5.03.2014 07:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Zucker
«Unser Zucker muss besser sein»
Am Himmel der Schweizer Zuckerbranche ziehen düstere Wolken auf. Mit dem Fall der Zuckermarktordnung in der EU nimmt der Import- und Preisdruck zu. Die gesamte Branche von der Züchtung bis zur Industrie ist gefordert.

Nach 2017 hat die EU kein Quotensystem mehr für Zuckerrüben. Die Folgen dieses Beschlusses werden sich unmittelbar auf den Schweizer Zuckermarkt auswirken, da auf Zucker in verarbeiteten Produkten zwischen der EU und der Schweiz kein Zoll erhoben wird. Dadurch sind der EU- und der Schweizer Zuckerpreis immer in etwa identisch.

An der Strube-Fachtagung in Bern diskutierte letzten Freitag die Zuckerbranche über die Auswirkungen der EU-Beschlüsse auf den Schweizer Zuckermarkt.

Kette muss stabil sein

«Der Schweizer Zuckermarkt ist vollständig dem EU-Zuckermarkt ausgesetzt», eröffnete Thomas Engels, Leiter Saatgutverkauf bei Strube, die Tagung. «Sinkende Zuckerpreise führen zu sinkenden Preisen für die Rüben.» Auch die sinkenden Flächenbeiträge, die zunehmende Ökologisierung und steigende Transportkosten würden die Schweizer Zuckerbranche zusätzlich belasten.

«Züchtung, Beratung, Produktion und Industrie. Dies ist die Wertschöpfungskette Zucker», so Engels. «Die Stabilität dieser Kette wird massgeblich über die Zukunft des Schweizer Rübenzuckers entscheiden.»

Viele Herausforderungen

Samuel Keiser, Präsident der Zuckerrübenpflanzer, sprach Klartext: «Die Zuckerrübe erleidet von allen Kulturen die grössten Verluste in der AP 14—17.» Einzelkultur- und Flächenbeitrag sinken zusammen um 860 Fr./ha. Gleichzeitig würden die Anforderungen bezüglich Ökologie strenger: «Der Punktekatalog zur Erosion ist nicht akzeptabel. Mittel gegen die Rübenkopfälchen fallen weg, und der Druck auf die Beizmittel bleibt gross.»

Nichts desto trotz: Die Fruchtfolge, die Abnahmegarantie und die Freude an der Kultur sind für Keiser wichtige Pluspunkte für die Zuckerrübe. «Die Zuckerrübe gehört in diese Klimazone», sagte er. «Indem wir auf Nachhaltigkeit setzen und weiterhin in der Branche gut zusammenarbeiten, haben wir gute Zukunftschancen.» Ausserdem sei die Swissness-Vorlage eine grosse Hoffnung für die Zuckerbranche.

Extrem volatiler Preis

Guido Stäger, Direktor der Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld AG (ZAF), relativierte diese Hoffnung etwas. «Für Coca-Cola ist Swissness wahrscheinlich nicht so wichtig wie für die Schokoladenindustrie», sagte er. «Wir können aber den gleichen Zucker nicht teurer an die Schoggiindustrie verkaufen, als wir ihn an Coca-Cola liefern.»

Mit der Abschaffung der Rübenquoten in der EU wird der EU-Zuckermarkt stärker vom Weltmarkt geprägt werden. Dadurch wird auch der Schweizer Zuckermarkt automatisch abhängiger vom Weltmarkt. «Der Weltmarktpreis für Zucker ist extrem volatil», zeigte Stäger anhand einer Grafik auf. «Er kann sich innerhalb eines Jahres von 15 auf 30 US-Cents verdoppeln.»

Druck auf die Schweiz

An der Podiumsdiskussion stellte Thomas Engels schliesslich die Frage der Fragen: «Die Zuckerunternehmen in Deutschland und Frankreich wollen nach 2017 zu Nettoexporteuren werden. Sie werden ihren Zucker auch in die Schweiz verkaufen wollen. Kann die Schweizer Zuckerindustrie diesem Druck überhaupt standhalten?»

«Je nachdem, wie aggressiv diese Leute den Zucker in die Schweiz schicken, werden wir zu kämpfen haben», antwortete Guido Stäger. «Der Rübenpreis ist zu 60 Prozent verantwortlich für den Zuckerpreis.» Wenn der Zuckerpreis halbiert werde, könne sich jeder selber ausrechnen, was mit dem Rübenpreis passiere. Entsprechend müssten die Kulturbeiträge wieder steigen. «Dies hat uns BLW-Direktor Bernard Lehmann zugesichert.»

"Hoffnung" Schwellenländer

Ein weiterer Punkt sei der Grenzschutz. Die EU erhebt 400 Euro/Tonne Zoll auf Weisszucker und damit deutlich mehr als die Schweiz. «Einen solchen Zoll würden wir uns auch wünschen», so Stäger. Die ZAF hätten in den letzten Jahren fünf bis sieben Mio. Fr. in den Fabriken eingespart. «Ausserdem muss unser Zucker besser sein als der Konkurrenzzucker.»

Für positive Aussichten sorgt laut Stäger der zunehmende Wohlstand in den Schwellenländern. Diese Entwicklung dürfte weltweit zu einem steigenden Zuckerverbrauch führen: «Je besser es einem Volk geht, desto mehr Lust auf Desserts hat es.»

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