14.05.2015 09:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Zürich
Investor kauft Bauernhöfe
Die Zürcher Kantonalbank hat ihre beiden Landwirtschaftsbetriebe Guldenen an einen Investor verkauft. Das machte den Bauer und Kantonsrat Martin Haab stutzig. Er reichte eine Anfrage an die Regierung ein.

56 Hektaren Land mit den entsprechenden Gebäuden und Geräten umfassen die beiden landwirtschaftlichen Betriebe Guldenen in den Gemeinden Maur und Egg im Kanton Zürich. Sie gehörten bis vor Kurzem der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Anfrage eingereicht

Bewirtschaftet wurden und werden sie auch weiterhin in Pacht. «Wir wussten im Kantonsrat, dass die ZKB diese Betriebe veräussern wollte, weil sich die Bank auf ihr Kerngeschäft konzentrieren möchte», sagt der Landwirt und Kantonsrat Martin Haab. «Dagegen ist auch nichts einzuwenden.» Überrascht war Haab allerdings über die Vorgehensweise.

Er erfuhr aus den Medien, dass die ZKB die beiden Milch- und Ackerbaubetriebe an den Investor Urs E. Schwarzenbach verkauft hatte. «Nun schreibt aber das bäuerliche Gesetz zum Bodenrecht vor, dass nur Landwirtschaftsland kaufen kann, wer Bauer ist», betont Haab. «Dass dies bei Urs Schwarzenbach nicht zutrifft, dürfte klar sein. Also muss es einen anderen Grund gegeben haben, warum die ZKB an einen Nichtselbstbewirtschafter verkaufte.» Er möchte nun zusammen mit Michael Welz Licht ins Dunkel bringen. Die beiden reichten am 27. April eine Anfrage an die Zürcher Regierung ein.

Zu hoher Verkaufspreis

Haab möchte wissen, ob die beiden Betriebe öffentlich ausgeschrieben worden sind. «Wenn das der Fall war, so möchte ich wissen, wie viele Bauern sich gemeldet haben», sagt er. «Wenn nicht, so stellt sich die Frage, warum nicht. Es hätte ja sein können, dass ein Landwirt Interesse gehabt hätte. Egal, wie hoch der Kaufpreis war, man kann nicht davon ausgehen, dass ein Bauer nicht in der Lage wäre, solche Betriebe zu erwerben.»

Wenn er von einem angemessenen Preis von zehn Franken pro Quadratmeter ausgehe, so würde der Verkaufspreis für das Land bei rund 5,6 Millionen Franken liegen, mit Gebäuden noch etwas höher. Er vermutet aber, dass die beiden Betriebe zu einem viel höheren Preis verkauft wurden. «Das ärgert mich als Bauer, obwohl ja der ganze Kanton von diesen Einnahmen profitiert.» Er gönnt zudem den jetzigen Bewirtschaftern, dass sie auf den Betrieben ein Auskommen haben. Er ist aber skeptisch in Bezug auf das anscheinend langjährige Pachtverhältnis.

Mögliche Zerstückelung

Die beiden Kantonsräte gehen aber noch weiter. Sie wollen wissen, zu welchen Kriterien das Landwirtschaftsamt für eine Aufteilung von Betrieben Hand bieten würde. «Die Abweichung vom Zerstückelungsverbot zum Beispiel kann in gewissen Momenten durchaus Sinn machen«, betont Haab.

«Wichtig ist dann, dass andere Bauernfamilien ihren Betrieb arrondieren können und vielleicht sogar eine bessere Existenz bekommen.» Das wäre für ihn immer noch viel besser, als die Gefahr einzugehen, dass die Bewirtschaftung irgendwann in Zukunft plötzlich aufgegeben wird. «Immerhin waren in jenem Gebiet schon ein Golfplatz und eine Pferdesportanlage im Gespräch, die allerdings keine Chance hatten.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE