27.02.2018 17:07
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: VSGP-Austritt nachvollziehbar?
Der Verband der Gemüseproduzenten (VSGP) weigert sich, seinen Anteil entsprechend der Wertschöpfung an den Schweizer Bauernverband (SBV) zu bezahlen. Nun tritt er aus. Beim SBV ist das Unverständnis gross. Wie beurteilen Sie den Austritt des VSGP? Ist dieser unsolidarisch? Oder ist der Austritt nachvollziehbar? Mitdiskutieren und abstimmen

Der Austritt des Gemüseproduzentenverbandes aus dem Schweizer Bauernverbands sorgte vergangene Woche für Diskussionen. Mit Brief vom 5. Februar 2018 hat der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) dem Schweizer Bauernverband (SBV) die Mitgliedschaft rückwirkend per 1. Januar 2018 gekündigt.

Beitragshöhe in Kritik

Der höhere Mitgliederbeitrag und die Vertretung in den Gremien des SBV haben den VSGP verärgert. Der Beitrag der Gemüseler sollte von 30'000 auf 210'000 Franken steigen – dies entspricht einer Versiebenfachung. Der VSGP müsse schauen, dass er selbst genug finanzielle Mittel habe, um sich für die Spezialkulturen wirkungsvoll einsetzen zu können, sagte der Hannes Germann, Präsident des VSGP, gegenüber «Schweizer Bauer».

Zudem erachtet der VSGP die Vertretung in den Gremien des SBV angesichts dieses Beitrages als nicht angemessen. Der Bauernverband ist nicht auf die Forderung einer proportional angemessenen Vertretung in den verschiedenen Organen eingetreten. Der VSGP forderte unter anderem zwei Sitze im SBV-Vorstand.

Klare Verhältnisse

Den Beschluss haben die Gemüseproduzenten bis hin zu den regionalen Sektionen abgesprochen. «Mit dem Austritt schaffen wir klare Verhältnisse und legen den Grundstein für eine konstruktive Zusammenarbeit in einer neuen Form», liess sich Jimmy Mariéthoz, Direktor des VSGP, am Freitag in einem Communiqué zitieren. Man strebe aber auch künftig eine enge Zusammenarbeit mit dem Bauernverband an. Über die Form liegen bisher keine Angaben vor.

Mit grosse Bedauern nimmt man den Austritt des VSGP beim Bauernverband entgegen. Die beiden Verbände haben rund drei Jahre lang in Gesprächen gestanden. An der Delegiertenversammlung des Bauernverbandes von vergangenem November wurde ein neues Finanzierungsmodell beschlossen.

17 Franken pro Hektare

«Dieses sieht vor, dass die Summe der Produktebeiträge, die zum SBV kommen, gleich hoch wie bisher bleibt: 2,27 Millionen Franken. Der Verteilungsschlüssel wird aber aktualisiert und an die seit den 1990er Jahre veränderten Anteile der einzelnen Produktionsrichtungen am Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft angepasst», sagte Urs Schneider, stellvertretender Direktor des SBV, gegenüber schweizerbauer.ch. Weil der Gemüsebau in den letzten zwanzig Jahren bei vergleichsweise stabilen Preisen stark ausgedehnt worden sei, erhöhe sich der Beitrag, den die Gemüseproduzenten nach dem neuen Schema bezahlen müssten, um 180'000 Franken markant, so Schneider.

Die Erhöhung des Beitrages auf 210'000 Franken findet er angesichts der Bruttowertschöpfung verkraftbar. Denn dies bedeutet rund 17 Franken pro Hektare Gemüsebau. Wichtig sei es, dass die Solidarität innerhalb der Landwirtschaft spiele, hält Urs Schneider fest. In den kommenden Jahren kämen auf die Landwirtschaft und im Speziellen auch auf den Gemüsebau grosse Herausforderungen zu. Einerseits droht ein Abbau des Grenzschutzes, andererseits machten die Trinkwasser-Initiative und die Anti-Pestizid-Initiativen Druck auf die Pflanzenschutzmittel. Der Entscheid des VSGP sei deshalb umso unverständlicher, betont Schneider.

VSGP will sich auf Öffentlichkeitsarbeit fokussieren

Der VSGP will die Kräfte für seine 3400 Produzenten in Zukunft vor allem auf die Öffentlichkeitsarbeit lenken. So soll der breiteren Öffentlichkeit die Funktionsweise und Wichtigkeit des inländischen Gemüsebaus nähergebracht werden. «Schweizer Gemüseproduzenten sind innovative Unternehmer, die jeden Tag qualitativ hochstehendes Gemüse auf nachhaltige Weise produzieren. Als Verband wollen wir diese Botschaft in die Öffentlichkeit tragen», so Mariéthoz.

Auf der politischen Ebene steht vor allem die Bekämpfung der Trinkwasser-Initiative im Vordergrund. Diese gefährde den Gemüsebau in der Schweiz, mahnt der VSGP.

Wie beurteilen Sie den Austritt des VSGP? Sind die Gründe nachvollziehbar? Oder wird die Solidarität innerhalb der Landwirtschaft geschwächt? Mitdiskutieren und abstimmen

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