13.08.2019 13:58
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
So sieht «Swissmilk green» aus
Die Milchbranche hat am Dienstag im Bundeshaus die Charta für den Branchenstandard nachhaltige Schweizer Milch unterzeichnet. Auch das Logo «Swissmilk green» wurde der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vor der zwei Jahren fällt die Branche den Entscheid, einen gemeinsamen Standard für die Milchproduktion zu erarbeiten. Am Dienstag wurde unter Beisein von Bundesrat Ueli Maurer das Resultat vorgestellt.

«Klasse statt Masse»

Ziel ist, dass sämtliche in der Schweiz produzierten Milchprodukte mittelfristig nach den Vorgaben des neuen Branchenstandards hergestellt werden. Für Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM), wird mit «Swissmilk green» eine grosse Vision umgesetzt: «Mit dem Bekenntnis zur Charta haben wir es geschafft, viele individuelle Vertreter aus der Milchwertschöpfungskette auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.» «Klasse statt Masse», sagte Hegglin. Die Einhaltung des Standards wird von unabhängigen Zertifizierungsstellen überwacht. 

Ueli Maurer gratulierte

Rund 40 Vertreter von Milchproduktions-Organisationen, Verarbeiter, Grossverteiler sowie der Schweizer Tierschutz haben im Bundeshaus die Charta für den Branchenstandard nachhaltige Schweizer Milch unterzeichnet. Bundespräsident Ueli Maurer gratulierte der Branche zu ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Dieses ziele darauf ab, gesunde Lebensmittel zu produzieren und die Natur zu erhalten. Gleichzeitig werde damit hervorgehoben, dass ein Produkt einen Preis, aber auch einen Wert habe. Es bleibe die Aufgabe der Schweizer Landwirtschaft, gesunde Nahrungsmittel zu produzieren  und die natürliche Lebensgrundlage zu erhalten. 

«Die Schweizer Milchproduzenten stehen überzeugt hinter dem «grünen Teppich» und der neue Kennzeichnung «Swissmilk green», die ab September 2019 in die Basiskampagne von Swissmilk integrieren werden», sagte Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten, bei seiner Rede. Die Schweizer Milch müsse sich von der ausländischen Konkurrenz abheben. Kern nennt fünf Gründe, weshalb der grüne Teppich zentral ist:

  • Die Mehrwerte der Schweizer Milch können bei den Konsumenten besser bekannt gemacht. Gleichzeitig werden die Unterschiede gegenüber importierten Produkten aufgezeigt.
  • Im Export können Schweizer Milch und Milchprodukte besser positioniert werden.
  • Die Leistungen der Milchproduzenten und der gesamten Wertschöpfungskette werden transparent und verständlich aufgezeigt.
  • Bei den Stossrichtungen und Inhalten der Agrarpolitik 2022+ wird eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion gefordert. Mit dem grünen Teppich geben die Milchproduzenten ein deutliches Signal an die Agrarpolitik. Die SMP erwarten, dass dieser Effort in der AP22+ honoriert wird.
  • Die Milchwirtschaft kann glaubwürdige Antworten auf gesellschaftliche Fragen geben.

Die neue Marke wird ab dem 1. September 2019 auf den Produkten sichtbar sein. Die SMP werden das Logo in die Basiskampagne Schweizer Milch integriert. Die Farben des Logos haben folgende Bedeutung:

  • Swissness (rot)
  • Nachhaltigkeit und Natürlichkeit (grün)
  • Milch (weiss)

3 Rappen mehr

Der Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch» wird am 1. September 2019 eingeführt. Die Produzenten müssen 10 Grundanforderungen sowie 2 Zusatzanforderungen erfüllen, damit ihre Milch den Standard erfüllt. Die Verarbeiter müssen einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen. Der Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rp. wird ab dem 1. September für Molkereimilch im A-Segment ausbezahlt, die den Standard erfüllt. Die Branchenorganisation hofft, dass mittelfristig alle Schweizer Milchprodukte nach den Vorgaben produziert werden.

Bei der Molkereimilch sind rund zwei Drittel im A-Segment und ein Drittel dem B- und C-Segment zuzuordnen. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch. Noch im vergangenen Herbst wurde ein Zuschlag auf der gesamten Molkereimilch (dieser hätte aber nur 2 Rp. betragen) vorgeschlagen.«Wir haben festgestellt, dass wir den Zuschlag auf B- und C-Milch am Markt nicht lösen können», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler im April zu schweizerbauer.ch. Die nun vorgeschlagene Lösung erachtete er als «realistischer». Die Chance, dass beispielsweise beim Export von Milchfett (C-Milch) in Form von Butter ein Zuschlag gelöst werden kann, sei verschwindend klein, sagte Kohler. 

Die zwingenden Anforderungen im Bereich Tierwohl (5 Anforderungen), Fütterung (2) und Weitere (3) wurden bereits im Herbst 2018 bekanntgegeben. Bei den zusätzlichen acht Anforderungen müssen gemäss BOM die Bauern zwei Kriterien auswählen und erfüllen.

Zwingende 10 Anforderungen 

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl

RAUS-BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf. 
Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage. 
Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden. 
Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.
Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.
Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind.
Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.
Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

8 Zusatzanforderungen (2 davon müssen die Bauern erfüllen)

RAUS und BTS
Ein Zusatzkriterium gilt als erfüllt, wenn der Milchbauer an den Bundes-Tierwohlprogramme BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässigen Auslauf) teilnimmt.
Lebetagleistung
Im Talgebiet: Mehr als 8 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Im Berggebiet: Mehr als 6 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Antibiotika
Kein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen. Als Beispiel angefügt werden Trockenstellen, Gebärmuttervorfall oder Mortellaro.
Komplementärmedizin
Im Krankheitsfall Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden wie Homöopathie oder Phytotherapie.
Soziale Absicherung
Die Entlöhnung von Familienarbeitskräften wird dokumentiert.
Anerkannter Lehrbetrieb
Weiterbildung
Das Betriebspersonal besucht mindestes während einem halben Tag pro Jahr eine Weiterbildung.
SchuB
Der Betrieb bietet mindestens einmal pro Jahr Schule auf dem Bauernhof an.

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