21.07.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold,lid
Betriebsführung
Landwirtin will andere ermutigen
Für Landwirtin Dina Schnell ist dieses Jahr vieles neu. Sie hat den Betrieb ihres Vaters übernommen, baut wenig verbreitete Kulturen wie Braugerste an und stellt den Hof auf Bio um.

Im März dieses Jahres hat Dina Schnell den elterlichen Betrieb in Kappelen im Berner Seeland übernommen. Seither ist ihr Vater nicht mehr Betriebsleiter, sondern ihr Angestellter. Den Betrieb besassen bereits die Ururgrosseltern und betrieben damals auch die Wirtschaft "Zur Linde". Noch heute zeugen die stattlichen Bäume vor dem Hof von dieser Zeit.

Bio ist zukunftsorientiert

Dina Schnell entschloss sich dazu, den Hof zu übernehmen und eine Ausbildung als Landwirtin EFZ zu starten. "Ich wollte mir fundiertes Wissen über die Landwirtschaft aneignen", sagt Schnell zum Entscheid für die Lehre und gegen den schnelleren Direktzahlungskurs. Da sie einen Master in Geographie abgeschlossen hatte, konnte sie die Ausbildung auf 2 Jahre verkürzen.

Bereits im Geographie-Studium hat sie sich vertieft mit dem Thema Boden auseinandergesetzt. "Als Landwirtin kann ich durch die Wahl der Kulturen, die Bearbeitungs- und Anbautechnik im Boden-Bereich viel bewirken", sagt die 30-jährige. Während der Ausbildung zur Landwirtin wurde ihr klar, dass Bio das Richtige für sie ist. Auch im konventionellen Bereich könne man zum Boden Sorge tragen, doch spreche ihr der Umgang mit der Natur beim Bio-Landbau eher zu. "Bio ist mit dem Gedanken von geschlossenen Kreisläufen eine zukunftsorientierte Landwirtschaft", sagt sie.

Klassische Rollenbilder

Schnell führt den Betrieb im Nebenerwerb, sie absolviert derzeit ein Hochschulpraktikum. Ab August ist sie beim Amt für Landwirtschaft des Kantons Bern (Lanat) im Bereich Hochbau und Bodenrecht tätig. 80 Prozent wird dort ihr Pensum betragen. Ein Tag in der Woche und je nach Arbeit das Wochenende ist für den Betrieb eingeplant. Sie ist überzeugt, dass ihre beiden Arbeiten nicht nur zueinander passen, sondern gegenseitig gewinnbringend sind.

Noch gibt es in der Schweiz nicht viele Frauen, die Landwirtschaftsbetriebe leiten. Dina Schnell hofft, dass sich das ändert. "Leider sind in der Landwirtschaft die klassischen Rollenbilder vom Bauern, der die Felder bestellt und der Bäuerin, welche hauptsächlich für den Haushalt verantwortlich ist, stark verankert. Betriebsleiterinnen sind deshalb noch immer eine eher ungewohnte Erscheinung", gibt sie zu bedenken. "Es herrscht oft noch die Vorstellung, dass der Sohn den Hof übernimmt", sagt sie weiter.

Will Vorbild sein

Dina Schnell will ein Vorbild sein und andere Frauen ermutigen die Betriebsleitung zu übernehmen. Oftmals trauen sich Frauen weniger zu, gerade im Umgang mit schweren Maschinen. Deshalb begrüsst Schnell, dass das Inforama und weitere landwirtschaftliche Ausbildungszentren Fahrkurse für Traktoren explizit für Frauen durchführen.

"Das senkt die Hemmschwelle für künftige Landwirtinnen und Bäuerinnen", sagt sie. Sie legt Wert auf die Unterscheidung von Landwirtin und Bäuerin, da es sich um andere Berufe handelt. "Ich wünsche mir, dass ich in 20 Jahren nicht mehr erklären muss, dass ich Landwirtin und nicht Bäuerin bin", sagt sie.

Ideen verwirklicht

Bereits ihr Vater hat den Betrieb zuletzt als reinen Ackerbau-Betrieb geführt, nachdem früher Milchkühe, Schweine und Mastpoulets gehalten worden waren. Schnell hat begonnen, den Betrieb auf Bio umzustellen und testet auf dem Hof - wo heute Bienen die einzigen Nutztiere sind - neue Kulturen. "Ich musste bei der Übernahme nicht auf bestehende Strukturen, wie z. B. Stallungen, Rücksicht nehmen und hatte das Privileg meine Ideen von Anfang an verwirklichen zu können", sagt Schnell.

Jetzt baut Dina Schnell für die IG Mittelland-Malz Braugerste an, gleich daneben wächst Soja. Das Soja wird zu Tierfutter verarbeitet, da für "Umstellungs-Soja" kein Markt im Bereich der menschlichen Ernährung vorhanden ist. Sie erhofft sich künftig Speisesoja anbauen und vermarkten zu können. Auf den 15,5 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche wachsen ausserdem Körnermais und Weizen. Hinzu kommt in kleinem Umfang Hopfen, den die Landwirtin für die Mikrobrauerei "Fleur de Lyss" anbaut.

Für die Zukunft ersehnt sich Dina Schnell eine Schweizer Landwirtschaft in der heterogene, kreative und unabhängige Betriebe wirtschaftlich erfolgreich sein können.

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