24.07.2015 14:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zürich
Landwirt kämpft für „Bauernhanf“
Hanf wurde während Jahrhunderten in der Schweiz kultiviert. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Pflanze auf Schweizer Feldern fast gänzlich verschwunden. Ein Landwirt aus dem Kanton Zürich will dem Hanf nun einen Imagewechsel verpassen.

Nur noch zwei Betriebe haben im Kanton Zürich in diesem Jahr Hanf angebaut. Gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wurden 2014 schweizweit noch auf sechs Hektaren Hanf ausgesät.

Anspruchslose Pflanzen

Der Hanf hat das Image einer Drogenpflanze. Diesem negativ belegten Bild will Landwirt Beat Müller aus Hettlingen entgegentreten, wie „Der Landbote“ in seiner Dienstagsausgabe berichtet. Auf einer Fläche von etwas mehr als einer Hektare hat er Hanf ausgesät. Er suchte eine Alternative zu den Zuckerrüben und wurde im Hanf fündig.

Müller ist mit der Pflanze zufrieden: «Sie ist sehr gesund für den Boden.» Es seien kaum Pflanzenschutzmittel und Dünger notwendig. Die Trockenheit mache dem Hanf nichts aus, zudem sei sie auch sonst anspruchslos. Während Jahrhunderten wurde in der Schweiz Hanf angebaut und verarbeitet worden. Sie wurde auch als Heilmittel eingesetzt.

Samen statt Blüten

Vor allem Jugendliche sollen sich immer wieder beim Feld von Müller aufhalten. Schilder machen aber deutlich, dass es sich bei den Pflanzen um Bauernhanf handelt. „Das Pflanzgut enthält kein THC“, heisst es auf mehreren Schildern. THC steht für Tetrahydrocannabinol, das beim Konsum berauschend wirkt. In der Schweiz ist der Anbau von Cannabis mit einem THC- Gehalt von über 0,3 Prozent verboten.

„In den Samen hat es absolut keinen THC. Und in den Pflanzen ist der Anteil so gering, dass es einem beim Rauchen höchstens schlecht würde“, sagt Landwirt Beat Müller gegenüber dem „Landboten“. Um das Blütenwachstum zu verhindern, kultiviert er männliche und weibliche Pflanzen. So entstehen Samen, geraucht werden aber die Blüten. Das Ausreissen der Pflanze lohne sich also nicht, hält der Landwirt fest.

„Pflanzengenozid“

Müller erntet also die Samen des „Bauernhanfes“. Doch was passiert anschliessend damit? Die Samen werden in Seife, Schönheitscrème, Zahnpasta, Shampoo oder Hanfsamenöl eingearbeitet respektive verarbeitet. Gemäss Beat Müller würden die Samen bei Magenschmerzen Linderung versprechen.

Abnehmer ist das Freiburger Unternehmen Sanasavita. Geschäftsführer ist Jean-Pierre Egger lässt an der Anbaupolitik des Bundes kein gutes Haar. Gegenüber dem „Landbote“ ortet er eine «administrative und bundesrichterliche Ausrottung» des mitteleuropäischen Agrar- und Industriehanfs. Er spricht gar von einem „Pflanzengenozid“.

Landwirt Beat Müller lässt sich nicht beirren. Er will nächstes Jahr wieder Hanf aussäen und die Fläche allenfalls gar ausbauen.

Fall CannaBioland

Das CannaBioland beschäftigte die Schweizer Justiz während rund 15 Jahren. Es ging um ein Hanffeld beim Weiler Litzistorf in der Gemeinde Bösingen FR. Der Bauer, der es bewirtschaftet hatte, wurde 2008 zu einer 21-monatigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Geschäftspartner Jean-Pierre Egger, Anwalt und Präsident des Vereins Schweizer (Bauern)Hanffreunde, wurde im Dezember 2010 vom Freiburger Kantonsgericht ebenfalls wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten und 1000 Franken Busse verurteilt. Egger wie auch die Staatsanwaltschaft hatten den Fall an das Bundesgericht weitergezogen.

Das Bundesgericht bestätigte im Mai 2011 das Urteil gegen Jean-Pierre Egger. Damit hatte Bundesgericht in der langjährigen Affäre um das Freiburger CannaBioland einen Schlusspunkt gesetzt.

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