26.04.2016 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Preismisere bei Bauern: Handel weist Schuld von sich
In den meisten Länder Europas leiden die Bauern unter den tiefen Produzentenpreisen. Die deutschen Milchbauern kritisieren die nachgelagerten Stufen. Der Handel hält sich für die Preismisere aber nicht verantwortlich.

In vielen Länder Europas und auch in der Schweiz leiden die Bauern unter den tiefen Produzentenpreisen bei der Milch. Mit verschiedenen Aktionen versuchen sie, auf ihre schwierige Lage aufmerksam zu machen. Sie kritisieren Verarbeiter, Handel und Detailhandel und fordern Preise, die mindestens die Produktionskosten decken. In Deutschland sind vor allem die Erzeugerpreise für Milch und Schweinefleisch unter Druck.

Preisbildung erfolgt am Weltmarkt

In der Dienstagsausgabe der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ nimmt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, zu den Vorwürfen Stellung. Er ist sich keiner Schuld bewusst. „Wer Supermärkte und Discounter verantwortlich macht, redet am Thema vorbei: Die Preisbildung für Milch und Fleisch erfolgt auf dem Weltmarkt“, so Genth.

Die Tiefpreisphase sei eine Folge einer verfehlten Agrarpolitik, die ausschliesslich auf eine Ausweitung der Produktion gesetzt habe, fährt er fort. Durch die Überproduktion unterböten sich die Molkereien gegenseitig. Der Handel gebe die tieferen Preise weiter an die Konsumenten.

1 Liter kostet im Laden 54 Rappen

„Selbst wenn wir den Milchpreis um 20 Cent (22 Rp.) erhöhen, wird das den Bauern nicht helfen“, so Genth weiter. Denn lediglich 12 Prozent der Rohmilch komme als Frischmilch in die Regale. Der Rest werde weiterverarbeitet oder gehe in den Export. „Der Handel kann die Misere nicht lösen“, betont der Geschäftsführer des deutschen Handelsverbandes.

Die Preise im Laden werden weiter sinken. Verarbeiter und Handel haben entsprechende Verträge abgeschlossen. Gemäss Lebensmittelzeitung dürfte der Preis für ein Liter Vollmilch von 59 auf 49 Cent (54 Rp.) sinken.

Kritik von den Grünen

Hart kritisiert werden die Aussagen von Stefan Genth von den Grünen. Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, bezeichnete die Aussagen als „zynisch“. Der Milchmarkt sei zusammengebrochen.

„Der Handel nutzt die Mengenüberschüsse für ein gnadenloses Preisdiktat“, so der Bundestagabgeordnete. Diese Verantwortung könne er nicht von sich schieben. „Ich fordere den Handel auf, angemessene Produzentenpreise zu verhandeln und das Preisdiktat bei tierischen Produkten zu unterlassen“, betont der Politiker der Grünen.

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