9.05.2018 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
Raclette AOP: Melkroboter-Verbot
An der Delegiertenversammlung der Sortenorganisation Walliser Raclette AOP wurde gleich eine ganze Reihe von neuen Beschlüssen genehmigt. Umstritten war nur das Verbot für Melkroboter.

Bei den Gruyère-Produzenten wurde bei mehreren Studien festgestellt, dass bei Milch, die von Melkrobotern gemolken wird, der Anteil freier Fettsäuren erhöht, die Keimzahlen höher und die Reduktionszeiten verkürzt ist. Insgesamt führe dies zu einem leicht ranzigen Geschmack im Käse, war an der Delegiertenversammlung der Sortenorganisation Walliser Raclette AOP, (SOR) die kürzlich in Bramois stattgefunden hat, zu hören.

Weil das derzeit gültige Pflichtenheft für Walliser Raclette AOP aber auch vorschreibt, dass Kühe innert 24 Stunden zweimal gemolken werden müssen, war für den Vorstand der SOR klar, dass Melkroboter für ein kontinuierliches Melken verboten werden müssen.

Verbot gutgeheissen

Der Antrag des Vorstands wurde mit nur wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen angenommen. Die Gegner warnten vergeblich, dass man sich neuen Technologien nicht verschliessen dürfe. Ein Delegierter berichtete gar von einem Bauern, der einen Melkroboter angeschafft habe, dessen Milch nun aber nicht mehr verkäst werden darf, sondern als Industriemilch verkauft werden muss – dies bei einem Verlust von täglich 30 Rappen pro Kilo (siehe Kasten).

Wenigstens werde für Walliser Raclette AOP hinter Gruyère und Freiburger Vacherin der dritthöchste Milchpreis erwirtschaftet, nämlich 78,25 Rappen, Industriemilch sei dagegen nur noch etwa 48 Rappen wert. Immerhin stellte SOR-Präsident Thomas Egger in Aussicht, dass der Entscheid nicht endgültig sein müsse, und man unter Umständen schon in ein, oder zwei Jahren darauf zurückkommen könne.

Ein Landwirt betroffen

Vom Melkroboter-Verbot betroffen ist bislang erst ein Walliser Landwirt, nämlich Herbert Bregy aus Turtmann. Er hat lange Zeit Swissherdbook Wallis präsidiert und ist im letzten Februar zurückgetreten. Den Melkroboter, Kostenpunkt insgesamt rund eine Viertelmillion Franken, hat er sich im letzten Oktober angeschafft, «wohlwissend, dass mich Widerstand erwarten könnte», wie er zugibt.

Es könne anderseits aber doch nicht sein, dass ein Bauer, von dem immer mehr Unternehmertum verlangt werde, andere fragen müsse, ob er sich einen neuen Traktor anschaffen dürfe, kritisiert Herbert Bregy. Vor allem verstehe er aber nicht, warum Melkroboter im Gruyère-Gebiet und im Wallis verboten sind, während sie bei Emmentaler-, Appenzeller- oder Sbrinz-Produzenten unter bestimmten, wenn auch strengen Auflagen erlaubt sind, «zumal die Milchqualität dank dem permanenten Überwachungssystem der Kühe besser wird», wie Bregy überzeugt ist. 

«Entscheid existenzbedrohend»

Ausserdem sei namentlich beim Bio-Raclette – Bregy bewirtschaftet seinen Hof in Turtmann nach Bio-Richtlinien – die Nachfrage höher als das derzeitige Angebot. Bregy selbst spricht daher von einem Verlust von nicht nur 30, sondern sogar 40 Rappen pro Kilo bei einer Menge von rund 1000 Kilo am Tag. Nur ein kleiner Teil seiner Milch kann nach dem nun beschlossenen Roboter-Verbot in der Augstbordkäserei in Turtmann zu nicht AOP-zertifizierten Mutschli verarbeitet werden, den Rest muss er nun zu Industriemilch-Preisen abliefern.

Dabei hat er sich den Roboter angeschafft einerseits in der Überzeugung, dass es dem Tierwohl dient, anderseits aber auch, um auch wieder etwas mehr Zeit mit seiner Familie und seinen sechs Kindern zu verbringen. Jetzt  aber befürchten Herbert Bregy und seine Ehefrau Raphaela, dass das Roboter-Verbot nun sogar ihre Existenz gefährden könnte.

Zu wenig Käse

Unbestritten war dagegen ein Antrag, auch eine quartalsabhängige Mengensteuerung einzuführen. Diese betrifft jedoch nur das erste Quartal, in der künftig nur noch 35 Prozent der Jahresreferenzmenge verkäst werden darf. Für das erste Quartal 2018 bedeutet das konkret knapp 600'000 (genau 593'100) Kilo Milch, bei einer Jahresmenge von rund 2 Millionen Kilo. So soll künftig auch gewährleistet sein, dass während der Raclette-Hochsaison genügend Käse am Lager ist, was im vergangenen Dezember erstmals nicht der Fall war. Geschäftsführer Urs Guntern sagte: «Wir hatten zum ersten Mal zu wenig Käse am Lager und konnten gewisse Kunden nicht beliefern.»

Ebenfalls vorgestellt wurde ein neuer «Leitfaden der guten Herstellungspraxis». Dieser soll das gültige Pflichtenheft nicht ersetzen, wie mehrfach betont wurde, stattdessen aber die Echtheit und den sehr hohen Qualitätsstandard von Walliser Raclette AOP sicherstellen, der nun auch als kulinarisches Erbe des Kanton Wallis eingetragen ist. Auch dem Einsatz dieses neuen Hilfsmittels wurde einstimmig zugestimmt. Auf der Traktandenliste stand weiter die Wahl eines neuen Vorstandsmitglied. Als Ersatz für den verstorbenen Jean-Luc Constantin wurde Marius Pannatier aus Evolène in den SOR-Vorstand gewählt. 

 

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