8.07.2020 17:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid/blu
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Seit diesem Jahr finden die Kontrollen auf Landwirtschaftsbetrieben zielgerichteter statt. Betriebe ohne Mängel und spezielle Risiken werden weniger oft kontrolliert, die anderen öfter. Damit sollen die Kontrollen effizienter und wirksamer als zuvor sein. Unterstützen Sie das seit Angang Jahr geltende Kontrollsystem? Abstimmen und mitdiskutieren

Kontrollen in der Landwirtschaft laufen seit diesem Jahr anders als bisher. Es finden vermehrt risikobasierte Kontrollen anstelle von Grundkontrollen nach dem Giesskannenprinzip statt.

Risikobehaftete Betriebe

Die Kontrollen würden damit effizienter und wirksamer, sagte Rahel Schelbert vom Fachbereich Direktzahlungen des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) an einer gemeinsam mit dem Kanton Bern durchgeführten Medienorientierung in Zollikofen BE von vergangener Woche. Aufgrund der immer umfangreicheren und aufwändigeren Grundkontrollen waren die risikobasierten Kontrollen zuletzt zu kurz gekommen.

Bei den Grundkontrollen wird jeder Betrieb, der Direktzahlungen bezieht, regelmässig kontrolliert. Bei den risikobasierten Kontrollen werden hingegen gezielt Betriebe ausgewählt, die gewissen Risikokriterien entsprechen. Dabei kann es sich um Höfe handeln, bei denen bei früheren Kontrollen Mängel entdeckt worden waren oder ein begründeter Verdacht besteht.

Bereiche mit höheren Risiken

Hinzu kommen Änderungen im Betrieb oder solche mit höheren Risiken. Dabei kann es sich etwa um grosse Milchviehbetriebe handeln, die am RAUS-Programm teilnehmen, welches hohe Anforderungen umfasst. Das BLW legt jährlich Bereiche mit höheren Risiken fest. 2020 sind dies Erosionsschutz und Begrünung, Pflanzenschutz, Pufferstreifen sowie Weideflächen beim Regelmässigen Auslauf im Freien (RAUS). Bei letzterem handelt es sich um ein freiwilliges Tierwohlprogramm.

Risikobasierte Kontrollen werden also wichtiger. Diese werden auf folgenden Kriterien festgelegt: Mängel bei früheren Kontrollen, begründeter Verdacht auf Nichteinhaltung von Vorschriften (z.B. Meldung Dritter), wesentliche Änderungen auf dem Betrieb und jährlich festgelegte Bereiche mit höheren Risiken.

Das BLW und das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern (Lanat) zeigten auf dem Betrieb des Inforama Rütti auf, wie die Kontrollen praktisch stattfinden. Denn nicht nur bei Betrieben mit Mängeln, auch bei den anderen wird ein neues System angewandt.

Fokus-Kontrollpunkte

Während die Kontrolleure früher umfangreiche Listen abarbeiten musste, geht es nun um Fokus-Kontrollpunkte. "Früher dauerten solche umfangreichen Kontrollen vier bis fünf Stunden", sagt Kontrolleur Marcel von Ballmoos bei der Kontrolle des Betriebs von Hugo Emmenegger auf der Rütti. Da seien am Schluss Landwirt und Kontrolleur ermüdet gewesen. Auch hätte die Kontrolleure nicht mehr jedem Punkt die nötige Aufmerksamkeit widmen können, sagt von Ballmoos.

Auf der Rütti geht es nun nicht mehr um eine Gesamtkontrolle, sondern darum, ob der Betrieb die Anforderungen RAUS erfüllt. Von Ballmoos macht mit Betriebsleiter Emmenegger einen Stallrundgang. Im Fachgespräch erfährt er, wie der Landwirt die Kühe hält und wie es um deren Gesundheit steht. Von Ballmoos hört zu und schaut sich genau um, damit ihm allfällige Mängel nicht entgehen. Wichtig ist bei der RAUS-Kontrolle unter anderem, dass der Betrieb tatsächlich genügend Weideland besitzt. Auf der Rütti ist das kein Problem, Emmeneggers Kühe verfügen über ein vielfaches der benötigten Fläche.

Auch wenn Kontrolleur von Ballmoos nur wegen RAUS auf dem Betrieb ist, muss er in anderen Bereichen festgestellte Mängel melden. So wie beim Kälber-Iglu, bei dem der Wassernapf fehlt. Die Situation ist gestellt, aber würde im echten Fall Emmenegger eine Busse und weitere Kontrollen bescheren.

Kürzere Grundkontrollen

Mit dem Verordnungspakte 2018, das im Oktober 2018 vom Bundesrat verabschiedet wurde, wurde das Kontrollsystem angepasst. Es gibt weniger Grundkontrollen und dafür mehr risikobasierte Kontrollen. Der Anteil unangemeldeter Kontrollen wurde ab dem 1. Januar 2020 erhöht werden. Das Gewicht wurde wie erwähnt von den Grundkontrollen zu den risikobasierten Kontrollen verschoben.

Die Grundkontrollen sind nun kürzer und auf wichtige und kritische Kontrollpunkte fokussiert. Die Frequenz wird von 4 auf 8 Jahre gesenkt. Dafür gibt es die neue Vorgabe, dass die Grundkontrollen in Form von mindestens zwei Kontrollbesuchen auf dem Betrieb vorgenommen werden müssen.

Seit 2020 40% unangemeldet

Die Kontrollbesuche müssen zeitlich respektive saisonal auf die zu kontrollierenden Bereiche abgestimmt sein, beispielsweise das Tierwohl in einem Kontrollpaket im Winter, wenn die Tiere im Stall sind, und ÖLN, Biodiversitätsförderflächen sowie Extenso einige Jahre später während der Vegetationsperiode. Dass ein Betrieb nur alle 8 Jahre kontrolliert wird, ist daher praktisch ausgeschlossen.

Erhöht wurde die Anzahl unangemeldeter Kontrollen. Mindestens 40% aller Grundkontrollen für die Tierwohlbeiträge sind in jedem einzelnen Kanton unangemeldet durchzuführen. Auch bei den risikobasierten Kontrollen für Tierwohlbeiträge sind in jedem einzelnen Kanton mindestens 40% unangemeldet durchzuführen. 

Was halten Sie von den seit Anfang Jahr geltenden Kontrollsystem? Unterstützen Sie die risikobasierten Kontrollen?

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