26.05.2020 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/mgt
Milchmarkt
Stabiler Milchmarkt, aber ungünstige Tendenzen
Die aktuelle Situation des Schweizer Milchmarkts kann generell nahezu als stabil bezeichnet werden, ist aber von Unsicherheiten geprägt, meldet das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

Zwar könne die Lage auf dem Schweizer Milchmarkt als stabil bezeichnet werden, schreibt das BLW, doch würden die wichtigsten Indikatoren, insbesondere auf internationaler Ebene, einige ungünstige Tendenzen aufweisen, die negative Auswirkungen auf die Schweiz haben könnten. Die mittelfristige Entwicklung der Märkte sei nur schwer vorhersehbar. Die Menge der im ersten Quartal 2020 in Verkehr gebrachten Milch in der Schweiz war etwas höher als im gleichen Zeitraum 2019 (+0,9 %).

In der EU ist die produzierte Milchmenge von Januar bis März 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahrs um 2,8 % gestiegen. Mit Blick auf die ganze Welt lässt sich feststellen, dass die Milchproduktion im ersten Quartal 2020 in den Vereinigten Staaten von Amerika (+2,9 %) und in Australien (+4,9 %) zunahm, während sie in Neuseeland leicht rückläufig war (–0,8 %). Der Aufwärtstrend der Milchproduktion in der Schweiz und im Ausland während des Beobachtungszeitraums könnte sich laut Einschätzungen des BLW negativ auf den Milchmarkt auswirken, wenn die Nachfrage nicht proportional steigt.

Milchpreis in der Schweiz gestiegen

In der Schweiz ist der Produzentenpreis für Milch gemäss BLW im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahrs gestiegen (+3,5 % bzw. +2,19 Rp./kg). Der Anstieg des Preises für Molkereimilch war höher und erreichte im A-Segment 7,1 % (+4,28 Rp/kg) und im B-Segment 12,4 % (+5,38 Rp./kg). Dieser Anstieg ist unter anderem auf den Nachhaltigkeitszuschlag zurückzuführen, der seit September 2019 an die Milchproduzenten gezahlt wird.

In der EU blieb der Produzentenpreis für Milch im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum nahezu stabil (+0,2 %). Allerdings ist er im März 2020 im Vergleich zum März 2019 gesunken (–0,8 %), und die Indikatoren sind tendenziell schlecht. Im Vergleich zu 2019 ging der Produzentenpreis für Milch insbesondere in den Nachbarländern zurück, in Deutschland um 1,1 % und in Österreich um 2,7 %). In Frankreich hingegen war ein leichter Anstieg (+1,2 %) des Quartaldurchschnitts zu verzeichnen, während der Trend im März 2020 rückläufig war (–0,7 % gegenüber März 2019). Die aktuelle Marktsituation übt Druck auf den Produzentenpreis für Milch aus, was sich an den anderen, im Folgenden erläuterten Marktindikatoren ablesen lässt.

Internationale Märkte verschlechtern sich

Die meisten der beobachteten Indikatoren zeigen eine Verschlechterung der Lage auf dem internationalen Milchmarkt: höhere Milchproduktion und niedrigere Produzentenpreise für Milch, Rückgang der Preise für Butter, Milchpulver und verschiedene Käsesorten. Auch die Trendindikatoren des Produzentenpreises für Milch (Spotpreis für Milch der EU, FAO-Index, GDT-Index und Rohstoffwert Milch) verzeichnen einen Abwärtstrend, schreibt das BLW.

Ausserdem ist ein Rückgang des Aussenhandels mit Milchprodukten in der EU festzustellen, und die Lagerbestände könnten steigen. Ein erheblicher Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Milchprodukten würde die Verschlechterung der Situation noch verschärfen.

Schweiz noch stabil


Der Schweizer Milchmarkt ist derzeit insgesamt nahezu stabil. Die Milchproduktion hat leicht zugelegt, aber die Bestände (Butter und Magermilchpulver) sind im Vergleich zum Vorjahr auf einem niedrigen Niveau. Die aktuelle Nachfragesteigerung im Detailhandel trägt trotz des Konsumeinbruchs in der Gastronomie zur Stabilisierung des Schweizer Milchmarkts bei, schreibt das BLW. Der Produzentenpreis für Milch ist etwas höher als im letzten Jahr, was hauptsächlich auf den Nachhaltigkeitszuschlag zurückzuführen ist.

Da der Schweizer Milchmarkt teilweise vom Weltmarkt und insbesondere vom europäischen Markt abhängig ist, könnte sich die beobachtete Verschlechterung zeitverzögert auf die Schweiz niederschlagen, wenn sich die internationale Situation nicht verbessert, hält das BLW fest. Dies wird anhand des aktuellen Abwärtstrends des schweizerischen Molkereimilchpreisindex deutlich. Die Folgen der Covid-19-Pandemiekrise seien aber schwer vorhersehbar und jede genaue Schätzung sei mit einer grossen Unsicherheitsspanne verbunden.

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