6.11.2013 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Rediger, lid
Agrarwirtschaft
Schweizer Landwirtschaft: Journalisten aus aller Welt zeigen sich beeindruckt
40 Journalisten aus 20 Ländern besuchten während einer dreitägigen "Dairy Press Tour" die Landwirtschaft in der Region Fribourg. Die Medienleute waren beeindruckt.

Sie kamen von Buenos Aires bis Brisbane und von Belgrad bis Brüssel: 40 Medienleute aus 20 Ländern nahmen am Presseseminar teil, das die internationalen und schweizerischen Agrarjournalisten gemeinsam organisiert haben. Mit grossem Interesse und einem oft nicht abbrechenden Strom an Fragen überhäuften die Journalisten die Schweizer Agrarpolitiker, Bauern, Käser und Schokoladefabrikanten.

Wie tickt die Schweizer Milch- und Ernährungswirtschaft, wie haben die Schweizer die Aufhebung der Milchkontingentierung, welche der EU erst noch bevorsteht, gemeistert? Diese und andere Fragen gingen wie ein roter Faden durch das Seminar.

Im Raum Gruyère haben die Journalisten vom 27. bis 29. Oktober 2013 neben den Debatten auch die reale Landwirtschaft kennengelernt und waren beeindruckt, wie gepflegt die Landschaft ist, aber auch wie keinstrukturiert die Betriebe sind. Wir haben einige nach ihren Eindrücken gefragt.

Farmer downunder auf sich selber gestellt

"Ich bin beeindruckt von der Unterstützung, welche die Milchbauern in der Schweiz erhalten. Unsere Milchproduzenten bekommen nichts vom Staat. Sie befinden sich heute in einer schwierigen Situation, obwohl unsere Betriebe etwa 300 bis 500 Kühe im Stall haben. Vor allem im Norden, wo Konsummilch produziert wird, herrscht eine starke Konkurrenz. Zudem müssen die Bauern ihre Felder bewässern und viel Kraftfutter zukaufen. Ja, die Gruyère-Story ist faszinierend, die möchte ich meinen Lesern näher bringen. Wir haben auch Gruyère in Australien, aber nicht den Echten. Als ich darauf zu reden kam, hat es den Gruyère-Leuten in Pringy nicht gefallen."

Gordon Collie, Freelancer Dairy Magazine Australia and New Zealand, Brisbane, Australia.

Marketinglektion Gruyère sitzt

"Wir haben in drei Tagen alle Jahreszeiten erlebt. Regen, Sonne und Schnee. Es ist fantastisch, wie wir die Kühe auf den sonnigen Herbstweiden sehen konnten und am nächsten Tag schon Schnee auf den umliegenden Berggipfeln lag. Am meisten imponiert hat mir die Marketinglektion, die Philippe Bardet von der Interprofession Gruyère erteilt hat. Beim Gruyère-Käse beginnt alles mit Milch aus dieser gepflegten Region. Die Bauern bekommen einen guten Milchpreis, die Käser einen guten Käsepreis und die Konsumenten eine Spezialität.

Gruyère baut auf Traditionen, dem einmaligen Rezept und dem strikten Menggenmanagement auf. Das Ganze kann man mit den Traditionen beim Weinbau in Frankreich vergleichen. Dieser Käse kann man gar nicht an andern Orten produzieren, sonst ist er nicht mehr derselbe, nur hier ist es der Authentische. Auch wenn er in andern Regionen der Welt kopiert wird, zum Beispiel auch in Argentinien, das ich besucht habe. Es beeindruckt mich, wie die Bauern hier auch in der Bergregion noch Milch produzieren und dabei überleben können, dank eines Produktes wie der Gruyère Alpage und dank einem Einsatz aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette."

James Campbell, Chefredaktor, Irish Farmers Journal, Belfast, Northern Ireland.

AOC-System überzeugt

"Der Verband der internationalen Journalisten bietet uns gute Gelegenheiten, die Land- und Ernährungswirtschaft in andern Teilen der Welt kennen zu lernen und so die globalen Zusmmenhänge live zu erleben und besser zu verstehen. So können wir auch den Lesern einen besseren Einblick geben und über Dinge schreiben, die wir tatsächlich selber gesehen und diskutiert haben mit den Direktbetroffenen.

