22.12.2019 17:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Kathrin Herren
Tofu
Schweizer Speisesoja stagniert
Das asiatische Lebensmittel Tofu liegt im Trend. Das spürt auch der Markt. Die Anbaufläche von Bio-Speisesoja nahm in den vergangenen Jahren stark zu. Nun scheint der Anbau an seine Grenzen zu stossen.

Das ursprünglich chinesische Lebensmittel hat die Schweizer Läden längst erobert. Reich an Proteinen dient der Tofu nicht nur Feinschmeckern zum asiatischen Gericht, sondern auch Vegetariern und Veganern gerne als Fleischersatz.

Seine Herstellung ist keine Hexerei. Sojabohnen, Wasser und Gerinnungsmittel. Das kann traditionell aus Meerwasser gewonnenes Nigari sein oder ganz einfach Zitronensäure oder Essig. Um den passenden Geschmack und die richtige Konsistenz des Tofus zu finden, braucht es jedoch handwerkliches Geschick und etwas Erfahrung.

Jemand, der die hat, ist die Tofurei Engel im aargauischen Widen. Vor fast vierzig Jahren wurde sie als erste Tofu-Produktionsstätte in der Deutschschweiz gegründet. Heute stellt sie jährlich rund 45 Tonnen Bio-Tofu her. Geräucherten, solchen mit Basilikum und Sprossen oder den klassischen Nature.  Der Sojabohnen-Rohstoff darin stammt allerdings nicht aus der Schweiz. Und das obwohl es hierzulande  genügend Sojabohnen dafür geben würde.

Zu Futter deklassiert 

«Im vergangenen Jahr haben wir Bio-Speisesoja zu Futtersoja deklassiert», gibt Peter Rytz, Geschäftsleiter der Mühle Rytz AG in Biberen BE, zu bedenken. Die Mühle Rytz ist die grösste private Bio-Getreidesammelstelle der Schweiz und seit fast einem Vierteljahrhundert Annahmestelle für Bio-Soja. Sie stellt zusammen mit der Produzenten-Organisation Progana die Vertragsproduktion von Lebensmittelsoja für Tofu sicher.

Vor allem für Coop. Detailhändlerin Coop entschied sich vor rund sechs Jahren, den Tofu ausschliesslich aus Schweizer Rohstoffen herstellen zu lassen und suchte Produzenten. Fenaco und die Mühle Rytz puschten den Anbau von Speisesoja. Seit drei Jahren stagniert die Nachfrage. Coop hält am Konzept fest, lediglich Tofu, nicht aber Sojadrink und Joghurts aus Schweizer Soja zu produzieren.

Die Mühle Rytz musste überschüssigen Soja von fast einer Jahresernte einlagern. Rytz reagierte, führte Tonnagenkontingente ein. Liefert ein Landwirt mehr als die vereinbarte Menge, wird diese provisorisch zu Futtersoja deklassiert. Provisorisch, weil erst, wenn die Absatzmenge klar ist, der Lebensmittelsoja vom Futtersoja getrennt wird. So steht jederzeit Lebensmittelsoja für neue Abnehmer zur Verfügung. 2019 hatte die Mühle Rytz Anbauverträge über 200 Hektaren der Sorten Aveline, Proteix und Gallec abgeschlossen. «Wir könnten deutlich mehr absetzen, würden alle Schweizer Tofureien mit Schweizer Rohstoffen produzieren.»

Potenzial als  Tierfutter

Die Chance für die Landwirte sieht Rytz beim Futtersoja. Ab 2022 müssen gemäss Entscheid von Bio Suisse sämtliche Wiederkäuer mit 100 Prozent Futterrohstoff Schweiz versorgt werden. Sowohl beim Raufutter als auch im Kraftfutter. Daher hat er bereits in der Aussaat 2018 zwei Futtersorten aus Schweizer Züchtungen als Saatgut vermehren lassen.

70 Hektaren Obelix und Galice waren in diesem Jahr unter Vertrag. «Ich bin positiv überrascht», sagt er, «mit der Sorte Galice haben einige Bauern vier Tonnen Ertrag pro Hektare erwirtschaftet.» Beim derzeitigen Preis von 140 Franken pro Dezitonne inklusive 35 Franken Zulage von Bio Suisse sei der Futtersoja der Tofusoja-Produktion finanziell durchaus ebenbürtig. Klar sei, dass erfolgreicher Sojaanbau nur bis ungefähr 550 Meter über Meer möglich sei.

Bio Suisse puscht

Fatos Brunner, Produktmanagerin Ackerkulturen bei Bio Suisse, bestätigt: Der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe fördere den Anbau von Futtersoja. Sowohl der Richtpreis als auch die Förderbeiträge seien in den vergangenen zwei Jahren erhöht worden. 2018  seien in der Schweiz rund 307 Hektaren Bio-Soja angebaut worden. Davon seien rund 98 Prozent Knospe-Soja.  Beim Bio-Speisesoja sieht es folgendermassen aus: 2018 wurden schweizweit 214 Hektaren Knospe-Lebensmittelsoja angebaut. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 16,5 Hektaren.  

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