15.03.2016 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Zucker
Preisdruck droht
Die Schweizer Zuckerrüben-Pflanzer kämpfen mit tiefen Preisen. Wenn die EU 2017 die Zuckerquote aufhebt, droht ein noch grösserer Preisdruck. Experten erwarten einen Überschuss an Rüben.

Den Importdruck von billigem Zucker aus Europa spürten die Schweizer Rübenpflanzer schon letztes Jahr. Die Branche passte den Rübenpreis für 2016 gegen unten an. Ende September 2017 wird sich der Druck nochmals verstärken. Dann hebt die EU ihre Zuckerquoten und die Exportbeschränkungen auf. Das aktuelle System schränkt die EU-Produktion auf 85 Prozent des eigenen Zuckerbedarfs ein.

Gute Regionen werden ausbauen

Mit dem Ende der Zuckerquote wird in den geeigneten Regionen die Zuckerproduktion steigen. „Es besteht das Risiko eines Überschusses auf dem EU-Markt”, sagt Alex Krick, stv. Generalsekretär der europäischen Vereinigung der Zuckerrüben-Pflanzer (CIBE). Er versprühte an der Delegiertenversammlung der Schweizer Zuckerrübenpflanzer (SVZ) wenig Hoffnung.

Krick sprach von einer Bruchlandung, die bevorstehen könnte. Insbesondere Regionen mit schwächerer Rentabilität und grösserer Entfernung zum Markt dürften es seiner Ansicht nach schwer haben. „Rübenanbau wird nur dort erhalten bleiben, wo er sich lohnt und eine erhebliche Marge gegenüber den anderen Feldfrüchten besteht”, so Krick.

Kein Mindestpreis mehr

Fakt ist: Mit dem Ende der bisherigen Zuckermarktordnung der EU wird es zu massiven Änderungen kommen. Nicht nur die Quote fällt weg, sondern auch der Rübenmindestpreis von aktuell knapp 27 Euro pro Tonne Rüben. „Ich weiss nicht, ob dieser Preis gehalten werden kann”, sagt Krick. Für die EU-Bauern kommt erschwerend hinzu, dass die Transportkosten künftig auf sie abgewälzt werden können. Bisher gingen diese laut Branchenvereinbarungen ab Sammelstelle zulasten der Fabriken.

Wie sich die Lage genau entwickeln wird, ist offen. Für Josef Meyer, Präsident der Schweizer Zuckerrübenpflanzer, ist aber klar, dass die Produktion in der EU steigen wird. „Die Menge in den Griff zu bekommen, scheint nicht möglich. Das zeigt auch das Beispiel Milchmarkt”, so Meyer. Nach wie vor hofft die Branche auf einen verbesserten Grenzschutz, das BLW ist bisher nicht auf solche Forderungen eingegangen.

Zuckerfabrik Frauenfeld prüft Import

Sinken die Preise für Zuckerrüben in der Schweiz weiter, so dürften immer mehr den Anbau einstellen. Die Zuckerfabrik Frauenfeld hat bereits gespürt, dass die Anbaubereitschaft sinkt. Die Schweizer Zucker AG prüft deshalb, ob künftig Zuckerrüben aus dem grenznahen Ausland verarbeitet werden sollen, um die Fabrik auszulasten.

Das stösst nicht bei allen Schweizer Pflanzern auf Gegenliebe, wie sich an der Delegiertenversammlung zeigte. Westschweizer Bauern forderten einen Stopp des Projekts. „Ein Bauer kann etwas anderes anbauen. Aber eine Zuckerfabrik ohne Zuckerrüben ist nichts”, sagt Alex Krick dazu.

Höherer Einzelkulturbeitrag in Aussicht gestellt

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) will den Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben von 1‘600 auf 1‘800 Franken pro Hektare erhöhen. Dies soll rückwirkend auf den 1. Januar 2016 geschehen. Derzeit liefen Abklärungen, bevor dem Bundesrat die Erhöhung vorgeschlagen werde, sagte BLW-Vizedirektor Dominique Kohli an der Delegiertenversammlung der Schweizer Zuckerrübenpflanzer. Er geht davon aus, dass der definitive Entscheid bis Ende April fällt. Eine Absicht, den Grenzschutz zu erhöhen, habe das BLW nicht, sagte Kohli.

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