23.02.2014 07:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Hagel
Hagelabwehr kämpft um Akzeptanz
Die Schweizerische Vereinigung für Hagelbekämpfung (SVH) kämpft um Akzeptanz. Denn wissenschaftlich gesehen funktioniere die Hagelabwehr nicht, so die Kritiker. Stimmt nicht, hält die SVH dagegen.

Die versicherten Hagelschäden in der Schweizer Landwirtschaft schwanken zwar von Jahr zu Jahr sehr stark. «Im Durchschnitt liegen die versicherten Hagelschäden bei rund 50 Millionen Franken», sagt Emilia Baldi, Mediensprecherin der Versicherung «Schweizer Hagel» dazu. Dabei sei zu beachten, dass rund 75% der offenen Ackerflächen versichert seien. 

«Beweis fehlt»

Eigentlich müsste deshalb Schweizer Hagel ein Interesse daran haben, Hagel möglichst zu verhindern. «Selbstverständlich interessiert uns das Thema Hagelabwehr, und wir verstehen den Wunsch, Hagel zu bekämpfen» sagt Baldi dazu. Schweizer Hagel habe in den Siebzigerjahren an Versuchen teilgenommen und erhalte auch laufend Informationen über neue Erkenntnisse von der Internationalen Vereinigung der Hagelversicherer (Aiag).

«Unseres Wissens gibt es bis heute keinen breit abgestützten wissenschaftlichen Beweis hinsichtlich Wirksamkeit des Wolkenimpfens. Aus diesem Grund haben wir bis heute Hagel-Abwehr-Aktivitäten nicht unterstützt», fügt Baldi an.

Schweizer Hagelabwehr nicht miteinbezogen

Dieses Lied kennt Arthur Angehrn bestens. Er ist als SVH-Präsident oberster Hagelabwehrschütze in der Schweiz. «Leider kämpfen wir auf der ganzen Linie um die Akzeptanz», seufzt er. Immer wieder würden die Versuche der ETH aus den Siebzigerjahren als Grund gegen die Hagelabwehr herangezogen. Dabei seien aber nicht etwa die hier gebräuchlichen Raketen der Firma Hamberger, sondern  zwei verschiedene Typen von russischen Raketen verschossen worden.

Silberjodid

Bei der Hagelabwehr wird mit jeder geschossenen Rakete bis zu einer Milliarde von kleinen Partikeln aus Silberjodid verstreut. Silberjodid hat eine sehr ähnliche Gitterstruktur wie Eis, und daher wirken diese Partikel als sehr gute Kondensationskeime für die Bildung von Eiskristallen. Die Eiskristalle oder bereits kleinen Hagelkörner fallen durch die noch schwache Thermik nach unten und tauen in der Übernullgradzone bis zum Boden wieder zu Wasser auf. sam

Auch sei die aktive Schweizer Hagelabwehr nicht miteinbezogen und untersucht worden. «Wir haben selber positive Erfahrungen gesammelt und können sie unter www.havos.ch nachvollziehen», argumentiert Angehrn. Ebenfalls lägen wissenschaftliche, für die Hagelabwehr positive Ergebnisse aus Deutschland vor.

Kampf geht weiter

Angehrn kämpft deshalb weiter für die Akzeptanz der Methode zur Hagelverhinderung: «Unser Ziel muss es sein, grosse zusammenhängende Gebiete zu erschliessen, um mit Erfolg arbeiten zu können.» Der Verband Ostschweiz sei gut aufgestellt und müsse Zukunft für die übrige Schweiz sein.

Tatsächlich: Die Hagelabwehr ist in der Schweiz höchst unterschiedlich präsent. Im Verband Ostschweiz sind gemäss Angehrn 43 Gemeinden dabei, im Teilverband Mittelland/Emmental 21 und in Bern/Solothurn 18, was ein Total von 82 Gemeinden ergibt. Über die Westschweiz kann Angehrn hingegen keine Angaben machen.

Hohe Anforderung

Die Anforderungen an die Ausbildung der Hagelabwehrschützen sind hoch. Seit 1986 muss jeder Schütze eine anforderungsreiche Prüfung ablegen sowie alle fünf Jahre eine ergänzende Schulung besuchen. Trotzdem liessen sich in einer Mehrzahl der Gemeinden noch genügend Schützen rekrutieren, sagt SVH-Präsident Arthur Angehrn dazu. Allerdings kämen eher weniger Bauern, dafür vermehrt Personen aus anderen Berufsgruppen als Schützen dazu. sam

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