26.04.2018 12:22
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Regierung will 10 ha für Werkstätte opfern
Das Bahnunternehmen BLS soll ihre neue Werkstätte im Chlyforst Nord im Westen von Bern bauen können. Das schreibt der Berner Regierungsrat in seiner Anhörungsantwort an den Bund zum Sachplan Verkehr. Damit sollen 10 ha Landwirtschaftsland und 4 ha Wald überbaut werden.

Er schliesst sich damit der Empfehlung der BLS-Begleitgruppe an. Diese hatte neben dem Chlyforst Nord auch den Standort Niederbottigen geprüft und war zum Schluss gekommen, das Chlyforst sei die bessere Lösung. Der Standort Chlyforst liegt zwischen Riedbach (Gemeinde Bern) und Rosshäusern (Mühleberg).

Werkstatt unerlässlich

Der Regierungsrat bedauert gemäss Communiqué, «dass kein optimaler Standort in einer bestehenden Bauzone oder in einem bereits überbauten Gebiet gefunden werden konnte». Die Haltung der Berner Kantonsregierung kommt nicht überraschend. 

Verkehrsdirektorin Barbara Egger hatte Ende 2016 eingeräumt, es sei nicht einfach, den Grundsatzentscheid des BLS-Verwaltungsrats zu akzeptieren. Doch nun sei es Zeit, konstruktiv mitzuarbeiten. Die Werkstätte sei unerlässlich für eine funktionierende S-Bahn.

Gegner hoffen auf Neuhaus

Die Standortsuche erhitzt seit Jahren die Gemüter. Gegen einen Neubau im Chlyforst, rund 10 Kilometer westlich von Bern, setzen sich Anwohner zur Wehr. Matthias Thomet, Präsident des Vereins Chlyforst, zeigt sich nicht überrascht über den Entscheid. Im Vorschlag des Regierungsrates sieht Thomet ein «letztes Aufbäumen von Regierungsrätin Egger (SP) und ihren Parteifreunden».

Hoffnungen setzt der Verein auf Christoph Neuhaus (SVP), der neuer Verkehrsdirektor wird. «Wir sind zuversichtlich, dass bei einem Direktionswechsel die Weichen neu gestellt werden», sagt Thomet zur Zeitung «Der Bund».

Land gehört Burgergemeinde

Die Anwohner befürchten, dass mit dem Bau einer Bahn-Werkstätte die Tür für weitere Grossprojekte geöffnet wird. Eine Industrialisierung der derzeit fast unberührten Kulturlandschaft und die Verschiebung der Siedlungsgrenze wollen sie mit allen Mitteln verhindern.

Das Land, auf dem gebaut werden soll, gehört zu einem grossen Teil der Burgergemeinde Bern. Dank der Umzonung könnte diese mit dem Landverkauf kräftig verdienen. Ein kleinerer Teil gehört der Stadt Bern. Der ehemalige Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) setzte sich, im Gegensatz zu seinem Nachfolger Alec von Graffenried, gegen Chlyforst nicht zur Wehr. Denn in Bümpliz Süd soll die Stadt erweitert werden. Dieses Gebiet liegt rund 4 Kilometer östlich des Chlyforst.

Keine Standortgebundenheit

Daniel Lehmann, Landwirt und Jurist, hebt hervor, dass das Gäbelbachtal ein unversehrtes Naherholungsgebiet sei und sich das Gebiet für die Landwirtschaft gut eigne. «Wir haben hier viele Fruchtfolgeflächen», sagt er gegenüber schweizerbauer.ch. Das Gebiet sei zudem schlecht erschlossen, ein guter Zubringer zur Werkstätte fehle.

«Diese Werkstätte, konzipiert als Insellösung, widerspricht zudem dem Raumplanungskonzept und kommt deshalb nicht in Frage», macht Lehmann deutlich. Er spricht sich aber nicht gegen den öffentlichen Verkehr aus. Der sei wichtig, fährt er fort. «Wir sind aber entschieden gegen das Opfern von gutem Kulturland, weil wir wissen, dass es genügend Infrastruktur gibt, um eine solche Werkstätte zu bauen», macht er deutlich. «Die Standortgebundenheit kann die BLS für den Chlyforst nicht belegen. Die Werkstätte wird zu 100 Prozent nicht gebaut», ist sich Lehmann sicher.

Stadt nun auch dagegen

Der Berner Stadtrat ist ebenfalls gegen Standort Chlyforst. Die Berner Stadtregierung hatte sich unter Stadtpräsident Alexander Tschäppät nicht klar gegen das Projekt ausgesprochen. Nur aber erklingen aus dem Erlacherhof andere Töne. «Wir sind immer noch der Meinung, dass es keinen Neubau braucht, sondern bestehende Anlagen genutzt werden sollten», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) gegenüber der Zeitung «Der Bund». 

Der Gemeinderat fordert, eine Weiterführung der Werkstätte Aebimatt beim Bahnhof Bern zu prüfen und Standorte auf bestehenden Industriearealen gleichwertig zu evaluieren. Erst dann käme der Standort Chlyforst allenfalls infrage.

Entscheid Ende 2018

Der definitive Standortentscheid ist noch nicht getroffen. Zurzeit liegt der Ball bei der Eidgenossenschaft. Das Bundesamt für Verkehr koordiniert die Arbeiten in einem Sachplanverfahren. Die BLS erwartet einen Entscheid bis Ende 2018.

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