17.04.2019 13:19
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Milchmarkt
«Stunde der Wahrheit am Markt»
In Bern findet die Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) statt. Im Fokus stehen unter anderem der neue Branchenstandard sowie die Agrarpolitik 2022+. Die Umsetzung des Grünen Teppichs am Markt werde eine Herausforderung, sagte SMP-Direktor Stephan Hagenbuch.

Der Schweizer Milchmarkt 2018 war in der ersten Hälfte gezeichnet von grossen Milchmengen, welche nach dem heissen Sommer stark zurückgingen, halten die SMP fest. Das führte trotzdem zu einem Mengenwachstum von 0.6% und vorteilhaften Butterlagern. «Vor diesem Hintergrund konnte der A-Richtpreis stabil gehalten werden und gegen Ende des Jahres zeichneten sich vor allem im B-Milch Segment festere Preise ab», so die SMP.

Seit August sind die Milcheinlieferungen aber deutlich rückläufig. Trotzdem sind die Preise für die Produzenten nicht signifikant gestiegen. Präsident Hanspeter Kern ist gibt sich aber optimisitsch, dass je nach Entwicklung der internationalen Marktlage im 2019 weitere Preisanpassungen möglich sind. Das Jahr 2018 sei aber auch ein Jahr der Umsetzung und der Weichenstellung gewesen, sagte SMP-Präsident Hanspeter Kern zu Beginn der Versammlung in Bern. Eine davon war die Umsetzung der Schoggigesetz-Nachfolge. 

Zu wenig Mittel in den Fonds

Ziel sei es, dass alle Produzenten die neue Zulage erhielten, so Kern. Die Milchbauern müssen sich dazu anmelden. Über 18'500 Produzenten haben das Gesuch laut Kern gestellt und die ersten bereits die Mittel erhalten. «Unsere Informationskampagne scheint funktioniert zu haben», so der SMP-Präsident.

Von Anfang an war klar, dass mit den zwei gebildeten Fonds weniger Mittel für die Exportförderung übrig bleiben, so Kern. Die Milchproduzenten wären deshalb darauf angewiesen gewesen, bessere Markterlöse umzusetzen. «Die Milchbauern sind nicht bereit, die in den Verhandlungen verpassten 4 Rappen pro kg zu bezahlen», so seine Botschaft.

Ausdauer hat sich gelohnt

Aktuell bedeutend ist für die Milchbranche die Agrarpolitik nach 2022 (AP22+). «Wir Produzenten haben die Forderungen an die Agrarpolitik bereits 2017 ausgearbeitet. Die Ausdauer hat sich gelohnt, unsere Forderungen werden von vielen Akteuren unterstützt», so Kern. «Es ist definitiv an der Zeit, das Ruder zugunsten der Milchproduktion, der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsform in der Schweiz, herumzureissen», machte er deutlich. 

Die SMP setzten sich dafür ein, im Bereich Direktzahlungen die Arbeit gegenüber der Fläche stärker zu gewichten. Arbeitsintensive Produktionsrichtungen sollen so besser gestellt werden. Bei der Ausgestaltung der vom Bund vorgeschlagenen Produktionssystemvorschläge wollen die SMP Enfluss nehmen. Der Dachverband der Milchbauern setzt sich auch dafür ein, dass die Verkäsungszulage unverändert bleibt. Der Bund solle zudem mit der AP22+ Agrarpolitik die Bestrebungen bezüglich der nachhaltigen Milchproduktion unterstützen.

Milchbauern ins Zentrum rücken

«Was wir in Zukunft noch konsequenter machen wollen, ist die Personen, welche letztlich für die Mehrwerte verantwortlich sind, in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu haben wir zum Beispiel das Projekt „vom Milchbuur“ ins Leben gerufen», sagte der SMP-Präsident. Die Botschaften seien noch nie so glaubwürdig an die städtische Bevölkerung gebracht worden als mit den Menschen, die hinter der Milch stehen. Die Kuh sei weiterhin zentral. «Aber noch zentraler sind die Menschen, welche das Produkt Milch selber und alle Produkte die aus Milch hergestellt werden erst zu dem machen, was sie sind», machte Kern deutlich.

