18.03.2020 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/khe
Umfrage
Soll Lehrzeit 4 Jahre betragen?
Die Junglandwirtekommission (Jula) fordert aufgrund gestiegener Anforderungen eine Lehrzeit von vier Jahren. Doch das kommt nicht überall gut an. Wie denken Sie darüber? Befürworten Sie den Vorschlag der Jula? Oder geht das zu weit? Abstimmen und mitdiskutieren

Das Berufsfeld des Landwirts wird immer komplexer und vielfältiger. Diesem Umstand soll Rechnung getragen werden, fordern die Junglandwirte. Mit einer Ausdehnung der Lehrzeit um ein Jahr soll auch die Qualität der Ausbildung sichergestellt werden.

4. Jahr mit Spezialisierung

Die Anforderungen seien in vielen Bereichen, beispielsweise in der Ökologie oder dem Pflanzenschutz, gestiegen. Weiter hätten sich viele Betriebe spezialisiert (z.B. Munimast, Ackerbau usw.). «Um für diese wachsenden Herausforderungen in der Landwirtschaft gerüstet zu sein, sollen innerhalb einer vierjährigen Lehre wertvolle Erfahrungen gesammelt werden», schreibt die Jula in einer Mitteilung.

Der Vorschlag der Junglandwirte sieht vor, dass sich die Lehrlinge in den ersten drei Jahren ein breites landwirtschaftliches Fachwissen, die «Basisausbildung», aneignen. Im vierten Lehrjahr soll die Spezialisierung erfolgen. «So haben die Lernenden die Möglichkeit, auf verschiedene Schwerpunkte zu setzen und sich mit diesen intensiv zu befassen», heisst es weiter.

Keine Verschulung

Die Jula will aber keine Verschulung der Lehre und fordert auch nicht «wesentlich» mehr Schulstunden. Die Lektionen der Berufskundefächer sollen auf vier statt drei Jahre aufgeteilt werden. Zudem wird auch eine schweizweite Harmonisierung gefordert. 

«Die Anzahl Schulstunden und der Stoff muss in jedem Kanton gleich sein, so dass der Lehrbetriebwechsel über die Kantonsgrenze einfach zu vollziehen ist», begründet die Jula diesen Vorschlag. Die Verteilung der Lektionen, verteilt oder blockweise, soll den Kantonen überlassen werden.

Alle fünf Jahre überprüfen

Die Anforderungen vonseiten der Branchenvertreter wie auch seitens der Gesellschaft an die Landwirte nehmen stetig zu. Laut Bildungsverordnung muss die berufliche Grundbildung alle fünf Jahre überprüft werden. Die nächste Revision steht 2022 bis 2023 an. Als 2017 die Teilrevision in Kraft trat, entschied die Organisation der Arbeitswelt Landwirtschaft sowie Pferdeberufe, Oda AgriAliForm, die nächste Überprüfung nicht abzuwarten und gleich zu handeln.

So solle besser abgegrenzt werden, was zur beruflichen Grundbildung und was zur höheren Berufsbildung gehöre. Spezialisierungen sollen demnach Teil der höheren Berufsbildung sein.

Stand heute 

Das Berufsfeld Landwirtschaft und deren Berufe umfasst sechs Berufe der dreijährigen Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und einen Beruf der zweijährigen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA). Die Durchlässigkeit innerhalb des Berufsfelds ist problemlos möglich. Wer die Attestausbildung gemacht hat, kann mit zwei zusätzlichen Jahren ein Fähigkeitszeugnis erlangen. Nach Abschluss der dreijährigen Grundbildung kann mit einem weiteren Jahr das Fähigkeitszeugnis in einem anderen landwirtschaftlichen Beruf erarbeitet werden. Die Ausbildung findet an den drei Lernorten Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetrieblichen Kurse statt. Der Lehrbetrieb kann nach jedem Lehrjahr über die Kantons- und Sprachgrenzen hinweg gewechselt werden. sbv

Grundausbildung nicht überladen

Petra Sieghart ist Leiterin des Geschäftsbereichs Bildung des Schweizer Bauernverbandes (SBV) und führt das Sekretariat der Organisation der Arbeitswelt. Ginge es nach ihr, solle die Grundbildung nicht gnadenlos überladen werden, stattdessen ermutigt sie zu Weiterbildungen. Ihre Meinung alleine ist aber nicht relevant. 

Die Oda AgriAliForm holte Inputs auf breiter Front ein. Sie versandte im August einen detaillierten Fragebogen an alle Mitgliederorganisationen mit der Bitte, ihn möglichst breit zu streuen. Auch Rückmeldungen von Lehrmeistern und ehemaligen Absolventen sollten eingeholt werden.

Beruf verliert an Attraktivität

Barbara Küttel, Co-Geschäftsleiterin der Kleinbauernvereinigung, befürchtet, dass der Beruf Landwirt durch die Verlängerung der Lehrzeit an Attraktivität verliert. Die Ausbildung werde aufwändiger, obwohl nicht mehr Stoff vermittelt werde. Das könnte viele Junge davon abhalten, sich für den Beruf Landwirt zu entscheiden. Schlussendlich würden vorwiegend die Lehrbetriebe profitieren.

Dass eine 4-jährige Lehrzeit viele Junge davon abhalten wird, eine landwirtschaftliche Grundausbildung zu absolvieren, denkt Christian Schönbächler, Präsident der Jula, nicht. Es gebe viele handwerkliche Berufe, die auf eine 4-jährige Lehrzeit setzen. Es gehe nicht darum, was für die Lehrlinge oder Lehrbetriebe am bequemsten ist, sondern darum, die bestmöglichen Berufsleute auszubilden, sagt er zu «Schweizer Bauer». 

Berufsschulen begrüssen Harmonisierung

Von Seiten der Berufsschulen begrüsst man vor allem eine überkantonale Regelung, also die Harmonisierung. Das oberste Ziel sei, die landwirtschaftliche Grundausbildung für die Lernenden attraktiv zu halten. 

«Eine professionalisierte 4-jährige Lehre nützt uns nichts, wenn wir am Schluss weniger Lernende haben, weil sie die fundierte und professionelle Ausbildung über Kurse und Praktikum umgehen können», sagt Thomas Vetter von der landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte Plantahof GR zu «Schweizer Bauer». 

Wie denken Sie über die Forderung einer vierjährigen Lehre? Finden Sie dies gerechtfertigt? Oder schiesst der Vorschlag der Junglandwirte über das Ziel hinaus? Abstimmen und mitdiskutieren

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