2.12.2016 07:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesgericht
Kiesel in Morchelsauce: Versicherung muss nicht zahlen
Wer getrocknete Morcheln in einem Supermarkt kauft, sich daraus eine Sauce zubereitet und sich beim Essen einen Zahn an einem Kiesel verletzt, muss die folgenden Zahnarztkosten selbst berappen. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Gemäss den höchsten Schweizer Richtern ist es landläufig bekannt, dass Morcheln kleine Kieselsteine enthalten können. Davon müsse man auch in jenen Fällen ausgehen, wenn die Pilze in einem gewöhnlichen Laden gekauft wurden. Das Bundesgericht hat deshalb die Beschwerde einer Versicherung gutgeheissen, die sich gegen die Übernahme der Zahnarztkosten für einen zerbrochenen Backenzahn wehrte.

Die Versicherung argumentierte, dass kein Unfall vorliege und sie als Unfallversicherung deshalb nicht für den Schaden des 60-jährigen Versicherten aufkommen müsse. Aus juristischer Sicht gilt nur als Unfall, wenn eine aussergewöhnliche Einwirkung von aussen zu einem Schaden führt. Gemäss Versicherung und auch Bundesgericht ist es aber nicht aussergewöhnlich, wenn es beim Verzehr von Morcheln ab und zu mal etwas knirscht zwischen den Zähnen.

Die bereits umfangreiche bundesgerichtliche Rechtsprechung in Sachen Zahnbruchunfällen ist damit um ein Urteil reicher. In einem anderen Fall entschieden die Richter, dass in einem grünen Salat mit Oliven auch mit nicht entsteinten Oliven zu rechnen sei. Ebenso sehen es die Richter bei einem selbst zubereiteten Kirschkuchen, für welchen die Früchte eigenhändig gerüstet wurden.

Als Unfall hat das Bundesgericht jedoch den Fall einer Person eingestuft, die beim Verzehr eines Reisgerichts auf einen Kieselstein biss.

(Urteil 8C_53/2016 vom 09.11.2016)

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