15.04.2013 06:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Mike Bauert
Getreidemarkt
«Proteinbezahlung ist keine Lösung»
Die Fenaco will bei den Sammelstellen mehr Einfluss nehmen auf die Proteinsteuerung. Die Top-Weizenqualität soll steigen

Am Donnerstag präsentierte die Fenaco an der Maxi-Sammelstellentagung in Kirchberg BE die definitiven Schlusszahlen der letzten Getreide- und Ölsaatenernte. Die rund 250 Teilnehmer diskutierten dabei auch intensiv über das Thema Protein bei Brotgetreide. 

Starke Schwankungen

Erhebungen mit dem NIR-Gerät bei fünf Sammelstellen, verteilt über die Schweiz während der Ernte 2012, zeigten, dass das Spektrum der Proteingehalte für Top-Weizen von 10,5 bis 17% stark schwankte. Dabei habe sich gezeigt, dass sich die tiefsten Werte nicht auf einzelne Sorten oder Anbauformen zurückführen liessen, erklärte Fortunat Schmid von der Fenaco.

Partien mit sehr tiefen Proteingehalten führten während der Vermarktung zu Problemen mit Mühlen, die sogar den Nachweis forderten, dass effektiv Top-Weizen geliefert wurde. Man habe auch festgestellt, dass die Proteinwerte bei einigen Sammelstellen je Zelle massiv variierten.

Zellen bemustern

«Eine Proteinbezahlung ist für uns nicht die Lösung, stattdessen wollen wir mehr Einfluss nehmen durch eine Proteinbewirtschaftung bei den Sammelstellen», erklärte Pius Eberhard. Um zukünftige Beanstandungen von Mühlen vermeiden zu können, forderte die Fenaco die Sammelstellenleiter auf, nach der Einlagerung die Protein- und Feuchtkleberwerte pro Zelle zu ermitteln, damit die Vermarktung gezielter erfolgen kann.

Es sei unfair, wenn einzelne Posten mit tiefem Proteingehalt  die gesamte Topqualität unnötig unter Preisdruck setzten. Eberhard betonte, dass jede Sammelstelle autonom entscheiden könne, ob sie bei der Proteinbewirtschaftung auf Stufe Sammelstelle mitmachen wolle.

Teure Anschaffung

Mit der Anschaffung eines NIR-Geräts können den Produzenten bei der Getreideübernahme exakte Daten geliefert werden als Grundlage für die Sortenwahl. Die Investitionskosten pro Gerät liegen zwischen 30'000 bis 36'000 Franken, für kleine Sammelstellen ein rechter Betrag. Eine günstigere Möglichkeit, um eine homogenere Qualität zu erhalten, ist die Mischung der Getreideposten der gleichen Qualitätsklassen.

Anbauerfahrung der Vorjahre, gelieferte Sortenqualität bezüglich Protein sowie Absatzmöglichkeiten ergäben den regional unterschiedlichen Sortenmix je Sammelstelle und damit die Grundlage zur Anbausteuerung, erklärte Eberhard.

Dem widersprachen Sonja Basler vom Forum Ackerbau. Welche Sorte auf welchen Boden passe, wisse man nicht genau, es sei einfacher und günstiger, den Proteingehalt mit Stickstoff zu steuern, allerdings litten dann andere Qualitätsmerkmale.

Massive Kritik am BLW

Der Verordnungsentwurf zur Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) bekräftigt den Kurs in Richtung Ökologisierung. Obwohl sich die Parlamentarier klar zugunsten der Einführung eines Futtergetreidebeitrags ausgesprochen haben wird der spezifische Beitrag für Futtergetreide im Entwurf mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen beharrt das BLW auf der Zollreduktion von Fr. 3.– pro 100 kg beim Brotgetreide per 1. Januar 2014.

Rolf Häusler, Präsident der Kollektiven Getreidesammelstellen, kritisierte die Vorlage scharf und mahnte, dass in wenigen Jahren nicht nur zu wenig Futter-, sondern auch zu wenig Brotgetreide produziert werde. Auch Ernst Meyer, Vizepräsident der Getreideproduzenten, erklärte, dass mit dem Zollabbau die Rentabilität für Brotgetreide massiv sinkt und die Bauern gut überlegen müssen, ob sich mit anderen Kulturen mehr Geld verdienen lasse. bau

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