1.06.2017 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fütterung
«Kein Palmöl für Nutztiere»
Die Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehen berichtete über den Einsatz des umstrittenen Palmöl im Tierfutter. Im vergangenen Jahr landeten 5000 Tonnen im Mischfutter. Der Bauernverband fordert nun, dass Palmöl entfernt wird. Der grösste Mischfutterproduzent der Schweiz, die Fenaco, unterstützt diese Forderung. Mit Video

Palmöl findet sich in vielen Lebensmitteln wieder. 2016 wurden rund 30'000 Tonnen in die Schweiz importiert und verarbeitet. Über 80 Prozent davon wird von der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Aber auch sehr viele Importprodukte enthalten preisgünstiges Palmöl.

"Wir habe das nicht gewusst"


Rund 5000 der 30'000 importierten Tonnen Palmöl landen in Futtermischungen. Für den Schweizer Bauernverband, der sich zusammen mit Umweltverbänden gegen eine Liberalisierung von Palmölimporten aus Malaysia wehrt, ist das eine unangenehme Situation. Der Import dieses Öls sei bedenklich, argumentieren Bauerorganisationen zusammen mit Entwicklungs- und Konsumentenorganisationen. Sie verlangen deshalb, dass Palmöl vom Abkommen mit Malaysia ausgenommen wird. Dieses dagegen wird ohne Zugeständnisse nicht unterschreiben.

Das Öl aus Südostasien kommt unter anderem bei Milchbauern zum Einsatz, berichtete die «Rundschau»: «Hochleistungsmilchkühe erhalten Kraftfutter mit dem umstrittenen Palmöl, um die Milchleistung zu erhöhen», so der TV-Sender. «Das ist uns unangenehm. Wir haben das nicht gewusst», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter am Mittwochabend in der «Rundschau». Das Palmöl im Futter sei nicht als solches deklariert gewesen. Beim Rezepturbeschrieb sei nur der Vermerk «Pflanzenöl» oder «pflanzliche Fette» zu finden. Palmölprodukte finden sich im Milchviehfutter, im Schweine-, Geflügel- und Kälbersektor. 

Raps- statt Palmöl

Der Bauernverband suche nun nach Alternativen. «Der Raps steht für uns im Vordergrund», so Ritter. In einem Communiqué von Donnerstag betont nur der Bauernverband, dass Palmöl im Tierfutter nichts zu suchen habe. «Schweizer Bauern wollen kein Palmöl im Tierfutter», so die deutliche Botschaft. Der Bauernverband fordert die Futtermittelhersteller auf, Palmöl aus den Rezepturen zu entfernen.

Die Fenaco, der grösste Futtermischhersteller (Melior, UFA) der Schweiz, begrüsst diese Forderung. «Im Futtermittelbereich prüft die Fenaco derzeit nachhaltige Alternativen zu Palmöl», heisst es in einem Communiqué von Donnerstag. Zur Forderung des Bauernverbandes, dass Palmöl durch einheimisches Rapsöl zu ersetzen, gibt sich der Agrarkonzern skeptisch.

Fenaco: Palmöl hat Anteil von 8 Prozent

«Nachhaltige Alternativen zu Palmöl aus Schweizer Produktion stehen nicht in genügender Menge zur Verfügung stehen. So wird beispielsweise die gesamte Inlandproduktion an Schweizer Raps in Form von Ölen und Fetten vollständig von der Lebensmittelindustrie nachgefragt», führt die Fenaco an. Das im Mischfutter verwendete Palmöl sei nach den Vorgaben der Umweltschutzorganisation WWF zertifiziert. Diese stuft RSPO-Palmöl «explizit» als nachhaltig ein. Von allen tierischen und pflanzlichen Fetten, welche für die Mischfutterproduktion importiert werden, hat Palmöl bei der Fenaco noch einem Anteil von rund 8 Prozent.

3000 ha mehr Raps

«Die Mischfutterfabrikanten in der Schweiz sind bereit, auf den Einsatz von Palmölprodukten zu verzichten, wenn dies von ihren Kunden, den Nutztierhaltern, gewünscht wird», schreibt die Vereinigung Schweizer Mischfutterfabrikanten (VSF) am Donnerstag in einem Communiqué. Die Folge sei aber höhere Futtermittelpreise für die Tierhalter, hält der VSF fest.

Der Bauernverband fordert, dass der Ersatz für das Palmöl in der Schweiz produziert wird. Er denkt an den Raps. Ein Ersatz der Palmölprodukte durch Schweizer Rapsöl verteuert den jährlichen Mischfutterbezug der Schweizer Tierhalter um 1.2 bis 1.5 Millionen Franken, führen die Mischfutterfabrikanten aus. Die Rapsfläche in der Schweiz müsste zudem um rund 3000 Hektaren ausgedehnt werden. «Das ist wegen der gegebenen Flächenverhältnisse und Anbauzyklen im Ackerbau kaum kurzfristig realisierbar», macht der VSF deutlich. Die Mengen müssten daher vollumfänglich durch Rapsöl-Importe sichergestellt werden.

Palmöl: Am besten verträglich für Kuh

Aber weshalb wird Palmöl im Tierfutter eingesetzt? «Palmöl ist das für den Magen der Kuh am besten verträgliche Fett», sagte Markus Wysshaar von der Erbo Spraytec AG aus bernischen Bützberg gegenüber der «Rundschau». Man könne eine Kuh gesünder ernähren, sie werde langlebiger, so Wysshaar. Das Unternehmen verarbeitet jedes Jahr hunderte Tonnen Palmöl. Sie stellt das Produkt ALIkon, ein Kraftfutter-Zusatz für Milchkühe, her.

Vor der BSE-Krise sei tierisches Fett eingesetzt worden. Nun setze man auf Palmöl. Erbo habe bereits versucht, ALIkon, mit Rapsöl herzustellen. Aber das europäische Öl sei den Kunden zu teuer gewesen, so Wysshaar. Der Preis ein solchen Produktes sei um 15 bis 20 Prozent teurer.

Die Schweiz und Malaysia verhandeln über ein Freihandelsabkommen. Wichtiger Bestandteil ist auch die Landwirtschaft. „Die Forderungen Malaysias nach einem Marktzugang für Palmöl ist beunruhigend“, warnte die Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor (Sals) im vergangenen Herbst. Sie gab eine Studie in Auftrag. Im Falle eines erheblichen Zollabbaus für Palmöl ginge die Rapsproduktion in der Schweiz um 40 Prozent zurück, so das Fazit. Für die Landwirtschaft würde dies einen Verlust von 26 Millionen Franken bedeuteten. Besonders betroffen wäre die Produktion von HOLL-Raps. Dieser Raps wird in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Da er ähnliche Eigenschaften wie das Palmöl hat, droht er aber durch das Palmöl ersetzt zu werden. 

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