20.01.2013 08:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Bern
Landwirt erleichtert - Hochwasserprojekt ist auf Eis gelegt
Fritz Held wehrt sich gegen den Bau eines Rückhaltebeckens auf seinem Land. Jetzt kommen ihm die Finanzen zu Hilfe. Weil Rüegsau nun zwei Schulhäuser sanieren muss, fehlt der Gemeinde vorerst das Geld für das Projekt.

Fritz Held ist erleichtert. Das Hochwasserschutzprojekt, welches auf seinem Land geplant ist, wurde ins Jahr 2017 verschoben. Der Grund dafür liegt in der finanziellen Situation der Gemeinde Rüegsau. «Uns fehlt das Geld», sagt Gemeindepräsident Fritz Rüfenacht, denn aktuell stünden andere Projekte an. Vorab mit rund 7,5 Millionen Franken die Sanierung des Sekundar- und des  Primarschulhauses in Rüegsauschachen.

Damm so hoch wie Haus

Das geplante Rückhaltebecken soll ein Fassungsvermögen von 90'000 Kubikmeter aufweisen. Zusätzlich beinhaltet das Hochwasserschutzprojekt einen 350 Meter langen, ansteigenden Damm. Dieser soll mit Lehm und anderen Materialen aufgeschüttet werden und am höchsten Punkt die Höhe eines Einfamilienhauses erreichen. 

Mit einem Profil auf seinem Land in der Weghausmatte in Rüegsbach will Fritz Held die enorme Höhe deutlich machen. «Schon an der öffentlichen Orientierung habe ich mich gegen das Projekt gewehrt», erzählt Held, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb führt. Nun werde er aber die Sache einstweilen ruhen lassen, meint Held, nachdem er von der Verzögerung erfahren hat. Denn es sei ungewiss, wie sich die gesetzlichen Vorschriften in der Landwirtschaft bis ins Jahr 2017 entwickeln würden.

Land verliert an Wert

7,4 Hektaren Land gehören zum Hof von Christine und Fritz Held. Eine Hektare benötigen sie für den Anbau von Mais, der Rest wird geheut, zum Silieren gemäht und dient als Weideland für die acht Aufzuchtrinder, die im Stall stehen. Rund drei Hektaren Land müsste das Ehepaar für den Bau des Beckens, das bei Unwettern ein kontrolliertes Abfliessen des Rüegsbachs ermöglichen soll, hergeben.

Meist sei es seine Frau Christine, die das Gras auf der Wiese mähe, erzählt Held, der als Chauffeur oft unterwegs ist. «Der steile Damm würde die Arbeit erschweren.» Auch würde das Hochwasserschutzprojekt den Wert seines Landes und der Liegenschaft deutlich verringern. Weiter käme dazu, dass er die beiden Unterstände für die Rinder, die ebenfalls auf dem Land stehen, wegräumen müsste. «Und nach dem Hochwasser wäre es unsere Arbeit, das Land von Ästen und Geröll zu reinigen.»  

Nun werden vorest anderen Massnahmen ergriffen

Trotz des momentanen Stopps des Projektes wolle man Massnahmen gegen das Hochwasser ergreifen, sagt Daniel Fankhauser von der Schwellenkorporation Rüegsau. «Im letzten Jahr haben wir mit der Hilfe vom Zivilschutz an diversen Stellen das Bachbord des Rüegsbachs ausgeholzt», das werde bestimmt auch heuer wieder geschehen. 

Eine weitere Möglichkeit sei, bei anfallenden Strassensanierungen in der Gemeinde eine kleine Welle in den Strassenbelag einzubauen, wie es bereits bei der Fraumatte in Rüegsauschachen der Fall sei. Diese Hürde soll verhindern, dass bei starkem Regen das Wasser in die Quartierstrasse laufe, erklärt Fankhauser.

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