20.11.2017 15:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Kostenanalyse
Kosten kennen heisst Geld verdienen
Umsatz und Beiträge bestimmen das landwirtschaftliche Einkommen. Noch entscheidender für ein positives Betriebsergebnis sind aber tiefe Strukturkosten. Ein neues Analyseinstrument hilft diese zu identifizieren.

Die Wirtschaftstheorie kennt verschiedene Produktionprinzipien. Etwa das Prinzip des Maximums (möglichst viel Output) oder das Prinzip des Minimums (mit möglichst wenig Input). Bei der dritten Variante geht es darum, die  Produktionsmittel so einzusetzen, dass der grösstmögliche Output mit dem kleinstmöglichen Input möglich wird. Das Produktions-Optimum.

Eine effiziente Betriebsführung bedeutet demnach sowohl Kosten als auch Umsatz für jeden Betriebszweig im Auge zu haben. Absatzseitig ist dies relativ einfach. Produzentenpreise und verkaufte Mengen sind bekannt. Auf der Aufwandseite lassen sich hingegen nur die Direktkosten eindeutig einem Betriebszweig bzw. einer Kostenstelle zuordnen. Schwieriger wird es da bei den Strukturkosten.

Hohe Arbeitskosten

Doch gerade diese Struktur- oder Gemeinkosten haben es in sich. Sie betragen laut Agroscope bei gemischtwirtschaftlichen Ackerbau- und Milchviehbetrieben rund zwei Drittel der Fremdkosten bzw. drei Viertel der totalen Kosten (inkl. Lohnanspruch für Familienarbeit und Eigenkapitalentschädigung). Für deren Zuteilung dient die Vollkostenrechnung. Diese hat allerdings den Nachteil, dass für die Dateneingabe relativ viel Zeit benötigt wird. Ist die Berechnung dagegen zu einfach, wird das Resultat ungenau und für die Betriebsführung unbrauchbar.

Agroscope hat sich dieses Problems angenommen und ein entsprechendes Instrument entwickelt. AgriPerform benötige deutlich weniger Zeit für die Dateneingabe, ohne die Komplexität der Materie zu vernachlässigen, schreibt Agroscope.

AgriPerform

AgriPerform ist ein Excel-Tool, das  Buchhaltungsergebnisse auf Betriebszweige aufschlüsselt und deren jeweiligen Erfolg aufzeigt. Die Zuteilung der Gemeinkosten erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Der primäre Schlüssel basiert auf Plankostenrechnungen. Der in AgriPerform verwendete betriebsspezifische (sekundäre) Verteilschlüssel resultiert aus der Anwendung der primären Verteilschlüssel auf über 3000 Referenzbetrieben der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten. Jeder Betrieb wird aufgrund der Region und der Betriebszweigstruktur einem Betriebstyp zugeordnet und verglichen.

Die Referenz-Betriebe wiederum verfügen über zahlreiche Betriebszweige, die nach Grösse differenziert sind. Insgesamt stehen über 4500 Betriebszweigtypen zur Verfügung. Auf Basis der Referenz-Betriebszweige berechnet AgriPerform einen betriebsindividuellen Gemeinkosten-Verteilschlüssel in Abhängigkeit der Betriebszweigstruktur des eigenen Betriebs. Somit können nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Gesamtbetriebs, sondern auch Betriebszweigergebnisse (Stundenlohn, Einkommen je ha) berechnet werden. Mehr Informationen unter zum AgriPerform finden Sie hier:  

Vergleichbare Resultate


Möglich sei dies durch eine automatische Gemeinkostenzuteilung. «Die Basis dazu bilden bestehende Buchhaltungsdaten von Betriebsgruppen aus der ganzen Schweiz mit unterschiedlichen Betriebszweigen. Mit Hilfe von Plankostenkalkulationen wurden die Strukturkosten (Maschinen, Arbeit, Gebäude, sonstige) aller Betriebe in der Agroscope-Datenbank den Betriebszweigen zugeteilt», schreibt die Forschungsanstalt.

Die Betriebszweige seien wiederum nach Region, Betriebstyp und Grösse gruppiert und bildeten sogenannte Referenz-Betriebszweiggruppen. Die Referenzdaten im Hintergrund des Programms würden dabei nicht nur für die Gemeinkostenzuteilung verwendet. Auch könnten die Daten mit einer passenden Referenzgruppe verglichen werden. Grafische Darstellungen zeigten die Stärken und Schwächen des Betriebszweiges im Vergleich zur Referenzgruppe. Für gewisse Betriebstypen, u.a. mit Schwerpunkt Veredelung (Geflügel, Schweine) oder Spezialkulturen (Obst, Gemüse, Rebbau), befindet sich das Programm hingegen noch in der Testphase.

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