4.11.2014 14:08
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wasser
Nationale Wasserstrategie gefordert
Die Schweizer Wasserwirtschaft ist zu kleinräumig organisiert, um einer Zukunft mit knapperen Wasserressourcen gewachsen zu sein. Dies ist das Fazit eines Forschungsprogramms im Auftrag des Bundesrates. Die Forscher empfehlen dem Bund deshalb, eine nationale Wasserstrategie zu entwerfen.

Heute fehle es an übergeordneten Strategien und konkreten Abstimmungen zwischen Gemeinden und Kantonen, heisst es in einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) vom Dienstag. Zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden gebe es eine komplexe Aufgabenteilung. Hier seien Reformen nötig, sagten die Forscher vor den Medien in Bern.

Folgen fallen im Hochgebirge ins Gewicht

«Dennoch ist der Ausblick nicht allzu pessimistisch», sagte Manfred Stäheli, Hydrologe an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und Mitautor des Schlussberichts. «Wenn wir mit den Wasserressourcen vernünftig umgehen, steht in der Schweiz auch in Zukunft genügend Wasser zur Verfügung.» Die Bergkantone müssten jedoch sofort handeln.

Wie es um die Schweizer Wasserressourcen bestellt ist und wie sie gemanagt werden müssten, damit es auch in Zukunft für Mensch und Natur genügend Wasser gibt, haben Wissenschaftler von 2010 bis 2013 im Nationalen Forschungsprogramm «Nachhaltige Wassernutzung» (NFP 61) erkundet. Der Schlussbericht wurde am Dienstag veröffentlicht.

Der Klimawandel fällt vor allem im Hochgebirge ins Gewicht. Bis zum Jahr 2100 werden gut 90 Prozent des Gletschervolumens schmelzen. Dabei entstehen 500 bis 600 neue Seen, die die Gefahr von Flutwellen, aber auch touristische Chancen bergen. Es wird um 35 Prozent weniger Schnee geben, der heute 42 Prozent des gesamten Wasserabflusses ausmacht.

Gesellschaft wichtiger als Klimawandel

In den Voralpen, im Mittelland und im Jura beeinflussen hingegen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft den Wasserhaushalt viel stärker als der Klimawandel, wie die Forschungsprojekte aufzeigen. Dazu gehören zum Beispiel Siedlungsdruck, Zahlungen an die Landwirtschaft und Regulierungen darüber, wer wie viel Wasser entnehmen und welche Schadstoffe ausbringen darf.

Der Klimawandel kann Nutzungskonflikte jedoch beeinflussen. In der Broye-Ebene etwa braucht die Landwirtschaft schon heute mehr Wasser zur Bewässerung als vorhanden ist. Doch das Wasser könnte genügen, wenn die ökonomischen Randbedingungen - die Förderung anderer Kulturen und Bewässerungstechniken oder auch höhere Wasserpreise - angepasst würden, wie eine Modellstudie aufzeigte.

Zu viele Akteure

Deshalb wird die Zusammenarbeit zwischen den Regionen, zuständigen Ämtern und politischen Ebenen immer wichtiger, wie die Forscher betonen. «Dazu braucht es effiziente Strukturen», sagte Mitautorin Franziska Schmid von der Beratungsstelle für Naturrisiken RisikoWissen. Es gebe zu viele Zuständigkeiten, zu viele Akteure und sich zum Teil widersprechende Regelungen im Wasserwesen.

Es mache aber wenig Sinn, der föderalen Schweiz ein integriertes Wassermanagement flächendeckend aufzupflanzen. Die Probleme müssten in den Regionen gemeindeübergreifend angegangen werden - etwa wenn es um Dinge wie Renaturierung von Gewässern, Hochwasserschutz oder Sanierung der Wasserinfrastruktur geht.

Bund ist gefordert

Dazu genügt es laut den Forschern aber nicht, ein wenig das lokale Wassermanangement zu reformieren. Es brauche klare Leitlinien und Anreize zur Zusammenarbeit. Hier sei der Bund gefordert: Er müsse seine Wasserpolitik mit einer nationalen Wasserstrategie stärken, wie die Leitungsgruppe des NFP 61 in der Branchenzeitschrift «Aqua & Gas» schreibt.

Die Kantone wiederum bräuchten kantonale Wasserstrategien - einige haben sie bereits - oder auch Gesetze, die den Rahmen für eine nachhaltige Wassernutzung schaffen. Bund und Kantone sollen ihren Spielraum nutzen und zum Beispiel eine Pflicht für kantonsübergreifende Planung in Einzugsgebieten einführen.

Der Bund kann auch finanzielle Beiträge an die Bedingung knüpfen, dass es kooperative Planungen und Trägerschaften gibt, schlagen die Forscher vor. Er kann Berichte einfordern, wo ein überregionales Wassermanagement nötig wäre. Er kann Subventionen nur für effiziente Bewässerungstechniken sprechen. Der Bund soll ausserdem auch die Erfolgskontrolle übernehmen und die Forschung unterstützen.

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