13.11.2019 19:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Therese Krähenbühl
Zürich
Schelte für die Medien und die Forschung
Am 11. November endet traditionellerweise das Bauernjahr. Aus diesem Anlass lud der Zürcher Bauernverband am Montag zur Martini-Pressekonferenz in Dübendorf ZH, bei der die Medien und die Forschung offen kritisiert wurden. Mit Video.

Er wolle mit etwas Positivem in diese Pressekonferenz starten, erklärte Hans Frei, Präsident des Zürcher Bauernverbandes (ZBV) und Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), zu Beginn der Pressekonferenz, welche am Montag in Dübendorf stattfand.

«An Martini kann man gut eine erste Bilanz zum Bauernjahr ziehen. Und im Gegensatz zum Vorjahr, in dem wir doch stark mit der grossen Trockenheit und damit mit Engpässen bei den Futtervorräten zu kämpfen hatten, konnten wir in diesem Jahr eine gute Ernte einfahren.» Nach dieser ersten, positiven Bilanz von Frei ging es dann aber ans Eingemachte. Nicht von ungefähr hatte der ZBV unter dem Titel «Die unbestreitbaren Probleme der Landwirtschaft» zur Pressekonferenz eingeladen.

Viele Zielkonflikte

So zeigte der Vizepräsident des ZBV Andreas Buri zum Einstieg anhand einiger Zahlen auf, in welchen Zielkonflikten rund um Themen wie Globalisierung, Insektensterben, Klimawandel, Umweltschutz, Futtermittelimporte, Trinkwasser und Artenschutz, um nur einige Beispiele zu nennen, sich die Landwirtschaft befinde. Ferdi Hodel, Geschäftsführer des ZVB, erläuterte die Problematik anhand der Qualität der Biodiversität.

«Man macht seit dreissig Jahren das, was die Verwaltung mit QI und QII von den Bauern verlangt und trotzdem muss man ständig lesen, dass die Qualität nicht reicht», stellte Hodel fest. Da müsste man sich auch mal fragen, ob die Forschung im Bereich der Biodiversität die richtigen Auflagen gegeben habe. 

Politische Medien?

Als weiteres, aktuelles Thema kam Hodel dann noch auf das Trinkwasser zu sprechen. «Vor allem im vergangenen Sommer haben wir es stark gespürt, dass die Medien eine Rolle bekommen, die mehr als nur Berichterstattung ist. Die Medien werden immer politischer und zum Teil sind sie auch nicht mehr objektiv.»

Das Chlorothalonil, das die Bauern einsetzen, weil die Forschung und Zulassungsbehörden seit 50 Jahren gesagt hätten, dass es unbedenklich sei, sei ein gutes Beispiel dafür. «Dieser Wirkstoff wurde dann von der EU 2018 als bedenklich eingestuft.» Über Nacht sei dieses Fungizid zum Problemfall geworden, weil in ein paar wenigen Proben ein erhöhter Wert festgestellt worden sei.

«Konkret bedeutet das, dass 1g Wirkstoff in einer Wassermenge von vier Olympiaschwimmbecken festgestellt werden konnte.» Aber die Presse habe sich sofort darauf gestürzt und gross darüber berichtet, dass unser Trinkwasser kontaminiert sei und mehrere hunderttausend Leute das trinken würden. «Diese Pauschalisierung wird der Arbeit auf unseren Betrieben einfach nicht gerecht.

Vor allem auch dann nicht, wenn man weiss, was die Ursache von diesen Höchstwertüberschreitungen ist. Denn dieser Wirkstoff wurde in den letzten 50 Jahren gar nie überprüft, weil es von den Zulassungsbehörden und der Forschung keine Höchstwerte dafür gab.»

Arbeit unnötig erschwert

Sowohl Ferdi Hodel wie auch der Verbandspräsident Hans Frei konstatierten, dass sich die kritische Berichterstattung gegenüber der Landwirtschaft kurz vor Parlamentsentscheiden häufe und damit die Medien und Verwaltungsstellen Politik betreiben würden. «Es ist kein Wunder, dass viele Bauern ihren Kindern raten, einen anderen Beruf zu wählen», betonte Frei. Denn ihnen würde die Arbeit so unnötig schwer gemacht.

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