6.10.2014 19:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Alexandra Schröder
Bern
Regierungsrätin erlebt Betreuungsarbeit in Bauernfamilie hautnah
An der Tagung über Betreuungsarbeit in der Familie hat die Regierungsrätin Beatrice Simon zugesichert, dass sie einen Tag auf dem Bauernhof bei der täglichen Betreuungsarbeit mithelft. Montag hat sie ihr Versprechen eingelöst und besuchte einen halben Tag eine Familie im Berner Seeland.

Die Familie setzt sich aus 4 Generationen zusammen, wobei der Grossvater 103 Jahre alt ist. Den grössten Teil der Betreuung übernimmt die Schwiegertochter des Grossvaters. Bei strenger Arbeit hilft ihr Ehemann mit.

Der Betreuungsalltag

Um 8 Uhr startet der Pflegetag. Die Schwiegertochter hilft dem Grossvater aus dem Bett und verarbreicht ihm mit viel Geduld das Frühstück. Am Vormittag bringt sie den Grossvater wieder ins Bett, um für die Familie das Mittagessen zu kochen. Dann hilft sie dem Grossvater wieder aus dem Bett und gibt ihm das Mittagsessen.

«Für die Schwiegermutter ist die Pflege selbstverständlich. Es sei nie eine Frage gewesen, ob sie diese Arbeit überhaupt machen soll», berichtet die Regierungsrätin. «Die Schwiegermutter verrichtete eigentlich die vollumfängliche Arbeit der Spitex: Sie reinigt den alten Mann, sie hilft ihm beim aufzustehen und bei der Essenseinnahme. Das braucht viel Zeit und Geduld.», führt sie fort. «Für mich war das ein sehr beeindruckender Tag. Die Schwiegertochter erbringt eine Riesenleistung», fasst Beatrice Simon den Tag zusammen. 

Kommende Generationen

«Die Schwiegermutter möchte die Situation nicht ändern. Sie selber hat nie eine Lehre gemacht und verbrachte ihr ganzes Leben auf dem Bauernhof. Obwohl die Rund-um-die-Uhr-Pflege nicht immer einfach ist, könne sie sich nichts anderes vorstellen», sagt Simon.

Die Regierungsrätin erwähnt auch Gründe für die Pflege: «Oft werden Betagte gefplegt, weil ihre Angehörigen ein schlechtes Gewissen haben. Häufig wird die Frage verdrängt, wie lange man das noch machen kann. Die Angehörigen arbeiten bis zum umkippen.»

Dass sich das mit der nächsten Generation ändern könnte, ist der Schwiegermutter wahrscheinlich nicht bewusst. Die Regierungsrätin fährt fort: «Die nächste Generation sieht das etwas anders. Da wird nicht mehr sämtliche Zeit der Familie gewidmet werden. Die jungen Frauen gehen oft auch einem Job ausserhalb dem Bauernbetrieb nach.»

Hilfe für Familien

Dies könnte ein Problem werden, denn die ältere Generation erwartet häufig, dass man sie bis zum Tod gepflegt werden. Die jüngere Generation zählt lieber auf die Hilfe der Spitex. «Das erfordert Famlilienkonferenzen, wo man gemeinsam definiert, was die Familie will», fügt Simon hinzu.

Der Besuch von Simon soll auch darauf aufmerksam machen, dass Betroffenen nicht alleine sind und Hilfe anfordern können. Dazu zählt unter anderem die Spitex. Des weiteren bemühen sich die Mitwirkenden des Forschungsprojekts «Das Unsichtbare sichtbar machen», eine Anlaufstelle aufzubauen, an die sich die Betroffenen bei Problemen oder Überarbeitung wenden können. 

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