11.05.2018 12:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Haudenschild
Waadt
Im Welschland Glück gefunden
Vor 50 Jahren zügelten Ernst und Käthi Gerber-Spahni mit Kindern, Vieh und Inventar von Ostermundigen nach Vuarrens.

«Auf und davon, 50 Jahre Vuarrens» lautete das Motto des grossen Festes der Familie Ernst und Käthi Gerber-Spahni mit über 160 Freunden und Weggefährten am Auffahrtstag in der grossen Scheune auf dem Betrieb in Vuarrens VD, den sie 1968 kaufen konnten. 

70 Kühe


Er wird seit 20 Jahren von den Söhnen Thomas und Hermann geführt. Der Betrieb auf 700 Metern über Meer oberhalb des Dorfes umfasst heute 28 Hektaren Eigenland und 12 Hektaren Wald sowie 36 Hektaren Pachtland. Produziert wird mit 70 Kühen auf der Basis Simmental und Red Holstein, welche mit einem Brown-Swiss-Stier eingekreuzt werden (weniger Ausfälle, bessere Klauen, mehr Gehalt), rund eine halbe Million Kilo Milch für Gruyère AOP. Auf einer Alp in Frankreich werden 90 Rinder (zwei Jahrgänge) rund 160 Tage gealpt. Dementsprechend ist das Abkalbealter immer noch bei hohen rund 30 Monaten.

Mit Bruno (22), welcher den Betriebsleiterkurs in Grangeneuve FR besucht und Oliver (20), dem Landmaschinenmechaniker, beide Söhne von Thomas und Käthi Gerber-Gerber, wächst eine dritte Generation Gerber in Vuarrens nach, die ebenso Interesse an der Landwirtschaft zeigt wie Vater Thomas und Onkel Hermann sowie ihr Grossvater Ernst Gerber, der sowohl im Welschland als auch im Kanton Bern als engagierter Landwirt und Schwingerfreund weitherum bekannt ist.

«Auf und davon»

«Als gelerntem Mechaniker, Polizisten und Eingeheiratetem prophezeihten mir viele, dass ich im Welschland verlumpen werde, hatten wir doch wenig Bauland zu verkaufen», schaut Ernst Gerber auf das Schicksalsjahr 1968 zurück. Acht Jahre zuvor hatte er in Ostermundigen Käthi Spahni geheiratet. Schwiegervater Gottfried Spahni führte den Landwirtschaftsbetrieb, der ursprünglich zur Metzgerei Spahni und zur Wirtschaft Tell gehörte. 

«Zum Betrieb gehörten bloss 1,5 Hektaren Land, und von der Stadt Bern hatten wir 25 ha Pachtland», erinnert sich Ernst. Weil Käthis Bruder Ueli Spahni eine Mechanikerlehre gemacht und in der Matra (John Deere) in Zollikofen sein Wirkungsfeld gefunden habe, sei er (Ernst) im Landwirtschaftsbetrieb mit damals schon 30 Kühen und viel Kartoffelanbau sehr erwünscht gewesen und habe vom Schwiegervater Gottfried Spahni viel gelernt. 

Enges Ostermundigen  

Durch das starke Wachstum von Ostermundigen und den ständigen Pachtlandverlust sei der Entschluss gereift, etwas Neues zu suchen. In Vuarrens VD bot sich Ende 1967 die Gelegenheit, Haus und Ställe mit 20 Hektaren arrondiertem Land zum Preis von unter 2 Fr./m2 zu kaufen, erklärt Ernst. «Am 14.März 1968 fuhren wir los, die fünfjährige Rosmarie mit mir im Zügelwagen, der zweijährige Hermann blieb vorerst bei der Grossmutter.» Ernst fuhr mit dem John Deere und zwei Wagen. 

Als weitere Traktorfahrer halfen Fritz Wyss, Hans Zimmermann, Alfred Gosteli und Beat Vogel. Die Fahrt ging über Murten nach Faoug, wo im Restaurant Bahnhof bei Familie Althaus Mittagsrast gemacht wurde, nachher ging es richtig ins Welsche, über Salavaux, Estavayer, Yvonand und Oppens nach Vuarrens», erinnert sich Käthi Gerber lebhaft. 

Immer wieder bauen

Angekommen auf dem Hof seien in Haus und Stall dringende Reparaturen zu erledigen gewesen, vor allem eine Wasserpumpe fehlte. Futterkrippen mussten vergrössert und Schiebebarren ersetzt werden. Zum Glück seien die Kühe erst Ende April gekommen mit dem langjährigen Angestellten mit Familienanschluss, Alfred Lüthi. Dieser verbringt nach 48 Dienstjahren seinen Lebensabend heute im Dienstbotenheim Oeschberg BE.

«Ständig mussten wir bauen rund um Haus und Stall: eine neue grosse Güllengrube, Stallerweiterung um 14 Kuhplätze, einen neuen Schopf und vieles mehr», erinnern sich Ernst und Käthi Gerber an diese turbulente und arbeitsreiche Zeit, in die auch Sohn Thomas 1971 geboren worden ist. «Dieser dachte mit 20 Jahren ans Auswandern, ging nach Kanada und lernte dort bei der Familie Etter zum Glück seine künftige Frau Käthi Gerber kennen. Und sie kamen zurück. So wurde dann auf meinen 65. Geburtstag 1998 hin die Hofübergabe endgültig aktuell. Auf 1. Januar übergaben wir unseren Betrieb je zur Hälfte an unsere Söhne Hermann und Thomas und zogen ins Stöckli», schaut Ernst Gerber zurück.

Grosse Dankbarkeit

Käthi und Ernst Gerber-Spahni schauen mit grosser Dankbarkeit auf ein Leben mit grossen Veränderungen in der Landwirtschaft zurück. Und auf viel Glück in Familie, Haus und Hof. Zusammenhalt in der Familie, Wille, Neugier, Wissen, Können und Erfahrung sowie die Verbundenheit mit vielen Menschen in der alten und neuen Heimat haben den beiden zusammen mit dem Glauben stets Kraft und Halt gegeben.  

Ernst Gerber sagt: «Das ist mein letztes Fest, und ich mache es vor allem für mein Käthi. Nur dank seiner Mithilfe und Unterstützung konnten wir unser Ziel erreichen, eine neue Existenz in Vuarrens für unsere Familien zu finden und uns im Welschland fest zu verwurzeln.»

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