Chancen: sie können neue Kunden generieren, sie haben auch die Möglichkeit, die Kunden über die Landwirtschaft zu informieren.

Wir sich das Bild der Landwirtschaft durch die Krise verbessern? Bleibt es gleich? Oder war es bereits vor der Coronakrise gut? Abstimmen und mitdiskutieren

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