2.06.2017 11:38
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Zürich
Notfalltelefon für Bauern
Vor fünf Wochen hat der Zürcher Bauernverband (ZBV) ein Notfalltelefon eingerichtet. Betreut wird dieses vom Bündner Agronom Hansueli Lareida. Im Interview mit der «Zürichsee Zeitung» sprach er über die Sorgen und Nöte der Bauern.

«Hansueli Lareida steht schon seit vielen Jahren im Dienst des ZBV und hat sich insbesondere auf betriebswirtschaftliche Fragen spezialisiert. Er ist mit der Zürcher Landwirtschaft vertraut und verfügt über eine hohe Sozialkompetenz», sagt ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel in der Zürichsee Zeitung. Das Notfalltelefon richtet sich an alle Bäuerinnen und Bauern im Kanton Zürich. Sie erhalten die Möglichkeit, ihre Probleme jederzeit mit jemandem zu besprechen.

«Die Bauern sollen wissen, dass immer jemand da ist, der ihnen zuhört»

Auf die Frage, weshalb es denn das neue Hilfsangebot in Form eines Notfalltelefons braucht, antwortet Hansueli Lareida: «Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich in der Landwirtschaft schweizweit immer mehr Einzelpersonen und Familien in einer schwierigen Situation befinden. Auch im Kanton Zürich gibt es Bauern, die dringend auf Hilfe angewiesen sind. Die Problematik hat sich in jüngster Zeit sogar noch akzentuiert. Viele Leute haben aber eine Hemmschwelle, sich irgendwo zu melden. Beim Zürcher Bauernverband ist deshalb die Überzeugung gereift, ein Angebot ins Leben zu rufen, in dem ich als Agronom und Mitarbeiter des Beratungsdienstes des Bauernverbandes den Hilfesuchenden auch ausserhalb der Bürozeiten zur Seite stehen kann.»

365 Tage im Jahr

Das Notfalltelefon vom Zürcher Bauernverband wird 365 Tage im Jahr betreut, wie es die Bauern auch von ihrem Beruf her gewohnt sind. «Wenn schon jemand den Mut aufbringt, uns in einer Notsituation anzurufen, dann darf die Hilfestellung nicht an unseren Bürozeiten scheitern» meint Lareida.

Beim ersten Kontakt führt Hansueli Lareida meist ein längeres Telefonat mit den Bauern. Oft würden dann weitere Gespräche folgen. Wenn es gewünscht wird, besucht er die Beteiligten und versucht vor Ort mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. «Dann geht es darum, etwas Struktur in die weitere Vorgehensweise reinzubringen. Ich helfe also mit, aufzuzeigen, welche Probleme als Erstes gelöst werden sollten.»

Was bedrückt die Bauern derzeit am meisten?

Im Vordergrund stünde meist die finanzielle Situation der Bauern. Es gebe aber auch immer wieder familiäre Konflikte. «Nicht wenige verlieren dann den Glauben an eine Lösung und können keinen Ausweg mehr sehen.»

Angesprochen auf das Thema Suizid, meint Lareida, dass er davon überzeugt sei, rasch zu spüren, wie es dem anrufenden Menschen gehe. Weiter sagt er: «Wenn eine latente Gefahr da ist, dann spreche ich das Thema durchaus an. Uns geht es aber mit dem Notfalltelefon vor allem darum, den Bauern zu zeigen, dass wir sie mit ihren Problemen nicht allein lassen wollen.» Es sei immer jemand da, der ihnen zuhört, sie versteht und Hilfestellung anbietet.»


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