1.04.2020 16:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sam/rh
Nachruf
Peter Gfeller ist verstorben
Am vergangenen Sonntag, 29. März, ist Peter Gfeller aus Kappelen BE im Alter von 69 Jahren nach längerer schwerer Krankheit verstorben. Der Landwirt und Ingenieur Agronom war in diversen Gremien aktiv. So unter anderem als Präsident von Swissgenetics und als Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Der am 8. März 1951 geborene Peter Gfeller übernahm nach dem Agronomie-Studium am Technikum in Zollikofen nach dem frühzeitigen Tod seiner Eltern mit 27 Jahren zusammen mit seiner Frau Vreni den Betrieb in Kappelen im Berner Seeland.

Er bildete 40 Lehrlinge aus. «Die Familie und insbesondere meine Frau haben die Symbiose von Beruf und Familie in vorbildlicher Weise mitgetragen», schreibt der Vater einer Tochter und eines Sohns in seinen Erinnerungen. Auch dass er zeitlebens Grossvater werden durfte, bedeutete ihm sehr viel. Prägend für Gfeller war auch ein Unfall im Jahr 1989, als sein Fuss schwer verletzt wurde. Obschon ihm der verletzte Fuss zeitlebens Beschwerden bereitete, hört man ihn nie darüber jammern.

Junger Gemeindepräsident

Bereits als 27-jähriger übernahm er in der Gemeindepolitik Verantwortung und wurde Gemeindepräsident in Kappelen. Mit seinem letzten politischen Amt, als Kirchgemeindepräsident der reformierten Kirche Kappelen, welches er erst nach dem Rücktritt aus den meisten übrigen Ämter antrat, schloss sich der Kreis seines Schaffens für die heimische Gemeinde.

Als begeisterter Brown-Swiss-Züchter im Fleckviehkanton Bern war Gfeller in gewisser Weise ein Exot. Das hinderte ihn aber keineswegs daran, auch im Schweizer Braunviehzuchtverband im Vorstand und später auch als Vizepräsident eine tragende Rolle zu spielen. Auch züchterisch war Gfeller mit dem Präfix Suissegfeller sehr erfolgreich.

Prägende Rolle bei Swissgenetics

Noch im vergangenen November konnte Peter zusammen mit seinem Sohn Simon einen der grössten Erfolge des Betriebs feiern: Den Grand Champion-Titel mit dem Rind Salomon Blexy am Grand Prix von Sargans 2019. Aber auch als Stierenzüchter waren Gfellers erfolgreich., so mit dem nachzuchtgeprüften Banker-Sohn Eric. Doch emotional war ihm wohl die Starbuck Tochter Julie am Nächsten. Sieben Mal war diese an der von ihm so geliebten Swiss Expo, einmal sogar als Reservechampion.

Eine prägende Rolle spielte Peter Gfeller beim Schweizerischen Verband für Künstliche Besamung (SVKB), heute Swissgenetics. Er war von 1989 bis 2002 im Vorstand, wovon die letzten 8 Jahre als Präsident. Zudem war er auch operativ bis 2004 als Teamleiter Braunvieh tätig. In die Ära von Gfeller fiel der Umbau des eher behäbigen KB-Verbandes in das moderne Dienstleistungsunternehmen Swissgenetics. In der turbulenten Zeit mussten gleich zwei Direktoren ihren Hut nehmen. Mit der Anstellung von Stefan Felder als Direktor begann eine neue, sehr erfolgreiche Ära. 

Präsident der Schweizer Milchproduzenten

2003 wurde Peter Gfeller zum Präsidenten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) gewählt. Obschon er im Gegensatz zu den meisten Verbandsfunktionären kein politisches Amt im Bundeshaus innehatte und dies aus Respekt vor Interessenskonflikten auch nie anstrebte, konnte er sich doch bald viel Respekt verschaffen. Sein gutes Netzwerk aus der Viehzucht half ihm dabei. In seine Amtszeit fiel die schwierige Phase des Ausstiegs aus der Milchkontingentierung. Zusammen mit dem neuen Direktor Albert Rösti, heute Nationalrat und Präsident der SVP Schweiz, hat er versucht, die Interessen der Milchbauern zu bündeln und dafür einen Milchpool zu gründen.

Doch trotz punktuellen Erfolgen wie einer Milchpreiserhöhung um 6 Rp./kg nach dem erfolgreichen Milchstreik im Frühsommer 2008 konnten Gfeller und Rösti sich mit ihren Vorstellungen nicht durchsetzen. Nachdem international der Milchmarkt unter Druck kam, erodierten die Preise auch in der Schweiz immer mehr. In einem spektakulären Doppelrücktritt Anfang Februar 2013 zogen sich Gfeller und Rösti wegen der von ihnen beklagten strategischen Blockade im Vorstand gemeinsam aus dem SMP zurück.

Auch nach der Hofübergabe an seinen Sohn Simon blieb Peter Gfeller auf dem Hof aktiv und führte bis vor einem Jahr das Amt des Kirchgemeindepräsidenten aus und bis ganz zuletzt war er auch als Verwaltungsrat der Emmental Versicherung aktiv. Geistig bis am Schluss voll präsent, verstarb Peter Gfeller, mit seinen Worten: «zufrieden und sehr dankbar», am Sonntag nach langjähriger, schwerer Krankheit.

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