18.02.2015 08:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder, Daniel Salzmann
Bern
Schaukäserei: Widerstand gegen ES-Lösung
Emmentaler Switzerland (ES) könnte die Mehrheit an der Schaukäserei übernehmen. Doch die lokalen Bauern wollen das nicht.

Wie geht es weiter in der Emmentaler Schaukäserei? Das war auch ein Thema an der Delegiertenversammlung der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) im Januar. Diese könnte die Mehrheit an der Schaukäsi übernehmen oder zumindest eine starke Minderheit. Sie verfolgt derzeit aber nur noch eine sogenannte Minimalvariante weiter. Voraussetzungen dafür seien unter anderem die Reduktion des Käsereibetriebs auf zwei Laibe pro Tag und vor allem ein Kapitalschnitt um 60 Prozent.

Aktie verlöre 60 Prozent Wert

Das heisst, dass jede Aktie auf nur noch 40 Prozent ihres Nominalwerts abgeschrieben würde. In wessen Hand ist denn das Aktienkapital in der Höhe von 4,954 Mio. Fr. eigentlich? Grösster Aktionär ist Emmi mit 36,5 Prozent. Emmi ist die grösste Händlerin von Emmentaler AOP, sie nimmt auch den Käse der Schaukäserei ab. Es folgen die Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit 31,47 Prozent der Aktien. Ihr heutiger Direktor Kurt Nüesch hat die Schaukäserei über zehn Jahre lang präsidiert.

Laut Markus Aebi, der seit knapp zwei Jahren Präsident des Verwaltungsrats ist, halten ferner der Käserverband Fromarte, die Milchgenossenschaft Affoltern und die Emmentaler Switzerland kleinere Aktienpakete. 20 Proozent der Aktien sind im Besitz von zahlreichen Privatleuten und Firmen aus der Region, die  jeweils zwischen einer und zehn Aktien halten.

Nicht genug abgeschrieben

Aebi erklärt, die Schaukäserei sei für den Emmentaler AOP ein sehr wertvolles Schaufenster, gerade auch für den Inlandmarkt sehr wichtig. In den letzten Jahren musste der Personalbestand von 113 auf 70 Angestellte reduziert werden, dazu sei die Schaukäserei kostenbewusster und dienstleistungsorientierter geworden. Er hält fest: «In den letzten 25 Jahren wurden nicht immer die nötigen Abschreibungen gemacht.» In diesem Sinne wäre der Kapitalschnitt auch eine Wertberichtigung der Gebäude und Anlagen.

Bauern verlören Geld

Roland Ryser, Präsident der Milchgenossenschaft Affoltern-Ausserhof, bestätigt: «Ja, die Milchgenossenschaft ist ebenfalls mit Kapital an der Schaukäserei beteiligt. Nicht riesig viel.» Dieses sei weitergegeben worden an die lokalen Bauern. Angesprochen auf einen Kapitalschnitt, der auch für Ryser wahrscheinlich ist, sagt er: «In der heutigen Zeit tut jedes ‹Füfi› weh.» Das Klima und der Umgangston mit den Verantwortlichen der Schaukäserei sei deutlich besser geworden.

Er frage sich, ob die Strategie gelinge. «Fährt man die Käseproduktion herunter, verliert man Geld. So viel, wie sich im Restaurant nicht dazuverdienen lässt», ist er überzeugt. Das defizitäre Restaurant Löwen müsse abgestossen werden, und der geplante Wintergarten, für den die Baubewilligung vorliegt, müsste realisiert werden. «Wir Bauern helfen auch mit, kreative Lösungen zu realisieren, solange diese nicht überdimensioniert sind. Aber nicht mit der Emmentaler Sortenorganisation.» Von deren Hin-und-Her-Politik habe er genug erlebt, so Ryser.

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