13.06.2014 12:23
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Mehr Bundesgeld für Ballenberg
Das Freilichtmuseum Ballenberg im Berner Oberland soll mehr Bundesgelder erhalten. Der Ständerat hat am Freitag gegen den Willen des Bundesrates einen Vorstoss des Berner BDP-Vertreters Werner Luginbühl angenommen, der im Stiftungsrat des Museums sitzt.

Die kleine Kammer hiess die Motion mit 21 zu 12 Stimmen bei einer Enthaltung gut. Stimmt auch der Nationalrat zu, wird der Bundesrat beauftragt, in der Kulturbotschaft 2016-2019 einen «substanziell höheren Beitrag» an die Betriebskosten und den Investitionsbedarf des Freilichtmuseums einzustellen.

Luginbühl begründete sein Anliegen damit, dass das Museum sonst längerfristig gefährdet sei. Die Herausforderungen könnten ohne substanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand nicht bewältigt werden. Als einzigartiges Zentrum für die Vermittlung der ländlichen Kultur sei das Freilichtmuseum Ballenberg aber aus der Schweizer Museumslandschaft nicht mehr wegzudenken.

Für die Kinder und Enkel

Die Befürworterinnen und Befürworter pflichteten ihm bei. «Ich möchte, dass das Freilichtmuseum Ballenberg auch noch für unsere Kinder und Enkel einen wichtigen Teil der Schweizer Geschichte zeigen kann», sagte Brigitte Häberli-Koller (CVP/TG).

Die Gegnerinnen und Gegner betonten, dass auch sie von Ballenberg begeistert seien, warnten aber vor einem Präzedenzfall. Es gehe nicht an, einzelne Museen besonders zu fördern, befand Felix Gutzwiller (FDP/ZH) - «bei aller Liebe zu Ballenberg». Géraldine Savary (SP/VD) gab zu bedenken, alle Ständeratsmitglieder könnten Vorstösse dieser Art einreichen, sie selbst etwa zur Unterstützung der Cinémathèque in Lausanne.

Über Kriterien diskutieren

Die Gegnerinnen und Gegner vertraten wie Kulturminister Alain Berset die Auffassung, dass das Parlament im Rahmen der Kulturbotschaft für die nächsten vier Jahre über die Mittel für Museen entscheiden sollte, und zwar auf Basis von Kriterien.

Alles andere sei «total unseriös», befand Anita Fetz (SP/BS), die sich als Fan des Coiffeursalons von Ballenberg zu erkennen gab. Dort könne man sehen, wie Frauen vor 100 Jahren für eine Dauerwelle mit Folterinstrumenten traktiert worden seien. Das sei sensationell. Aber es gebe auch andere interessante Museen. Berset stellte fest, es gebe etwa 1000 Museen in der Schweiz. Er warnte davor, diese «Büchse» zu öffnen. Auch sein Appell blieb aber wirkungslos.

Eine halbe Million pro Jahr

Bisher hat sich das Freilichtmuseum Ballenberg laut Luginbühl zu über 90 Prozent aus Eigenmitteln finanziert. Für das laufende und das nächste Jahr erhielt es erstmals einen Betriebsbeitrag seitens des Bundes von 500'000 Franken pro Jahr. Berset möchte die Unterstützung in diesem Umfang weiterführen.

Der Bund unterstützt das Museum auch mit Projektbeiträgen. In den Jahren 2012-2015 flossen in diesem Rahmen insgesamt 375'000 Franken Richtung Ballenberg. Weiter richtet der Bund Finanzhilfen für die Übernahme von Denkmälern aus. Seit 2012 erhielt das Museum dadurch zusätzlich fast 200'000 Franken.

Keine Rückstellungen

Aus Luginbühls Sicht reicht dies jedoch nicht. Die ausgeglichene Betriebsrechnung sei in der Vergangenheit damit erkauft worden, dass weder in den Unterhalt von Sammlung und Infrastruktur noch in die Vermittlung der Gästeangebote genügend investiert worden sei, erklärte er. Rückstellungen für den anstehenden Unterhalt der historischen Gebäude fehlten gänzlich.

Ursprünglich hatte Luginbühl nicht nur mehr Bundesmittel verlangen wollen, sondern den Bundesrat auch damit beauftragen, mit dem Standortkanton Bern und den Museum vertretenen Kantonen eine «angemessene» Kostenbeteiligung auszuhandeln. Diesen Punkt des Vorstosses zog er aber zurück. Über die Erhöhung der Bundesmittel muss nun der Nationalrat entscheiden.

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