26.03.2017 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - big/sam
Zucker
Rüben von der Ostsee importiert
Guido Stäger, Direktor der Schweizer Zucker AG (SZU), nimmt im Interview mit dem "Schweizer Bauer" Stellung zu den Rübenimporten aus Deutschland und Österreich.

«Schweizer Bauer»: Offenbar haben die Zuckerfabriken nicht nur aus Süddeutschland, sondern sogar von der Ostsee Rüben importiert. Was war der Grund für den weiten Transport von über 1100 km?
Guido Stäger: Die Zuckerrüben muss man dort suchen und kaufen, wo es Überschüsse gibt. Der Anbau in der Schweiz ist leider wegen der aktuellen Zuckerpreissituation leicht rückläufig. In Süddeutschland sind wir im Versuchsstadium mit geringen Mengen. Hohe Rübenerträge gab es 2016 wetterbedingt weiter weg im Osten und im Norden. Gesamthaft wurden 2016 gut 40'000 Tonnen Rüben importiert, davon der grösste Teil aus Österreich. Das entspricht 5 Prozent der Zielverarbeitung eines Werkes. Uns fehlt aber ein Mehrfaches dieser Menge in Zucker umgerechnet.

Stimmt es, dass wegen der Doppelnulllösung kein Zoll auf Importrüben anfällt?
Beim Import sind durchaus Zollformalitäten zu regeln und es fallen dafür auch Kosten an, aber es gibt keinen eigentlichen Mengenzoll für Rübenimporte.

Wie wird der Zucker aus importierten Rüben deklariert?
Aller unser Zucker ist klar nach Herkunft deklariert. Der Kunde wird informiert, falls der gelieferte Zucker Importrüben enthält. Dabei wird deklariert, wie der Zucker in der Rezeptberechnung für mit Schweizer Kreuz ausgezeichnete Produkte verwendet werden kann.

Süddeutsche Bauern, welche Rüben an die SZU geliefert haben, wurden offenbar bereits zu 100 Prozent ausbezahlt. Die Schweizer Rübenproduzenten haben aber erst ein Drittel des Rübengeldes bekommen. Warum erhalten die ausländischen Lieferanten ihr Geld schneller?
Grundsätzlich wird der Schweizer Rübenpreis in drei Tranchen ausbezahlt. Die letzte Tranche ist der variable Anteil, je nach Ergebnis der Zuckerfabrik. Diesen Anteil erhalten die deutschen Rübenbauern nicht. Es stimmt, dass in dieser Kampagne die Auszahlung für die deutschen Bauern vereinfacht wurde, weil es ein Versuchsanbau mit nur wenig Fläche war. Das Ziel ist aber künftig, dass man – abgesehen vom variablen Anteil – eine ähnliche Methode für die Auszahlung der in- und der ausländischen Rüben anwendet.  

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