11.03.2016 12:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Russland
Produktionssteigerung auf russisch
Durch das Importverbot von Lebensmitteln ist Russland auf heimische Produktion angewiesen. Da die Bauern aber bis jetzt kaum mehr Milch produzieren, ergreift nun die Industrie ungewöhnliche Massnahmen.

Seit Wladimir Putin ausländische Lebensmittel vom russischen Markt verbannt hat, sind seine eigenen Bauern gefordert. Die Marschrichtung dabei ist klar: die Produktion ist zu steigern – die Abhängigkeit vom Westen zu minimieren. So soll laut dem russischem Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow bei der Milch ein Selbstversorgungsgrad von 90 Prozent erreicht werden.

Bauern können (noch) nicht in Bresche springen

Von dem Ziel sind die Russen aber noch weit entfernt.  Denn durch das seit Mitte 2014 verhängte Embargo fehlt es den Russen vor allem an Käse. Rund ein Drittel der importierten Menge brach 2015 im Vergleich zum Vorjahr weg. Dies entspricht etwa 73'000 Tonnen. Dabei war stets klar, dass die zum Teil noch stark veraltete russische Milchwirtschaft mit dem Diktat Putins nicht Gleichschritt halten konnte.

Doch auch eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Importverbotes können Russlands Milchbauern nicht wirklich in die Bresche springen. Trotz Embargo stieg nämlich die inländische Milchproduktion kaum. Laut dem deutschen Statistikportal «Statista» sank die Gesamtproduktion an Kuhmilch in Russland seit 2013 gar um rund 1 Mio. Tonne. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum steigerten die Milchbauern der 28 EU-Mitgliedstaaten die Produktion um 7 Mio. Tonnen.

78% des Käses gestreckt

Zwar wertet es der russische Landwirtschaftsminister Tkatschow laut Agra-Europe als Erfolg, dass in den vergangenen fünf Jahren die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh um 20 Prozent gestiegen ist, aber auch er räumt ein, dass aufgrund der Aufgabe von vielen Kleinstbetrieben der Kuhbestand insgesamt immer noch rückläufig sei und die Milcherzeugung gebremst werde.

In diesem Zusammenhang schien merkwürdig, dass die Russen trotzdem die Käseproduktion im vergangenen Jahr um über 17 Prozent auf insgesamt 581'000 Tonnen ausdehnen konnten. Eine Erklärung dazu folgte vergangenen Montag in Moskau. So sollen russische Molkereien ihre Milch systematisch strecken. Im grossen Stil ersetzen sie dabei Milch-  mit Pflanzenfett. Laut dem Leiter des Aufsichtsdienstes für Tier- und Pflanzengesundheit Russlands Sergej Dankwert, hätten landesweite Kontrollen im Jahr 2015 ergeben, dass 78 Prozent der kontrollierten Käse «falsches Fett» enthalten hätten. Über alle Produkte hinweg seien 11 Prozent  betroffen gewesen.

400 Mio. Fr. Stützung

Laut Agra-Europe habe es sich bei dem Ersatzfett in den meisten Fällen um Palmöl gehandelt. Nicht verwunderlich sei deshalb, dass Russlands Palmölimporte 2015 gegenüber dem Vorjahr um 25,5 Prozent auf 889000 Tonnen gestiegen sind. Um der russischen Milchwirtschaft den nötigen Schub doch noch zu verleihen, ist der Kreml gewillt, weitere grosszügige Fördermassnahmen zu sprechen.

Laut Landwirtschaftsminister Tkatschow darf die Milchwirtschaft noch in diesem Jahr mit rund 400 Mio. Fr. finanzieller Unterstützung rechnen. Das sind 80 Prozent mehr als 2015. Erhöht werde beispielsweise der Anteil bei der Erstattung von Investitionskosten in den Aufbau oder die Modernisierung von Milchproduktionseinheiten, und zwar von 20 auf 35 Prozent.

Russlandembargo

Als Reaktion auf die EU-Sanktionen zur Ukraine-Krise verhängte Russlands Präsident Wladimir Putin am 6. August 2014 ein Importverbot auf bestimmte Agrargüter und Lebensmittel. Damit fiel der vor allem für die EU wichtige Lebensmittel-Exportmarkt Russland weg. Ebenfalls betroffen vom Embargo waren die USA, Norwegen, Kanada und Australien. Der Einfuhrstopp bezog sich auf Schweine-, Geflügel-, und Rindfleisch, Fisch, Meeresfrüchte sowie Obst und Gemüse. Und, für die EU besonders schmerzhaft, auch Milchprodukte aller Arten sind vom Embargo betroffen. rab

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