14.03.2015 06:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Fenaco
Kauf durch Fenaco als letzte Rettung für Bison
Das Warenwirtschaftssystem der Fenaco Win 3000 war veraltet und man entschied sich für eine Neuentwicklung durch die Bison AG in Sursee LU. Zur Sicherung des Projektes musste die Firma schliesslich gekauft werden.

Die Fenaco. Das ist heute eine genossenschaftlich organisierte Unternehmung mit Konzernstrukturen. Sie verwaltet Minderheits- und Mehrheitsanteile anderer Kapitalgesellschaften. Unter diesen befinden sich auch Firmen, die man innerhalb der Wertschöpfungskette der Land- und Ernährungswirtschaft Schweiz vergebens sucht. Wie zum Beispiel die Bison AG, an welcher die Fenaco bereits seit längerer Zeit  einen Minderheitsanteil hielt, und welche sie Ende des vergangenen Jahres schlussendlich zu 100 Prozent übernommen hat.

Wieso eine Übernahme?

Einem  Landwirt und Genossenschafter kann sich da die Frage aufdrängen: Was will eine bäuerliche Selbsthilfeorganisation mit einem international tätigen Softwareentwickler?  Diese Frage wird umso wichtiger, wenn diese Firma Verluste schreibt und  die Kunden der Landi diese sehr hohen Entwicklungskosten tragen müssen.

Seit 15 Jahren beteiligt

Klar ist, dass die Fenaco bereits seit 15 Jahren an der Bison AG beteiligt ist und diese  mit der Entwicklung und Einführung eines neuen Waren- und Informationssystems (ERP) beauftragt hatte. Klar ist auch, dass Fenaco der Bison immer mehr Mittel in Form von Darlehen zur Verfügung stellen musste, um die  Entwicklungsprobleme zu beheben.

So ist es nicht erstaunlich, dass  unter der Bilanzposition «Darlehen und übrige langfristige Forderungen» im Anhang der konsolidierten Konzernrechnung der Fenaco zu lesen ist, dass insbesondere die «Darlehen an Equity-Beteiligungen» zugenommen haben.

Darin enthalten sind vor allem Darlehen, die an die Bison Schweiz AG im Zusammenhang mit der Software-Entwicklung «Bison Process» gewährt wurden. 2012 betrug dieses Darlehen über 327 Mio. Franken. Laut Berechnungen des Online IT-News-Portal «Inside Channels» müsste  Bison damit rund 160000 User-Lizenzen  zu 2500 Franken verkaufen, um die angefallenen Kosten zu decken, was laut dem News-Portal sehr ambitiös sei.

Während damit die Entwicklung in den vergangenen Jahren immer aufwendiger umd komplizierter wurde und das Darlehen an die Bison AG immer mehr erhöht werden musste, schien bei Fenaco die Sicherheit zu schwinden, dass Bison Process jemals den nötigen Erfolg einbringen wird und die steigenden Schulden gegenüber der Fenaco je zurückgezahlt werden können. 

So erklärt Josef Sommer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Fenaco und Leiter der Division Landi, gegenüber dem «Schweizer Bauer»: «Die ursprüngliche Überlegung war, dass man eine ERP-Lösung dann auch noch auf dem Drittmarkt verkaufen kann, wenn man eine solche schon erarbeitet. Man hat aber feststellen müssen, dass dieses Ziel schwierig zu erreichen gewesen ist», so Sommer.

Höhere Abschreibungen

Seit dem Jahr 2007 jedenfalls schreibt die Fenaco die Forderungen gegenüber der Bison AG in einem ausserordentlichen Mass ab. «Wegen des fehlenden Nachweises der Rückzahlungsfähigkeit wurden die zusätzlich gewährten Darlehen sofort wertberichtigt», ist dem Geschäftsbericht zu entnehmen. Schlussendlich hat Fenaco die Bison AG Ende des vergangenen Jahres komplett übernommen. «Wir haben uns im Zuge der Strategieprüfung entschieden, Bison zu übernehmen, um uns auf die Aktivitäten in der Fenaco-Landi-Gruppe zu fokussieren sowie auf branchennahe Drittmärkte», erklärt Sommer.  

Fenaco übernahm die Anteile von Rudolf Fehlmann, langjähriger CEO der Bison AG. Er wurde durch Fenaco-Geschäftsleitungsmitglied Michael Buser ersetzt. Nebst dem Chef haben seit der Fenaco-Übernahme bereits 39 Mitarbeiter die IT-Unternehmung verlassen.

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