25.10.2019 17:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Luzern
Holen weite Welt nach Hause
Im Hilferntal, weit hinten im luzernischen Entlebuch, funktioniert Nachbarschaftshilfe vorbildlich. Trotzdem ist es für die jungen Eltern Pius und Luzia Wicki wichtig, sich regelmässig unter die Leute zu begeben.

Jeden zweiten Tag fährt der Tanklastwagen vor. Der Platz reicht gerade mal knapp zum Wenden. Im Winter, wenn die Strasse nicht schwarz geräumt ist, muss der Fahrer Schneeketten montieren.

«Stotzig Dorbach» 

Kein Wunder, an einem Ort, der den vielsagenden Namen «Stotzig Dorbach» trägt. Organisiert wird der Milchtransport von den Escholzmatter Bauern selbst, sie haben dazu schon vor vielen Jahren eine Milchverwertungs-Genossenschaft gegründet. «Weil wir so die Transportkosten tief halten, können wir es uns noch einigermassen leisten, Industriemilch zu produzieren», meint Pius Wicki.

Er lebt zusammen mit seiner Ehefrau Luzia und dem erst halbjährigen Töchterchen Regina im Hilferntal, weit hinten in der Biosphäre Entlebuch. Die Schratteflue direkt vor seinen Augen - umrahmt vom Stallfenster, und für ihn schöner als jedes andere umrahmte Gemälde.

Arbeiten zu dritt

Der genossenschaftlich organisierte Milchtransport ist nur ein Beispiel vorbildhafter Zusammenarbeit im Hilferntal. «Wir nutzen auch unsere Landmaschinen zu dritt», erklärt Wicki. Mit der Konsequenz, dass nicht alle zur selben Zeit heuen oder misten können. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn in dem steilen Gelände, wo noch viel von Hand, oder, wie Wicki sich ausdrückt, «körperlich» gearbeitet werden muss, hilft man sich auch mit Heugabel und Rechen. 

Für Wicki war es nie eine Frage: Hier oben, auf 1291 Meter über Meer, ist er aufgewachsen, hier will er bleiben, hier will er den 16-Hektar-Betrieb seiner Eltern weiterführen. Mit neun Milchkühen, 12 Aufzuchtrindern und noch ein paar Wasserbüffeln, die er im Aufzuchtvertrag hat – und obschon er von der Landwirtschaft allein nicht leben kann. «Ich kümmere mich im Winter um die Schneeräumung der Strasse», sagt der 28-Jährige, «und ich melke oft als Betriebshelfer auf anderen Betrieben.»

Sitzen gerne beisammen

Für Ehefrau Luzia war die Umstellung etwas grösser. Sie ist zwar auch auf einem Bauernhof aufgewachsen, aber in Weggis am Vierwaldstättersee. «Das Klima ist ganz anders», erzählt sie. «Kann man beim milden Seeklima von Weggis oft schon Ende April heuen, lässt man hier oben vielleicht erst die Kühe raus.»

Den beiden ist auch wichtig, sich regelmässig unter Menschen zu begeben. Manchmal holen sie sich ein bisschen grosse, weite Welt nach Hause. Weil die Region für Wanderer beliebt ist, bieten sie Bed&Breakfast an. «Da sitzen wir abends oft miteinander am Tisch», sagt Luzia Wicki. Als leidenschaftliche Volksmusiker – er spielt Bassgeige, sie Schwyzerörgeli – nehmen sie auch häufig an Dorf- oder Vereinsfesten teil. «Egal, ob auf der Bühne oder als gewöhnliche Gäste», erzählen beide übereinstimmend. 

Kein Mobilfunk-Empfang


Luzia Wicki, die immer noch gerne mit ihren früheren «Seeluftörgelern» musiziert, kostet das gemeinsame Üben aber viel Zeit. Zu den drei Stunden Proben kommen nämlich noch 1½ Stunden Hin- und 1½ Stunden Rückfahrt hinzu. Mindestens – denn wenn Wickis im Tal unten sind, nutzen sie die Gelegenheit auch gleich zum Einkaufen und um das Auto vollzutanken. «Unabhängig davon, ob der Tank leer ist oder nicht», meint Pius Wicki. 

Das Telefonieren hier oben mit dem Handy ist nicht möglich. Trotzdem besitzen beide ein Mobiltelefon, obschon es keinen Mobilfunk-Empfang gibt. «Handwerker geniessen es, wenn sie mal einen Tag ohne Ablenkung arbeiten können», meint Pius Wicki. Dank einer Antenne, die die Swisscom für sie installiert hat, haben sie aber inzwischen Internetzugang und WLAN, so dass sie zumindest über Whatsapp telefonieren können.

Das funktioniert aber auch nur im oder unmittelbar ums Haus. Wenn man auf den Feldern arbeitet, sei das Handy einzig dazu da, um mal nach der Uhrzeit zu schauen. Und sollte es etwas Wichtiges mitzuteilen geben, ist der nächste Nachbar nie weit weg. «Jeder lässt einen mal telefonieren, wenn etwas ist», sagt Wicki.

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