18.04.2019 13:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
«Nicht gut verhandelt»
Laut SMP-Präsident Hanspeter Kern haben die Milchverarbeiter beim Verkauf ihres Milchpulvers nicht gut verhandelt. Die Zeche zahlten nun die Milchproduzenten via Abzüge beim Milchpreis.

Die Nachfolgelösung für das Schoggigesetz, die seit 1. Januar 2019 in Kraft ist, war ein wichtiges Thema an der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) vom Dienstag in Bern.

«Auf dem Buckel der Produzenten» 

Dabei geht es um die Stützung der Milchrohstoffe in Exportprodukten, vor allem des Milchpulvers in der Schokolade. Dass genau dafür weniger Geld zur Verfügung steht, ist laut Kern immer klar gewesen. Denn die Branchenorganisation Milch (BOM) hat auf Druck der Molkerei Cremo und der Westschweiz einen zweiten Fonds eingeführt, der den direkten Fettexport stützt. Folglich splitten sich die finanziellen Mittel auf.

Kern sagte: «Umso wichtiger wäre es gewesen, dass die Milchverarbeiter gegenüber den Schoggiherstellern besser verhandelt hätten. Das ist aber nicht geschehen. Da gingen auf den entsprechenden Milchmengen sicher 4 Rappen Produzentenmilchpreis verloren. Und wie so oft wird dies über zusätzliche vertikale Abzüge auf dem Buckel der Milchproduzenten abgewickelt.» Hier hätten die grossen Unternehmungen keine gute Rolle gespielt, tadelte Kern.

Überkapazitäten sind das Problem

Dazu sagen Marktkenner, dass nach den Investitionen von Cremo und Hochdorf in zusätzliche Pulvertürme im Bereich Milchpulver eindeutig Überkapazitäten bestehen. Bei einem grossen Auftrag habe Emmi kürzlich sowohl Hochdorf als auch Cremo unterboten. SMP-Direktor Stefan Hagenbuch hielt fest, dass trotz sinkender Milchmenge und anziehenden internationalen Preisen Verkaufspreise von Milchpulver für 2019 in absoluter Höhe gesenkt worden seien.

Laut einem Insider hat ein Schweizer Schokoladehersteller das Milchpulver für 2019 tatsächlich günstiger eingekauft als für 2018. Es ist aber so, dass nicht alle Schoggihersteller das Schweizer Milchpulver ausdrücklich ausloben. Also wären sie theoretisch frei, auf Milchpulver aus der EU zu wechseln.

Hagenbuch hinterfragt die Chefs

Hagenbuch sagte in Bern: «Wir stellen uns effektiv die Frage, ob wir in den Unternehmen überall richtig aufgestellt sind.» Im Milchmarkt sei es so, dass das Unternehmen mit dem grössten Anteil an dieser tieferen Verwertung letztlich den Markt präge. Was Hagenbuch wohl meinte: Weil die Molkerei Hochdorf die Milch so schlecht bezahlt, zahlen andere Molkereien auch nicht mehr oder nur minim mehr.

Bei Hochdorf hat letzte Woche der grösste Aktionär, die Bauerngenossenschaft ZMP, den von ihr öffentlich angezettelten Machtkampf mit dem aktuellen Verwaltungsrat gewonnen. Der bisherige Verwaltungsratspräsident wurde abgewählt, an seiner Stelle der von den ZMP vorgeschlagene gewählt. Der Hochdorf-Chef hatte bereits vorher das Handtuch geworfen, er wolle sich verstärkt auf dem afrikanischen Kontinent engagieren – die von ihm bei Hochdorf verdienten Millionen gibt es dort zweifellos gute Verwendungsmöglichkeiten.

Auch bei Mooh ein Thema

An der Generalversammlung des Milchhändlers Mooh diese Woche war die Nachfolgelösung zum Schoggigesetz ebenfalls ein Thema. Geschäftsführer René Schwager hielt fest, dass diese für Preisdruck sorge. Bereits einleitend hatte der scheidende Mooh-Präsident Robert Bischofberger einleitend festgehalten: ««Leider  mussten wir Anfang 2019 schmerzlich feststellen, dass die Verarbeiter diese Differenz beim Geld, das zur Verfügung steht, auf uns abwälzen.»

Sowohl bei den SMP wie bei der Mooh hiess es, die Aussichten für 2019 seien grundsätzlich recht gut, global ohnehin, da seien die prognostizierten Mengenzuwächse so tief wie nie mehr, während immer mehr Menschen immer mehr Milchprodukte essen möchten – aber die momentane Realität auf dem Schweizer Molkereimilchmarkt bleibt brutal für die Milchbauernfamilien.   

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