12.10.2017 13:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Tierwohl, Naturnähe und wenig Kraftfutter
Das sind die hauptsächlichen Punkte der «Mehrwertstrategie Schweizer Milch 2025». Verfasst wurde diese von der Branchenorganisation Milch (BOM). Der Bericht beinhaltet nebst den Mehrwerten auch Empfehlungen für die Kommunikation. Ein Monitoring-Instrument soll die bestehenden Vorteile überwachen.

Die Schweiz eigne sich hervorragend zur Produktion von Milch, wird von verschiedener Seite ins Feld geführt. Die klimatischen als auch die topografischen Verhältnisse würden die Gras- und Raufutterproduktion begünstigen. Das mache die Schweiz zu einem Milchland, so der Tenor. Doch die wirtschaftliche Realität sieht oft anders aus. Die tiefen Produzentenpreise in den vergangenen Monaten haben viele Milchbauern veranlasst, aus der Erzeugung auszusteigen. Eine kostendeckende Produktion im Molkereimilchsegment war für viele Betriebe nicht mehr möglich.

Die «Mehrwertstrategie Schweizer Milch 2025» soll helfen, den einheimischen Rohstoff gegenüber der ausländischen Mich abzugrenzen und einen höheren Preis für die Produkte zu erzielen. Dabei hat die Branchenorganisation drei primäre Alleinstellungsmerkmale von Schweizer Milch definiert:

  • Mehr Tierschutz, mehr Tierwohl, mit inhaltlicher Betonung des «Tierwohls» 
  • Mehr Ökologie, mehr Naturnähe, mit inhaltlicher Betonung der «Naturnähe». Naturnähe im Sinn von Natürlichkeit der Produktion und Verarbeitung von Milch verstanden. 
  • Mehr Raufutter (weniger Kraftfutter). Die BOM räumt Schwierigkeiten bei der Kommunikation ein. Deshalb soll dieser Mehrwert bei der Umsetzung über die Natürlichkeit der Produktion dem Konsumenten nähergebracht werden. Inhaltlich sollen Gesundheitsvorteile kommuniziert werden, welche sich aus einer raufutterbasierten Fütterung ergeben.

Als sekundäre Merkmale wurden folgende definiert:

  • Ohne GVO 
  • Mehr Lebensmittelsicherheit 
  • Produkte-Qualitätsvorteile von Milch und Milchprodukten

Mehrwerte entstehen nicht nur bei der Produktion, sondern auch beim Transport oder der Verarbeitung. Darunter fallen kurze Transportwege, strenge Kontrollen oder die handwerkliche Produktion (beim Käse). Diese Mehrwerte machen die Schweizer Produkte zu etwas Wertvollen, für das ein höherer Preis gerechtfertigt sei, so die BOM.

Swissness kann gemäss Strategie keine eigenständige Positionierung darstellen. Wichtig sei die Swissness als Treiber für die Markenwahl. Um die Alleinstellungsmerkmale zu erhalten, benötigt es aus der Sicht der BOM ein Überwachungsinstrument. Als Risikoaspekt wird bei raufutterbasierten Fütterung beispielsweise der steigende Kraftfuttereinsatz infolge steigender Grundfutterpreise genannt.

Die Basiskommunikation im In- und Ausland soll auf vier Kernbotschaften (sieh auch Grafik) beruhen:

  • Grasland Schweiz (artgerechte Fütterung, kein GVO, «grüne» Schweiz
  • Schweiz natürlich (Bäuerliche Familienbetriebe, keine Massentierhaltung, gewerbliche Verarbeitung)
  • Glückliche Kühe (Hohe Tierschutzstandards, Weidehaltung, Enge Bindung Bauer-Tier)
  • Schweizer Qualität (Hohe Qualität, strenge Kontrollen, handwerkliche Fertigung)

Als nächstes folgt nun die Umsetzung der Strategie. In der Basiskommunikation werden die Mehrwerte mittels TV-Spot, Broschüren und anderen Marketingmassnahmen vermittelt. Auf den Milchprodukten soll die Glaubwürdigkeitsstärke der Swissness ausgelobt werden. Trinkmilch soll mit «Schweizer Milch» und Milchprodukte mit «aus Schweizer Milch» ausgezeichnet werden. 

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Produktion, Handel und Verarbeitung wird sich vor allem auf das Monitoring kümmern und die Vorteile und Risiken überprüfen und entsprechende Schlüsse ziehen.  Die BOM ist überzeugt, dass diese Strategie «den gerechtfertigten Mehrwert der Schweizer Milch» sichern kann.

Risikofaktoren

Der Bericht zählt die Gefahren auf, welche diese Mehrwerte gefährden. Diese Gefahren sind werden beobachtet. Sie erfordern von der Branche ein Monitoring. Der Schlussbericht enthält 19 Faktoren, 4 werden (siehe Grafik oben) näher beschrieben:

Massentierhaltung: Eine Erhöhung der Maximaltierbestände würde ein Risiko für die Kommunikation des hohen Tierwohls darstellen. 
Antibiotikaeinsatz: Der Antibiotikaeinsatz in der Schweiz beim Trockenstellen von Kühen, bei der Behandlung von Krankheiten und an Milchviehausstellungen muss analysiert werden.
Verunreinigte Lebensmittel: Lebensmittelskandale sind zu verhindern und mögliche Risiken und Lösungen mit der Branche zu diskutieren.
Schweizer Käsekulturen: Die Schweizer Käsekulturen sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Agroscope muss Herstellung und Vertrieb gewährleisten. 

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