Ich bin beeindruckt, wie die Schweiz hinter den Bauern steht. An der Dairy Press Tour haben wir die ganze Produktionskette erlebt. Vom Feld bis auf den Teller machen hier alle einen guten Job. Beim Gruyère sahen wir, wie von einem professionell gemanagten AOC alle Beteiligten profitieren. Auch die Konsumenten schätzen das Produkt und bezahlen den Preis dafür. Der grösste Unterschied zwischen den USA und der Schweiz liegt ganz klar in der Grösse der Kuhherden. Bei uns hält ein Milchfarmer einige tausend Kühe, mit 50 Kühen könnte bei uns keiner überleben.

Ich werde Artikel schreiben über die Gruyère-Produktion, die hat mich angesprochen. Das AOC-System überzeugt mich, das bietet Authentizität und Sicherheit für alle. Aber ich werde auch darüber schreiben, wie die Bevölkerung hinter der Landwirtschaft steht und wie das System finanziert ist. Die Landschaftspflege und die Frage der Selbstversorgung sind spannende Aspekte. Wie wird die Schweiz in der Zukunft damit umgehen?"

Steve Werblow, Redaktor, The Furrow Magazine, Oregon USA.

Landschaftspflege und Tourismus kombiniert

"Europa und die Schweiz interessieren mich. Ich kann immer viel lernen, wenn ich da bin. Besonders wie die Schweiz die landwirtschaftliche Produktion mit der Landschaftspflege und der Vermarktung von Tourismus und Produkten kombiniert, ist gut gemacht. Käse ist ideal für die Region und für die Konsumenten in In- und Ausland! Das System mit den Verträgen für die Milchproduktion überzeugt mich, es ist für den Abnehmer und den Produzenten klar, was gilt. Bei uns wird viel produziert, aber alles ist viel weniger geregelt. Bei der Ablieferung weiss der Produzent nicht wie viel er für die Milch bekommt. Hier habt ihr gute Regeln, um alles zu managen, das fehlt bei uns. Zudem vernachlässigt die Politik unsere Landwirtschaft, obwohl wir ein grosses Land sind und viel Produktionskapazität haben. Hier arbeiten Politik und Landwirtschaft offenbar gut zusammen."

Elida Tiery, Redaktorin, Diario la Opinion, Buenos Aires, Argentinien.

Milchproduktion bald im Ausland?

"Ich schätze es immer, wenn ich in die Schweiz kommen kann und bewundere, wie die Schweiz jeden Quadratmeter pflegt und die Landschaft so schön ist, auch die Kühe, die da überall auf den Herbstweiden sind, das sieht fantastisch aus. Bei uns geht die Entwicklung von klein auf ganz gross schnell und die Aufhebung der EU-Milchkontingentierung wird die Betriebe mit 5 bis 15 Kühen vor grosse Herausforderungen stellen. Die meisten werden wohl verschwinden und es werden dann viel grössere Betriebe entstehen.

So eine Organisation der Produktion wie hier in Gruyère überzeugt mich sehr. Ein Käse wie den Gruyère als Marke mit Tradition haben wir nicht, aber günstige Produktionsbedingungen. Bei uns variieren die Milchpreise sehr stark, grosse Molkereien zahlen 30 bis 40 Prozent mehr als kleine. Im europäischen Kontext wird es sich nach der Aufhebung der Kontingentierung weisen müssen, ob die Milchproduktion der kleinen Betriebe, die bei uns aufgegeben werden, in Polen bleibt und von grösseren produziert wird oder ob sie ins Ausland abwandert."

Karol Bujoczek, Chefredaktor Top Agrar Polska, Warschau, Polen.

Schweizer produzieren in Finnland

"Der Geschmack des verschiedenen Alpen-Gruyère aus den Bergkäsereien hat mich überzeugt. In Finnland haben wir auch guten Käse und auch Schokolade. Diese Produkte haben ihre Wurzeln in der Schweiz. Es waren Schweizer, die zu uns kamen und Emmentaler und Schokolade-Rezepte mitgebracht haben. Das Wissen und das Know How kamen aus der Schweiz. Es ist schön zu sehen, wie die Schweiz noch heute auf hohe Qualität achtet und damit Erfolg hat.

Riitta Mustonen, Redaktorin, Maaseudun Tulevaisuus, Helsinki, Finnland.

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