Erste Bilanz Mitte September

Bei der Umsetzung des «Grünen Teppichs» - des neuen nachhaltigen Branchenstandards - stehen die Ampeln derzeit auch auf Grün. «Wir haben damit ein wirklich starkes Zeichen gesetzt gegenüber den Marktpartnern und der Politik. Ja, wir helfen mit Mehrwerte zu generieren, aber das hat seinen Preis», sagte Kern. Jetzt müsse die konkrete Umsetzung vollzogen werden.

Direktor Stephan Hagenbuch ging detaillierter auf den Grünen Teppich ein und erläuterte die kürzlichen Beschlüsse. «Für uns kommt dann die Stunde der Wahrheit, wenn es darum geht, den Mehrpreis auf dem Markt umzusetzen», so Hagenbuch. Das werde eine grosse Herausforderung sein, die SMP seien dran, beteuerte er. Eingeführt wird der Branchenstandard Anfang September. 20 Tage später wird am Milchforum eine erste Zwischenbilanz vorgenommen und eine Auslegeordnung unter den verschiedenen Akteuren vorgenommen. Hagenbuch zeigte sich überzeugt, dass die Milchbranche mit dem Grünen Teppich auch gegenüber den kommenden Initiativen gut aufgestellt ist.

Diese Mehrwerte des  «Grünen Teppichs» entstehen primär auf den Betrieben. Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hat beschlossen, dass diese Mehraufwände ab dem 1. September 2019 abgegolten werden. Der Zuschlag für die Bauern soll nun neu 3 statt 2 Rappen pro Kilo betragen, aber nur noch auf A-Milch. Noch im vergangenen Herbst wurde ein Zuschlag auf der gesamten Molkereimilch vorgeschlagen. Warum nun diese Änderung? «Wir haben festgestellt, dass wir den Zuschlag auf B- und C-Milch am Markt nicht lösen können», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler am 9. April 2019 zu schweizerbauer.ch. Die nun vorgeschlagene Lösung erachtet er deshalb als «realistischer». In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch.

Das letzte Wort zur Höhe des Zuschlags haben die Delegierten am 2. Mai 2019. Der grüne Teppich mit einemn Nachhaltigkeitszuschlag soll aber auch bei der Käsereimilch umgesetzt werden. Dies ist gegenwärtig Gegenstand der Diskussionen in den dafür zuständigen Sortenorganisationen. blu

Kern als Präsident bestätigt

Die Jahresrechnung 2018 und die Finanzierungsbeschlüsse 2019/20 wurden genehmigt. Weiter stand die Übertragung der SMP-Mitgliedschaft der PO Berner Emmi-Milchproduzenten-Organisation Bemo und der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland MPM an den Verein Mittelland Milch an. Die Übertragung wurde mit wenigen Enthaltungen genehmigt. Damit haben die SMP neu 11 Mitglieder.

Stephan Hagenbuch informierte über die Statutenrevision und informierte zur Revision des Geschäfts- und Organisationsreglement. So wird unter anderem künftig der Vorstand zwei Sitzungen weniger haben, dafür der Vorstandsausschuss drei Sitzungen mehr. Die Änderungen stiessen auf keine Gegenstimmen.

Beitrag Interessenvertretung

Die Delegierten bestätigten die Beiträge für die Interessenvertretung (0.17 Rp./kg) wie auch die allgemeinverbindlichen Beiträge für das Basismarketing Milch und Milchprodukte (0.525 Rp./kg) und jene für das Käsemarketing zugunsten von Swiss Cheese Marketin (0.2 Rp./kg). Sowohl Swissmilk-Marketing wie auch SCM-Marketing haben vorgängig die konkret durchgeführten Massnahmen präsentiert.

Bei den Erneuerungswahlen wurde Präsident Hanspeter Kern bestätigt. Er führt den Verband seit 2013. Als Vizepräsident wurde Christophe Noël bestätigt, als neuer 2. Vizepräsident wurde Hanspeter Egli gewählt. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden in globo bestätigt. Die Delegierten wählten neu Urs Jenni, Remo Siegenthaler und Daniel Vetterli in den Vorstand. Verabschiedet und geehrt wurden die langjährige Direktionsassistentin Beatrix Besio und Finanzchef Robert Scherz, die beide im Mai in Pension gehen.

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