6.08.2013 06:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Soja
Ist Soja aus Indien die Lösung?
Die schwierige Versorgungslage beim gentechfreien Sojaschrot beschäftigt derzeit die gesamte Futtermittelbranche. Doch wieso ist gentechfreies Soja überhaupt knapp, und gibt es Alternativen?

Die Lage auf dem Markt mit gentech(GVO)-freiem Sojaschrot ist angespannt. Die Mischfutterhersteller in Europa sind generell knapp mit Futterproteinen versorgt. Viele rechneten mit tieferen Sojapreisen im Sommer und hielten die Lagerbestände tief. Anstatt sinkender Preise kam es aber zu Logistikproblemen in Brasilien, und die Lieferungen stockten.

Anteil GVO-Soja steigt

Die Zuschlagsprämie für Nicht-GVO-high-protein-Soja mit Nachhaltigkeitsattest liegt mittlerweile bei ca. Fr. 15.–/dt. «Die Sojapflichtlagerbestände können nur zum Teil mit anderen Eiweissträgern wie Rapsschrot ersetzt werden, daher ist der Handlungsspielraum mit den Pflichtlagern sehr gering», erklärt Philipp Zürcher von der Handelsfirma Agrokommerz die Problematik.

Laut sojanetz.ch wird geschätzt, dass mittlerweile 73% des weltweit angebauten Soja gentechnisch verändert sind. Von der gesamten, auf dem Weltmarkt gehandelten Sojaschrotmenge importierte die Schweiz 2010 verschwindend kleine 0,4%. Pius Eberhard, Verantwortlicher für den Getreide und Ölsaatenhandel bei Fenaco: «Die Situation auf dem Sojamarkt ist sehr herausfordernd und wird immer komplexer. Die Alternativen sind limitiert.»

Wieso ist Soja knapp?

Drei Hauptpunkte führen laut Marktkennern dazu, dass es zunehmend schwieriger wird, GVO-freies Soja zu erhalten:
Von den drei grössten Produktionsländern USA, Brasilien und Argentinien produziert nur Brasilien eine namhafte Menge an GVO-freiem Soja (25%). In den USA und in Argentinien wird zu 93 respektive 99% gentechnisch verändertes Soja angebaut. GVO-freies Soja, das in die EU und die Schweiz importiert wird, stammt deshalb fast ausschliesslich aus Brasilien.

China fragt immer mehr Soja nach. 2010 bezog China allein 61% der weltweit gehandelten Sojabohnen. Diese stammen zu fast 90% aus den Ländern USA, Brasilien und Argentinien.  Die EU importiert grösstenteils Sojaschrot. Die Bohnen müssen also zuerst in Brasilien gepresst werden. China hingegen bezieht grosse Mengen ganzer Bohnen. Dies ist für die Exportländer einfacher zu handhaben, weshalb diese Lieferungen prioritär behandelt werden.

In Brasilien muss das Soja zum Teil bis zu 2000 km weit von den Anbaugebieten bis zu den Verladehäfen transportiert werden. Ölwerke und Häfen stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. So entstehen logistische Engpässen beim Sojaexport. Diese Probleme führen vermehrt dazu, dass GVO-freies Soja mit konventionellem gemischt wird, da der Aufwand für separate Transporte und Verarbeitung zu gross ist.

Alternativen zu Brasilien?

Gibt es also Möglichkeiten, anderweitig an GVO-freies Soja zu gelangen? Das Projekt Donau-Soja ist eine interessante Alternative, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Einerseits tut sich dort einiges, und die Anbauflächen in Osteuropa steigen. Österreich will z.B. die ganze Eierproduktion auf Donau-Soja umstellen. Anderseits sind diese Mengen aber sehr limitiert.

Blicken wir also noch etwas weiter in die Ferne. «Von Januar bis Juni 2013 wurden neben den 84'000 Tonnen Sojaschrot aus Brasilien auch 14'000 Tonnen aus Holland, 8'000 Tonnen aus China (nur Bio-Sojakuchen) und 6'500 Tonnen aus Indien importiert. Insbesondere die Menge aus Indien hat dabei gegenüber früheren Jahren zugenommen», gibt Philipp Zürcher Auskunft. Bei vielen Futtermittelherstellern sei jedoch indisches Sojaschrot nicht sehr beliebt, da es aufgrund anderer Ölpressverfahren einen höheren Rohfaseranteil enthält. 

Ausserdem muss die Branche Überlegungen zu den Nachhaltigkeitsstandards des indischen Soja anstellen. Stefan Kausch vom Sojanetzwerk Schweiz, dessen Mitglieder sich dafür einsetzen, dass bis 2014 90 Prozent des importierten Sojas aus nachhaltiger Produktion stammen, meint dazu: «Man ist daran in Indien und China solche Standards zu entwickeln.»

Zukunftseinschätzungen

Gleichzeitig ist Kausch jedoch davon überzeugt, dass sich die Versorgung aus Brasilien wieder einpendeln wird. «Mehrere grosse Detailhändler aus Europa haben gegenüber Brasilien bekundet, dass sie langfristig auf GVO-freies Soja setzen wollen, deshalb bin ich mir sicher, dass es auch in Zukunft einen Markt für GVO-freies Soja geben wird.»

Auch andere Marktakteure sind überzeugt, dass sich Langzeitverträge mit Brasilien bewähren und zur Versorgungssicherung beitragen. Knackpunkt dürften aber auch in Zukunft die logistischen Aspekte und die Distanz sein.

 

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