15.07.2020 19:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/Video: rup
Direktvermarktung
«Signal muss vom Markt kommen»
Während der Coronakrise haben viele Hofläden mehr Produkte verkaufen können. Dies sollen die Bauern nutzen. Bauernverbandspräsident Markus Ritter erklärt im Interview mit schweizerbauer.ch, wo Potenzial besteht. Und warum der Kontakt zu den Kunden so wichtig ist. -> Mit Video

Gemäss Angaben des Schweizer Bauernverbandes (SBV) sind 25 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe in der Direktvermarktung tätig. Der Anteil ist je nach Produkt unterschiedlich gross. 

Direktvermarktung anspruchsvoll

Besonders bedeutsam ist die Direktvermarktung gemäss SBV bei Kirschen (geschätzt 40 %), Eiern (geschätzt 30 %), Beeren (geschätzt 20 %), anderem Obst und Wein (geschätzt 10 %). Gemüse, Kartoffeln oder Rindfleisch dürfte sich im durchschnittlichen Bereich bewegen, während sie bei Milch, Getreide, Geflügel- oder Schweinefleisch kaum ins Gewicht fällt.

Der SBV will nun die Direktvermarktung weiter forcieren. Sie sieht Potenzial für die Schweizer Landwirtschaft. Wertschöpfung bleibt beim Direktverkauf auf den Höfen. Gibt es aber nicht auch Grenzen? «Wichtig ist, dass auf den Betrieben die zeitliche Kapazität vorhanden ist und die Produkte passen», sagt Bauerverbandspräsident Markus Ritter zu schweizerbauer.ch. Direktvermarktung sei anspruchsvoll, aber es gebe noch Potenzial.

Absatz muss vorhanden sein

Ritter denkt an Betriebe in der Nähe von Städten. In gewissen Regionen wie Zürich sei die Direktvermarktung generell wichtiger als in anderen. Doch könnten insgesamt sicher noch mehr Mengen abgesetzt werden, ist er überzeugt. Müsste auch die Politik Bauern bei der Direktvermarktung unterstützen? Ritter ist eher skeptisch: «Grundsätzlich muss der Absatz vorhanden sein. Die Signale müssen vom Markt kommen.» 

Die Direktvermarktung helfe aber in Sachen Politik, indem sich die Konsumenten für die Landwirtschaft interessieren, fährt er fort. «Zudem bringt der Direktverkauf einen Kontakt auch zu den Stimmbürgern. Dies können wir dazu nützen, den Konsumenten aufzuklären, wie landwirtschaftliche Produkte hergestellt werden und wo die Schwierigkeiten liegen», macht Ritter deutlich.

Bewusstsein bei Bevölkerung gestärkt

Im kommenden Jahr werden die Trinkwasser- und die Pestizidverbots-Initiative zur Abstimmung kommen. Der Bauernverband lehnt beide Initiativen ab und hat bereits entsprechende Informationskampagnen lanciert. Können die Bauern über die Direktvermarktung Einfluss auf das Abstimmungsverhalten nehmen? «Bei den Kontakten mit der Bevölkerung in Hofläden, Wochenmärkten oder Markthallen können wir erklären, welche Folgen die Initiativen für die Landwirtschaft haben», so Ritter. 

Insgesamt habe die Coronakrise das Bewusstsein der Bevölkerung für die Schweizer Landwirtschaft gestärkt, ist sich der Bauernpräsident sicher. «Und das hilft uns bei den anstehenden Initiativen und bei weiteren, die folgen werden», sagt er zu schweizerbauer.ch.

Flaschenhals Detailhandel umgehen

Während der Medienkonferenz in Subingen SO von Mittwochmorgen ging Ritter auch auf die Bedeutung der Direktvermarktung ein. Statistische Daten seien nur wenig vorhanden. «Die Bedeutung ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Für die allermeisten hat sie eine untergeordnete Relevanz. Einige wenige vermarkten aber alles oder fast alles direkt», sagte der CVP-Nationalrat. Der Bauernverband geht davon aus, dass rund 7 Prozent des Gesamtertrages der Schweizer Landwirtschaft von knapp 11 Milliarden Franken in Hofläden, an Wochenmärkten oder im Abo direkt vermarktet wird.

Das sei wenig erstaunlich, wenn man an die grosse Bedeutung des Detailhandels beim Einkauf denke. Gemäss Ritter verkaufen Coop und Migros fast drei Viertel der von den Bauern produzierten Lebensmitteln. Mit der Direktvermarktung hätten die Bauern die Chance, den «Flaschenhals» Detailhandel zu umgehen und bessere Preise zu realisieren. «Direktvermarkter sind also ganz nah am Markt», hob Ritter hervor.

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