25.09.2013 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchkrise: Bauern leiden immer noch an Folgen
Die Milchviehbetriebe in Deutschland haben sich von den wirtschaftlichen Folgen der Milchkrise noch lange nicht erholt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung von Daten des Testbetriebsnetzes und des EU-InformationsNetzes Landwirtschaftliche Buchführungen (INLB), die vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) im Auftrag der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board durchgeführt worden ist.

Die langfristige Entwicklungdes Betriebseinkommens - Nettowertschöpfung - zeige unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes, dass die Realeinkommen der Milchproduzenten in den letzten 20 Jahren nicht mehr gestiegen, sondern im Vergleich zum Basisjahr 1991 sogar deutlich zurückgegangen seien, stellte die MEG Milch Board fest.

Bei grossen Betrieben ausgeprägter

Gerade bei den grösseren Milchviehbetrieben sei dieser Rückgang besonders ausgeprägt. Hier hätten weder der Strukturwandel noch die Ausweitung der produzierten Milchmengen beziehungsweise die Vergrösserung der Milchviehherden ein Plus gebracht. In Bundesland Rheinland-Pfalz sei beispielsweise das Einkommen der Betriebe mit 90 Milchkühen im Zeitraum von 2002 bis 2009 von rund 102'000 Euro auf 90'000 Euro gesunken. Dies habe einem Realeinkommen von 64'000 Euro (78'720 Fr.) entsprochen.

In Schleswig-Holstein sei das nominale Einkommen im gleichen Zeitraum geringfügig von 110'000 Euro auf 119'000 Euro gestiegen, was jedoch nur ein Realeinkommen von 84'000 Euro (103'000 Fr.) bedeutet habe. Dabei seien von diesen Beträgen noch nicht die Lebenshaltungskosten und Löhne für die durchschnittlich 2,4 Arbeitskräfte je Betrieb abgezogen.

Ohne Betriebsprämien illiquide

Den stärksten wirtschaftlichen Einbruch habe in der Branche die Milchkrise in den Jahren 2008 und 2009 mit jährlichen Einkommensrückgängen von 15 bis zu 50 Prozent gebracht, stellte Dr. Karin Jürgens von der BAL fest. Die Folgen der Milchkrise hielten bis heute an. So lägen die Verbindlichkeiten pro Kilogramm Milch momentan bei den grösseren Betrieben mit durchschnittlich
30 Cent/kg bis gut 50 Cent/kg nicht nur fast doppelt so hoch wie bei den kleineren, sondern sie würden trotz einer deutlichen Ausweitung der produzieten Milchmenge nicht mehr sinken. Als Folge verschleppe sich die Tilgung der Schulden. Zudem hätten die Betriebe ihre Nettoinvestitionen direkt nach der Krise stark zurückgefahren, und die Rücklagen würden aufgebraucht.

„An der Höhe des Cash- Flows ist zu erkennen, dass die Höfe ohne die Betriebsprämien akut in der Liquidität gefährdet gewesen wären“, so Jürgens. „Wir haben geahnt, dass es teilweise schlimm aussieht, doch diese Zahlen haben unsere Befürchtungen sogar noch übertroffen“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der MEGMilch Board, Peter Guhl, die Ergebnisse der Analyse. Wenn in Deutschland weiter flächendeckend Milch produziert werden solle, müssten die Milchbauern endlich die Möglichkeit haben, am Markt teilzunehmen und von den aktuell guten Verkaufspreisen für Milch zu profitieren.

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