15.02.2016 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleisch
Import von „Dopingfleisch“ hat zugenommen
Im vergangenen Jahr haben die Einfuhren von Fleisch, das mit hormonellen Leistungsförderern produziert wurde, zugenommen. Im Detailhandel wird solches Fleisch immer mehr aus dem Sortiment genommen, im Gastrokanal hingegen wird es weiterhin verkauft. Ein Einfuhrverbot will der Bundesrat nicht.

Seit 1970 ist Produktion von „Hormonfleisch“ in der Schweiz verboten. In den USA, Kanada oder Australien werden Hormone in der Rinder-Mast weiterhin eingesetzt. Die EU hat den Import (und auch die Produktion) untersagt, weil einige der eingesetzten Hormone erbgutschädigend oder krebserregend sind.

Bundesamt ortet keine Gesundheitsgefahr

In der Schweiz hingegen will der Bundesrat nichts von einem Verbot wissen. Einer Motion von Nationalrätin Adèle Thorens (Grüne/GE) mit dem Titel „Kein Hormonfleisch in unseren Regalen“ hat er eine Absage erteilt. Die USA und Kanada verhängten gegen die EU Strafzölle. Dasselbe drohe der Schweiz, befürchtet der Bundesrat.

Der Bundesrat rechnet mit Einbussen von zu 30 Millionen Franken, schreibt der „SonntagsBlick“ in seiner jüngsten Ausgabe. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit sieht durch das Fleisch zudem keine gesundheitliche Gefährdung.

Importe haben deutlich zugenommen

Im vergangenen Jahr haben die Importe von „Hormonfleisch“ deutlich zugenommen. Gemäss Angaben des Tierschutzes haben die Einfuhren innerhalb von drei Jahren um 30 Prozent auf 1413 Tonnen im Jahre 2015 zugenommen. 

Das mit hormonellen Leistungsförderern erzeugte Fleisch muss in der Schweiz lediglich als solches für den Kunden ersichtlich deklariert werden

Artwidrige Haltung

Nebst einer Gesundheitsgefährdung stehe hinter dem „Dopingfleisch“ eine massive Tierquälerei, schreibt der Schweizer Tierschutz (STS) am Sonntag. Der massenweise Einsatz von Wachstumshormonen und Beta-Antagonisten in den Freiluftstallungen amerikanischer Feedlots treibt die Tiere zu extrem raschem und starkem Muskelfleischansatz. Eine Leistung, die sie natürlicherweise nicht erbrächten, kritisiert der STS.

Zudem würden die Tiere überwiegend mit Getreide gefüttert. Die negativen gesundheitlichen Folgen der Fehlernährung sind massiv. „Diese einseitige Kraftfutterdiät ist für Rinder ebenso artwidrig, wie wenn der Mensch sich von Gras ernähren müsste“, so der Tierschutz. Feedlot-Rinder würden oftmals auch unter extremen Witterungsbedingungen leiden und stünden teilweise monatelang knietief in eigenen Kot. „Das Kastrieren ohne Schmerzausschaltung ist ebenso erlaubt wie extrem lange Transporte zu den Schlachthöfen“, so der STS. Solche  Mast- und Transportbedingungen sind in der Schweiz verboten.

Hormonfleisch landet meistens im Gastrokanal

Der Schweizer Tierschutz und der „SonntagsBlick“ haben beim Detailhandel und den Gastrozulieferer nachgefragt, ob das „Dopingfleisch“ aus dem Sortiment genommen wird. Beim Detailhandel sieht es erfreulich aus. Coop, Lidl, Manor und Volg haben solche Produkte ausgelistet. Aldi und Spar wollen bis Ende Jahr kein Hormonfleisch mehr verkaufen. Migros und Denner wollen bis 2020 auf solche Importe verzichten.

Düsterer sieht es im Gastrokanal aus. Hier landet der überwiegende Teil dieses Fleisches. Bell, Ernst Sutter, GVFI, Frigemo, Prodega und Saviva sehen keine Auslistung vor. Die Micarna will bis Ende 2020 auf den Import von Hormonfleisch verzichten. Erfreulich ist der Entscheid der SV-Group. Die Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe verzichtet auf Hormonrindfleisch und setzt stattdessen auf einheimische Fleisch.

Dass der Import solchen Fleisches sinkt, liegt aber auch in den Händen der Konsumenten. Lassen sie solches Fleisch im Regal liegen oder bestellen sie dieses im Restaurant nicht, dürften die Einfuhren sinken. Zudem will der Tierschutz mittels einer Branchenvereinbarung oder eines staatlichen Verbotes tierschutzkonforme Fleischimporte durchzusetzen.

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